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Kupferstich der Stadtansicht Paderborns von Matthäus Merian. Veröffentlicht in "Topographia Germaniae" Band "Topographia Westphaliae" von 1647. Bildinformationen anzeigen

Kupferstich der Stadtansicht Paderborns von Matthäus Merian. Veröffentlicht in "Topographia Germaniae" Band "Topographia Westphaliae" von 1647.

Foto: Nairem (WikiCommons)

Die Projektgruppe Barock im Norden!

Barock im Norden? Mit dieser Frage begannen die Überlegungen der Forschergruppe 2010 an der Universität Paderborn. Mittlerweile kooperieren darin fünf Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus den Bereichen Germanistik, Musikwissenschaften, Romanistik, Anglistik und Geschichte. Wir fragen damit nach einem Querschnittsthema der Frühen Neuzeit. Denn der Barock gilt als ein Kunststil / ein Code / eine politische Sprache der südeuropäischen Länder. Entstanden um 1600 in Rom, war er im Ursprung Ausdruck von Gegenreformation und päpstlichem Absolutismus.

Doch was er aus der Architektur machte, dem Städtebau, der Malerei und bildenden Kunst, Theater, dem festlich gesteigertem Ritual, verschaffte den barock medialisierten Gemeinwesen einen Vorsprung. Wer da mithalten wollte, musste den Barock rezipieren, musste ihn sich aneignen, selbst wenn er ganz andere Botschaften damit vermitteln wollte als gegenreformatorische und absolutistische. Das ist mit „Identitätsbildung durch Aneignung“ gemeint.

Wo liegen nun die Beispiele, die wir untersuchen wollen?

  •   im Theater der spanischen Niederlande, also des heutigen Belgiens,
  •   im politischen Ritual der Bürgerschaft von London,
  •   im Stadtumbau von Paderborn,
  •   Musik
  •   in literarischen Texten des 17. und 18. Jahrhunderts.

Wie die gegebenen Normen in Religion, Politik und Kultur durch solche Aneignungsprozesse unterlaufen und verwandelt wurden, das ist die Frage, die uns interessiert.

Stadtgestaltung, Festumzüge und Theater sind die Themen und zwar so, daß jeweils eins davon in einem Projekt im Mittelpunkt steht, in jedem Projekt aber auch die anderen Medien der Identitätsbildung beachtet werden. Keins dieser Medien funktionierte isoliert. Alle waren Teil eines Medienverbunds, der nur disziplinenübergreifend analysiert werden kann.

Die Gruppe hat in den letzten Jahren mehrere Projekte realisiert. Beginnend mit einer Ringvorlesung, in der wir zunächst fragten: Barock im Norden? hielten wir mehrere Koordinationsgespräche, eine internationale Fachtagung und Expertengespräche ab. In Zukunft planen wir die Vergabe von Promotionen zu diesem Thema sowie die Publikation der bisherigen Ergebnisse. Außerdem haben bereits mehrere koordinierte Lehrveranstaltungen zwischen den Mitgliedern der Gruppe stattgefunden und werden auch in Zukunft angedacht.

Mittlerweile ist aus der Frage eine Aussage geworden. Je tiefer wir die Dependenzen zwischen den Forschungsfeldern ausloten, umso deutlicher wird: Barock im Norden!

Die Universität der Informationsgesellschaft