
Eine Gruppe Studierender der Universität Paderborn begab sich Ende Juli auf eine sechstägige Exkursion nach Hamburg, Lübeck, Wismar und Stralsund. Anlass bot das Seminar „Stadt, Stadterneuerung, Wiederaufbau und Transformation im 20. Jahrhundert an den Bsp. Hamburg und den UNESCO-Welterbestätten Lübeck, Wismar und Stralsund“ des Sommersemesters 2011 unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Seng.
In Hamburg zeigten sich zunächst beeindruckende Beispiele des Städtebaus aus Vergangenheit und Gegenwart. Verschiedene Wohnsiedlungen aus den 20er bis 50er Jahren wurden besichtigt, die den fortschreitenden Modernisierungsprozess dieses Zeitraums deutlich machten. Die Frank’sche Siedlung etwa, eine Reihenhaussiedlung aus den 1930er Jahren, machte mit ihren gemeinschaftlichen Grünanlagen deutlich, wie man sich damals um grünen Wohnraum in der Hansestadt bemühte, die in Folge des Groß-Hamburg-Gesetzes zur Großstadt entwickelte und sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend durch Gentrifizierung auszeichnet. Konkreten Bezug zur Stadtplanung der Gegenwart bot das Gebiet der „HafenCity“. Neben grundlegenden stadtplanerischen Funktionen bemüht man sich hier schon in der Planung um eine durchmischte Bevölkerungsstruktur, unter anderem durch sozialen Wohnungsbau.
In Lübeck wurde die Altstadt gemeinsam mit Hans-Achim Körber, Architekt und Mitarbeiter der Stadt Lübeck im Bereich Stadtplanung, begangen. Im Zuge des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg kam auch hier eine Modernisierungswelle auf. Anfang der 1970er Jahre setzte jedoch mit der aufkommenden Angst vor einer Zerstörung der historischen Stadtgestalt ein vollständiges Umdenken im Umgang mit der Altstadt ein. Man beschloss, die Altstadt als Kulturdenkmal zu erhalten und einer „Citybildung“ auf der Altstadtinsel zu stoppen. Den Erfolg beweist die Aufnahme der Lübecker Altstadt ins Weltkulturerbe der UNESCO im Jahre 1987.
Auf der UNESCO-Liste finden sich auch die historischen Altstädte von Wismar und Stralsund, die letzten Stationen der Exkursion. In Wismar veranschaulichte Rita Gralow – Mitarbeiterin der Stadt Wismar in den Bereichen Sanierungsplanung und Denkmalpflege – den Studierenden, auf welchen Problemfeldern Städtebau und Denkmalpflege hier zu kämpfen haben. Vor allem die Zukunft der großen Stadtkirchen sei ungewiss. Sie sind noch immer von den Schäden des letzten Weltkrieges gezeichnet und verfügen, wie etwa im Falle der Marienkirche, über keine Gemeinde. Wie und in welchem Maße diese Kirchen wieder genutzt oder gar abgerissen werden wird in den nächsten Jahren zu beobachten sein.
Probleme im Umgang mit einer historischen Altstadt wurden auch in Stralsund deutlich. Welterbe Managerin Stefanie Behrendt veranschaulichte dies etwa anhand des 2008 auf der nördlichen Hafeninsel – und damit in der Pufferzone des Welterbes – errichteten Ozeaneums, bei dessen Bau besondere Rücksicht auf die Sichtachsen des Welterbes genommen werden musste.
Die Exkursion den Teilnehmern nicht nur einen vertiefenden Einblick in die städtebauliche Geschichte und Gegenwart der besuchten Orte. Die Hansestädte offenbarten sich zudem als komplexe Räume, in denen sich unterschiedlichste Bedürfnisse, Erfahrungen und Interessen in Bezug auf Infrastruktur, Denkmalpflege und Lebensqualität kreuzen.

