Achtung:

Sie haben Javascript deaktiviert!
Sie haben versucht eine Funktion zu nutzen, die nur mit Javascript möglich ist. Um sämtliche Funktionalitäten unserer Internetseite zu nutzen, aktivieren Sie bitte Javascript in Ihrem Browser.

Info-Icon This content is not available in English

Die Bereiche des Instituts

Photo: Yvonne Ruhose

Das Jenny-Aloni-Archiv an der Universität Paderborn

Im Jahre 1992 gründete der Germanist Hartmut Steinecke das Jenny-Aloni-Archiv an der Universität Paderborn zur Unterstützung der Editionsarbeiten an den "Gesammelten Werken" der Schriftstellerin. 1996 erhielt das Archiv den gesamten Nachlass der 1993 in Israel verstorbenen Autorin. Er umfasst ihre literarischen Texte, Tagebücher, Briefe von und an Jenny Aloni, sowie zahlreiche Lebensdokumente wie Zeugnisse, Ausweise, Auswanderungspapiere, ferner eine große Anzahl an Fotos. Mehr als die Hälfte der "Gesammelten Werke" (10 Bde, 1990-1997) Jenny Alonis enthalten Texte aus dem Nachlass. Die Tagebücher gab der Archivleiter im Rahmen eines von der DFG geförderten Projektes in einer umfangreichen kommentierten Ausgabe heraus: "ʿIch muss mir diese Zeit von der Seele schreibenʾ. Die Tagebücher 1935-1993: Deutschland - Palästina - Israel" (2006). Als erster größerer Briefwechsel erschien "Jenny Aloni - Heinrich Böll: Briefwechsel. Ein deutsch-israelischer Dialog" (2013). Das Jenny-Aloni-Archiv wurde 2014 vom Germanistischen Institut in das Universitätsarchiv verlagert. Das Archiv wird von der „Gesellschaft zur Förderung des Jenny-Aloni-Archivs e.V.“ unterstützt. In einer losen Folge wurden in den „Mitteilungen aus dem Jenny-Aloni-Archiv“ aus der Archivarbeit berichtet, wichtige Veranstaltungen und Ereignisse dokumentiert und zudem bisher unveröffentlichte Texte sowie kleinere Aufsätze publiziert. Die "Gesellschaft" hat unter anderem aus Archivmaterialien 1997 eine Ausstellung konzipiert ("ʿWarum immer Vergangenheit?ʾJenny Alonis Leben und Werk", 1999), Schulprojekte unterstützt, einige Auswahlausgaben herausgegeben, zuletzt "Lesebuch Jenny Aloni", 2012 als pdf-Datei verfügbar unter "LWL-Jenny-Aloni-Bibliothek Westfalica". Im Rahmen des Jenny-Aloni-Projekts wurden außer den Editionen über 20 wissenschaftliche Arbeiten über die Schriftstellerin und ihr Werk veröffentlicht.

Jenny Aloni, Tochter eines jüdischen Kaufmanns, wurde am 7. September 1917 als Jenny Rosenbaum in Paderborn geboren. Von 1924 bis 1935 besuchte sie das Michaelskloster in Paderborn und bereitete sich ab 1935 auf Gut Winkel in der Mark Brandenburg auf die Auswanderung nach Palästina vor. 1936 übersiedelte Jenny Rosenbaum nach Berlin und legte dort 1939 ihre Abiturprüfung ab. Anschließend war sie Gruppenleiterin im Hachscharah-Kibbuz Schniebinchen in der Niederlausitz. Ende 1939 wanderte sie nach Palästina aus und nahm das Studium an der Hebräischen Universität in Jerusalem auf. 1942 trat sie in eine jüdische Einheit der britischen Armee beim Lazarettdienst ein. 1942 wurden ihre Schwester und die Eltern nach Theresienstadt deportiert, sie wurden in den Konzentrationslagern umgebracht. 1946 wurde Jenny Rosenbaum aus der Armee entlassen und besuchte eine Schule für Sozialarbeit. Im Jahre 1948 heiratete sie Esra Aloni. Seit den 50-er Jahren war Jenny Aloni sozial engagiert, vor allem in der Jugendfürsorge und als freiwillige Mitarbeiterin in einer psychiatrischen Klinik. 1950 wurde die Tochter Ruth geboren. 1955 besuchte Jenny Aloni erstmals seit der Auswanderung ihre Heimatstadt Paderborn. Seit 1957 wohnte Jenny Aloni in Ganei Yehuda, wo sie am 30. September 1993 starb. Jenny Aloni begann bereits als Schülerin zu schreiben, zunächst vor allem Gedichte und Dramen. Nach 1945 veröffentlichte sie einzelne Gedichte in hebräischer Sprache, 1956 einen ersten Gedichtband in Deutschland. Bekannt wurde sie in den 1960er Jahren durch ihre Romane ("Zypressen zerbrechen nicht", 1961; "Der blühende Busch", 1964; "Der Wartesaal", 1969) und Erzählungen ("Jenseits der Wüste", 1963; "Die silbernen Vögel", 1967). 1967 erhielt sie den Kulturpreis ihrer Geburtsstadt Paderborn. Sie galt als die wichtigste deutschsprachige Schriftstellerin Israels, fand jedoch nach 1970 in Deutschland keinen Verlag mehr. Erst ein Auswahlband der Paderborner Germanisten Friedrich Kienecker und Hartmut Steinecke 1987 führte zu ihrer "Wiederentdeckung". 1991 erhielt sie zwei Literaturpreise. Mit der Veröffentlichung ihres umfangreichen Nachlasses, besonders der Tagebücher, wuchs auch das Interesse der internationlen Forschung. Heute gilt Jenny Aloni mit ihren Werken über das Deutschland der nationalsozialistischen Zeit, das Exil, die Shoah, die Entwicklung des Staates Israel als eine der wichtigsten deutsch-jüdischen Schriftstellerinnen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Ausführlich wird über Jenny Aloni und ihr literarisches Schaffen in der Datenbank des Projekts „Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen“ informiert. Dieses Projekt hat sich das Ziel gesetzt, jüdische Autorinnen und Autoren, die in Westfalen geboren wurden oder gelebt haben, in ihren Werken und Lebensumständen vorzustellen. Die Datenbank enthält zahlreiche Dokumente zu Jenny Aloni.

The University for the Information Society