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Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe, Exkursion 2016, hier: Besuch des Schlosses Solitude Bildinformationen anzeigen
Exkursion der Alten Geschichte nach Aphrodisias, Türkei (2011) Bildinformationen anzeigen
Kupferstich von Matthäus Merian (1647) Bildinformationen anzeigen

Foto: CC BY SA Hans Weingartz/Wikicommons

Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe, Exkursion 2016, hier: Besuch des Schlosses Solitude

Exkursion der Alten Geschichte nach Aphrodisias, Türkei (2011)

Kupferstich von Matthäus Merian (1647)

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Von Marc Aurels Pferd zur Sexualität Christi. „Mittelalterliche“ Herrscherbildnisse zwischen Religion und Politik, Prof. Dr. Bernhard Jussen (Goethe-Universität Frankfurt)

Von Marc Aurels Pferd zur Sexualität Christi. „Mittelalterliche“ Herrscherbildnisse zwischen Religion und Politik
Prof. Dr. Bernhard Jussen (Goethe-Universität Frankfurt)

Di., 30.05.2017, 20.00 Uhr
Theologische Fakultät Paderborn, Hörsaal 2

Ankündigung
Die Frage, wie und mit welchen Zäsuren man die politische Geschichte Europas darstellt, ist in den letzten Jahren mehrfach in der Geschichtswissenschaft diskutiert worden. Dabei offenbart sich, dass die herrschenden Darstellungen häufig nur auf einem schmalen Ausschnitt des erhaltenen Materials gründen und für die Rahmung und die großen Linien zumeist narrative Texte, pragmatisches Schriftgut (vom Rechtstext bis zum Brief) und einige Arten von Traktaten die Grundlage bilden, während anderes Material wie Theaterspiele, Romane und Dichtung, Musikstücke, Skulpturen oder Bauwerke bestenfalls zur Kenntnis genommen werden, um für den Aufbau der eigenen Geschichtserzählungen zusätzliche Belege zu liefern. Wie man aber zu ganz anderen Einteilungen und Zusammenhängen kommt, wenn man das für die politische Geschichte für randständig gehaltene Material zur Grundlage der Betrachtung macht, demonstriert der Vortrag von Prof. Dr. Bernhard Jussen, der sich ausschließlich auf Material der Kunstgeschichte, namentlich die ‚mittelalterlichen’ Herrscherbildnisse stützt und nach dem unterschiedlichen Umgang mit Bildern im oströmisch-griechischen Kaiserreich und den lateinischen Königreichen fragt. Dabei steht das Pferd Mark Aurels für die verschiedenen Formen nicht transzendenter Herrschaftsrepräsentation, die in fränkischer Zeit den christuszentrierten Bildnissen Platz machten, während die Rede von der Sexualität Christi auf die dramatisch sexualisierten Christus-Darstellungen im 15. Jahrhundert verweist, die auf einen deutlich unterschiedlichen Umgang mit der Figur Christi in Ost und West hinweisen. Dieser unterschiedliche Umgang der beiden politischen Systeme mit der Bildproduktion macht es dann auch möglich, neue Einsichten in deren Charakter und Entwicklung zu gewinnen. Prof. Dr. Bernhard Jussen, der seit 2008 an der Goethe-Universität Frankfurt ‚Mittelalterliche Geschichte’ lehrt und zunächst mit Arbeiten zur Verwandtschaft und zur politischen Bedeutung der Bußkultur im Mittelalter hervorgetreten ist, greift mit seinem Paderborner Vortrag ein Thema auf, das sich aus seiner jahrelangen Auseinandersetzung mit der Bildproduktion in der europäischen Vormoderne, aber auch Moderne entwickelt hat.

Die Universität der Informationsgesellschaft