Aktuelle Forschungsprojekte (im Aufbau)

1. Das 'Paderborner Repertorium'. Die deutschsprachige Textüberlieferung des 8. bis 12. Jahrhunderts im Internet.

Das Repertorium findet sich Netz unter der Adresse www.paderborner-repertorium.de

Seit dem 1. Mai 2007 besteht am Institut zur Interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens (IEMAN) der Universität Paderborn ein durch die Fritz Thyssen-Stiftung gefördertes Projekt. Sein Ziel ist die vollständige Erfassung aller Handschriften des 8. bis zum 12. Jahrhundert, die Deutschsprachiges in textförmiger Form enthalten. Textförmig meint dabei alles, was nicht als Glosse oder Glossar aufgefasst werden kann. Neben kompletten Handschriftenbeschreibungen werden auch Abbildungen der Handschriften bereitgestellt. In Form einer Internetdatenbank schließt das Projekt damit eine systematische Lücke in der Dokumentation der deutschsprachigen Überlieferung: Die Glossenüberlieferung des Früh- und Hochmittelalters ist im aktuellen Katalog der Glossenhandschriften von Rolf Bergmann und Stefanie Stricker erschlossen(Katalog der althochdeutschen und altsächsischen Glossenhandschriften, Berlin/New York 2005) und für die deutsche Textüberlieferung wird in den ‚Marburger Repertorien’ (www.mr1314.de) unter der Leitung von Joachim Heinzle die Textüberlieferung ab dem 13. Jahrhundert ständig aktualisiert erfasst.

Projektmitarbeiterin: Dr. Elke Krotz

2. Handbuch der deutschen Glossen und Texte des Mittelalters in Geheimschrift.

Eine umfassende Darstellung der Geheimschriften des Mittelalters gibt es nicht. Die Geschichte der Kryptographie tat die Zeugnisse dieser Epoche als technisch anspruchslos und inhaltlich unspektakulär ab. Man bedachte jedoch nicht, dass Schrift im Mittelalter als exklusive, nur intimen Kreisen zugängliche Kulturtechnik andere Anforderungen an Verschlüsselungen stellte als in der Neuzeit. Man übersah, dass Schrift im Mittelalter nicht nur der Informationsvermittlung, sondern auch magischen, mystischen und repräsentativen Funktionen diente, und dass geheimschriftliche Texte dieser Zeit oft in solchen Kontexten stehen. Solche Aspekte will das am IEMAN angesiedelte DFG-Projekt ins Zentrum des Interesses rücken und so neue Zugänge zu der uns fremd gewordenen Schriftkultur des Mittelalters eröffnen. Die philologische Erfassung eines repräsentativen Corpus deutscher Texte und Glossen in Geheimschrift wird das Kernstück eines Handbuchs bilden, das Auskunft über Verschlüsselungstechniken gibt und ein Panorama ihrer Verbreitung, Inhalte und Funktionen entwirft. Karten, Register und ein analytischer Einleitungsteil werden das Handbuch zu einem Standardwerk der volkssprachigen Kryptographie des Mittelalters abrunden.

Projektmitarbeitrinnen: Lina Keppler, BA und Carmen Stange, MA

Der 'Trierer Teufelsspruch', der im 11. Jahrhundert in eine Handschrift des 9. Jahrunderts nachgetragen wurde, ist der älteste deutsche Text in Geheimschrift.

3. Die Monseer Fragmente: Edition, Übersetzung, Wörterbuch und Kommentar.

Die Monseer Fragmente sind die Reste der einzigen erhaltenen lateinisch-deutschen Sammelhandschrift des Frühmittelalters. Die erstaunliche volkssprachliche Virtuosität dieser Texte, die sogar dazu führte, sie als konkretes Ergebnis der Bemühungen Karls des Großen um eine deutsche Grammatik zu verstehen, spiegelt sich jedoch nicht in ihrer philologischen Erschließung wider. Die Übersetzungen des Matthäusevangeliums, mehrerer Predigten und des Traktats De fide catholica des Isidor von Sevilla, liegen nicht in einer einheitlichen und modernen Edition vor. Ein Zugriff auf dieses singuläre Übersetzungsprojekt ist als Ganzes derzeit nicht möglich, so dass weder die sprachliche noch die inhaltliche Konsistenz der Sammlung nachvollziehbar ist. Diese Lücke, die durch einige Neufunde noch schmerzlicher wird, will das am IEMAN angesiedelte DFG-Projekt nun schließen: Erstmals wird das Textensemble als Ganzes handschriftennah ediert, wobei auch den lateinischen Vorlagen der Raum zukommt, der ihnen bislang nicht gewährt wurde. Durch eine Übersetzung, einen Lesetext, einen Stellenkommentar, sowie ein Wörterbuch wird dieses zentrale Dokument der frühen karolingischen volkssprachigen Kultur auch über den Kreis der Frühmittelaltergermanistik hinaus zugänglich gemacht werden.

Projektmitarbeiterin: Dr. Elke Krotz, Katharina Hülsmann (SHK)

4. Prosopographisch-Onomastische Datenbank (POD) – Internetzugang zu Personendaten der Spätantike und des Frühmittelalters (gemeinsam mit Prof. Dr. Stefan Böttcher und Prof. Dr. Steffen Patzold)

Daten zu Personen und zu deren Namen bieten für die Sprach- und die Geschichtswissenschaft wichtige Informationen. Für die Zeit des Frühmittelalters sind diese Daten sogar von höchster Bedeutung: In einer Epoche, in der die politische Ordnung auf einem adligen Herrschaftsverband beruhte, ist prosopographische Forschung die Voraussetzung für jede Sozial- und Politikgeschichte; und für die Sprachwissenschaft bildet das in Personennamen überlieferte Material ein Fundament für die Erforschung der germanischen Sprachen. Seit Jahren sind daher weltweit in sprach- und geschichtswissenschaftlichen Einzelprojekten entsprechende Daten gesammelt worden. Das Projekt wird eine integrierende Informationsplattform schaffen, die eine übergreifende Auswertung dieses Datenmaterials ermöglicht. Das Projekt versteht sich dabei nicht nur als ein Unternehmen zur Datenintegration und Datenbereinigung, sondern auch als Impulsgeber für eine strukturierte interdisziplinäre Zusammenarbeit an einem disparaten Datenbestand, der mit erheblichem Forschungsaufwand zusammengetragen wurde und künftig einem internationalen Benutzerkreis zur Verfügung gestellt werden soll.

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