Die Studierenden der Universität Paderborn um Prof. Dr. Eva-Maria Seng (sechste von links)
gemeinsam mit dem Stralsunder Oberbürgermeister Dr. Alexander Badrow (links) und
Welterbe-Managerin Stefanie Behrendt (rechts). (Foto: Fakultät für Kulturwissenschaften)
von Christiane Gronenberg (SPC)
Mehr als 6000 Museen zählen wir heute in Deutschland. Dass man nicht alle gesehen haben kann, ist völlig klar. So machte sich ein Seminar der Universität Paderborn auf, um zumindest die regionale Museumslandschaft zu durchstreifen. Dabei wurde nicht zuletzt auch die Landschaft im Museum entdeckt.
Ein bisschen bewegen müsse man sich im Freilichtmuseum schon, erklärte Dr. Carstensen, der Leiter des LWL-Freilichtmuseums Detmold schmunzelnd der Gruppe Studenten, die mit ihrer Dozentin Prof. Dr. Seng den Weg nach Detmold gefunden hatten. Im Gegensatz zu anderen Museen die im Rahmen des Seminars „Museum: Typologie und Konzeption“ besucht worden waren, gab es hier wenig Schaukästen zu sehen und dafür jede Menge frische Luft. Dr. Carstensen erklärte während des Fußweges vom „Westmünsterländer“ zum „Paderborner Dorf“, dass auch die Landschaft zwischen den kleinen Siedlungen Teil der Ausstellung sei. Wenn auch in verkleinertem Maßstab und nur in angedeuteter Form, so wäre es im Detmolder Freilichtmuseum doch gut gelungen, auf die landschaftlichen Eigenheiten der jeweils repräsentierten Region einzugehen. „Das Sauerländer Dorf beispielsweise“, so der Museumsleiter, „ist dann auch in einem bergig anmutenden Teil des Museumsterreins angesiedelt“.
Eine Landschaft ganz anderer Art bekam die Gruppe schließlich im „Bürgerhaus Schwenger“ zu sehen. Sichtlich stolz präsentierte Carstensen den Besuchern das dort aufgebaute Tageslicht-Fotoatelier Kuper aus dem Jahr 1891. Bei der Übersiedlung des Ateliers aus Rietberg haben Restaurateure unter den Tapeten auf einer der Wände eine gemalte Landschaft wiederentdeckt. Sie wurde früher üblicherweise als Hintergrund für Portraitaufnahmen verwendet. Auch der Kurs von Prof. Dr. Seng ließ es sich nicht nehmen zusammen mit dem Museumsleiter für eine Aufnahme zu posieren.
Am Schluss der Exkursion ermöglichte Dr. Carstensen der Gruppe einen Blick in das Magazin des Freilichtmuseums. Beim Anblick der Vielzahl an Objekten wurde den Studenten einmal mehr deutlich, dass zu den klassischen Kernaufgaben des Museums neben dem Präsentieren eben auch das Sammeln gehört. Dabei sieht sich jede Institution ihren ganz eigenen Herausforderungen gegenübergestellt. Während sich bei einem früheren Besuch des Diözesanmuseums Paderborn gezeigt hatte, dass hier insbesondere Kunstobjekte und Talare fachmännisch aufbewahrt werden wollen, so macht sich Dr. Carstensen schon eher einmal Sorgen um kleine Körner oder lebende Tiere. Denn, so erläuterte er den Studenten, für den Erhalt von historischen Landschaften wie sie im Freilichtmuseum nachgestellt werden, dafür müsse man sich um entsprechendes Saatgut und die Zucht von alten Nutztier-Rassen bemühen.
