Schrift im städtischen Raum

1. Semiotic Landscapes - Schriftgebrauch im öffentlichen Raum

Seit der "Raumwende" in den Kulturwissenschaften ist der Raum neben Sprecher- und Hörerrolle oder instututionellen Rahmungen als kommunikative Ressource vielfach in die Untersuchung mündlicher Gattungen eingegangen (z.B. Ausstellungskommunikation, Wegbeschreibungen oder mündliche Erzählungen). Zugleich hat sich unter dem programmatischen Fahnenwort der "Multimodalität" eine Forschungsrichtung entwickelt, die in (multi)medialen Textsorten (Webseiten, Presseberichte, kleinere Gebrauchstexte) das Zusammenspiel diverser Zeichenmodi (Text, Bild, Ton) beschreibt. Bisherige Untersuchungen zur urbanen Schriftlichkeit knüpfen jedoch nur lose an eine der beiden Konzeptbildungen zur Multimodalität an, so dass sich das Projekt zum Ziel nimmt, die unterbeforschte "hyper-textuelle" Strukturierung des städtischen Raums mit ihren reflexiven Raumeffekten zwischen Hervorbringung von z.B. Konsumräumen und räumlichen Voraussetzung (Texte auf Griffen, Böden etc.) zu thematisieren. Neben dem Status der öffentlichen Kommunikate als kommunikativer orater Gattungen soll zudem durch eine Typologie "angebrachter" Texte im urbanen Raum die Relevanz von Lokalität, Medialität und Materialität als Textsortenmerkmale bestätigt und funktional ausdifferenziert werden.


2. Kultursemiotik des Essens


Eine Kultursemiotik des Essens, die sich nicht mehr der Suche nach kulinarischen Codes und Symbolen widmet, sondern den Essakt als performatives und kommunikatives Ereignis im Rahmen einer Dialogizität zwischen Mensch und Produkt, begreift, nimmt ihren Ausgangspunkt bei der Materialität, Funktionalität und Soziabilität der Nahrungskommunikation. Zu ihr gehören in diesem Zuschnitt nicht mehr in erster Linie Speiseregeln, Tischrituale oder Gastlichkeitskonventionen, vielmehr ist sie in einen breiten schriftbasierten Diskurs über Essen, seine Bedingungen (ethische u.a.) und Folgen (insbes. gesundheitspolitische) eingelassenen, durch den sich Geschmack und kulinaristische Körpertechniken als soziale Praxen herausbilden.

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