Während man sich somit in Detmold um die Vielfalt der Landschaft innerhalb des Museums kümmert, so wenden sich die Paderborner Studenten demnächst wieder der Frage zu, wie der Erhalt der Museen selber gewährleistet werden kann. Denn eines haben die Gespräche mit den diversen Museumsleitern während der letzten Monate sie bereits gelehrt: Die Vielfalt der regionalen Museumslandschaft, die ist sicherlich schützenswert.
von Nadine Hoffmann (CULTURA)
Im
Rahmen einer Auftaktveranstaltung hat am 9. Juli 2010 das innovative
Forschungsprojekt "studiolo communis" an der Universität Paderborn
seine Arbeit aufgenommen. Initiiert
wurde die Unternehmung durch Frau Prof. Dr. Eva-Maria Seng (Inhaberin des Lehrstuhls
für Materielles und Immaterielles in Kooperation mit Dr. Gudrun Oevel (Leiterin
des Zentrums für Informations- und Medientechnologie) sowie Prof. Dr. Reinhard
Keil (Professur „Informatik und Gesellschaft“ am Heinz Nixdorf Institut). Das
mit 378.000€ von der deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) geförderte Projekt
verfolgt das Ziel, über einen Zeitraum von zwei Jahren eine Virtuelle und
ko-aktive Arbeitsumgebung zu erstellen.
Durch die Entwicklung einer Internet-Plattform soll eine
simultane und vergleichende Bearbeitung unterschiedlicher Materialien erreicht
werden, welche die Sammlung, Erschließung, Erforschung und Archivierung von
materiellem und immateriellem Kulturerbe unterstützt. Neue Perspektiven liefert
das Projekt hier vor allem im Bezug auf eine weltweite Kooperation von
Wissenschaftlern. Durch die Einbeziehung einschlägiger Fachverbände und
regionaler Organisationen bei der Sammlung und Erforschung von Themen, wird die
Plattform zudem die Möglichkeit bieten, diese Ergebnisse einer breiten
Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Ziele des Projekts werden bereits
durch die Namensgebung deutlich: Ein ‚Studiolo’ bezeichnete in der Renaissance
einen Lehrraum, der dem Studium gewidmet wurde. Durch die Öffnung
für ein breiteres Publikum wurde dieser Lehrraum zu einem
Gemeinschaftsraum, einem ‚studiolo communis’.
In seiner Begrüßungsrede lobte Universitätspräsident
Prof. Dr. Nikolaus Risch die Vernetzung von Kulturwissenschaft und Informatik
sowie die Verbindung zwischen der individuellen geistigen Leistung und moderner
Technik, die für das Projekt notwendig ist. ‚Studiolo communis’ passe sich
ideal in das Profil der Universität Paderborn als Universität der
Informationsgesellschaft und ihre interdisziplinäre Ausrichtung ein, so Risch.
Prof. Dr.
Seng stellte anschließend die Forschungsperspektiven des Projektes zur
Erschließung von Kulturerbe vor. Durch Verknüpfung und Anordnung von Texten,
Bildern, Ton- und Filmaufnahmen, wird es künftig möglich sein, immaterielles
Kulturerbe in einen breiten Kontext einzuordnen. Die Onlineplattform bietet
zudem die Vorzüge einer weltweiten Vernetzung von Wissenschaftlern, deren Bewertung
und Kommentierung einzelner Dokumente somit vereinfacht wird. Die Idee, so
Seng, basiere auf den Grundprinzipien der vergleichenden Kunstbetrachtung. Sie
seien bereits im 20. Jahrhundert durch den Kunsthistoriker und
Kulturwissenschaftler Aby Warburg begründet und in seinem Mnemosyne-Atlas zum
Ausdruck gekommen.
Wie
diese Idee in den Bereich der neuen Medientechnologie übertragen werden kann,
veranschaulichte Prof. Dr. Keil. Das virtuelle ‚studiolo communis’ besteht aus
sechs koaktiven Funktionsbereichen, die mit Hilfe von Einschreibtechnologien
ein gemeinsames Gedächtnis schaffen, welches in virtuellen Räumen - ganz gleich
auf welchem Medium - verankert wird.
Abschließend
stellte Frau Dr. Oevel die Infrastruktur für die vernetzte Wissensarbeit vor. ‚Studiolo
communis’ werde zukünftig ein neuer Baustein im bereits vorhandenen eLearning
Angebot der Universität darstellen. Die Schaffung von Basismodulen, die dann
auch in anderen Bereichen – wie beispielsweise der Chemie – angewendet werden
können, ist eines der Ziele des Projektes. Um diese Infrastruktur bilden zu
können, soll die Planung eines definierten Betriebes bereits während des
Projektes stattfinden. Ebenso die Einbindung in den nachhaltigen Betrieb und
eine frühzeitige Entwicklung von Prototypen und deren Evaluation.
Mit
der Auftaktveranstaltung wurde der Startschuss für ein interdisziplinäres Forschungsprojekt
gegeben, dessen innovative Zielsetzung eine Bereicherung der interdisziplinären
Forschung sowie eine bessere Erschließung des immateriellen Kulturerbes
darstellt.
von Ramona Bechauf
Im Rahmen des Hauptseminars „Museum, Typologie und Konzeption" besuchte Prof. Dr. Eva-Maria Seng mit einer Gruppe Studenten am 13.11.2009 das Lippische Landesmuseum und das Freilichtmuseum in Detmold.
Der leitende Museumsdirektor des Landesmuseums, Prof. Dr. Rainer Springhorn, beschrieb zunächst die Entwicklung seines 1835 ursprünglich als Naturalienkammer gegründeten Hauses, dessen Sammlung zu einem Großteil aus Schenkungen bestünde und im Laufe der Zeit einen beachtlichen Umfang erreicht habe. Auf einer Ausstellungsfläche von 6000qm sei es daher nicht möglich, mehr als 10% der Exponate aus den Beständen zu präsentieren. Die Dauerausstellung in regelmäßigen Abständen zu verändern sei zwar theoretisch möglich, aufgrund der zu geringen Personal- und Finanzkapazitäten jedoch nicht realisierbar.
Springhorn betonte neben den Problemen des Museums allerdings auch dessen Erfolg im Rahmen der Sonderausstellung „Varusschlacht - Mythos" im sog. Herrmannsjahr 2009. Diese hatte letztendlich für einen Zulauf gesorgt, der mit einer Besucheranzahl von ca. 100.000 deutlich über dem Jahresdurchschnitt von 40.000 Besuchern gelegen habe. Mit dem Ziel an diesen Erfolg anknüpfen zu können, plane man daher den Besuchern in Zukunft alle 4-5 Jahre eine größere Sonderausstellung und alle 2 Jahre eine kleinere regionale Ausstellung anzubieten.
Im Freilichtmuseum begrüßte die Exkursionsteilnehmer anschließend der Museumsleiter Dr. Jan Carstensen. Einleitend veranschaulichte er die Gründungsumstände der Freilichtmuseen in den 1920er Jahren. Zu dieser Zeit habe sich bei den Menschen die Sorge verbreitet, dass im Zuge der aufkommenden Industrialisierung die „gute alte Zeit" in Vergessenheit geraten könne. Daher habe man sich dazu entschlossen, die Vergangenheit in Einrichtungen wie dem Detmolder Freilichtmuseum zu konservieren. Erklärtes Ziel sei hier demnach, historische Wirklichkeit durch ausgestellte Häuser, nachgestelltes und gleichzeitig erklärtes Leben und Arbeiten zum Sprechen zu bringen. Die Sammlung des Museums beschränke sich dabei auf Exponate aus dem Bereich Ostwestfalen-Lippe. Carstensen betonte in diesem Zusammenhang die besondere Anordnung der Häuser auf dem Gelände, die nach Region, sozialer Schicht, Himmelsrichtung, Zeit und Epoche positioniert werden.
Abschließend ermöglichte Carstensen der Gruppe einen Blick ins Magazin des Museums, dem Zentralarchiv dreidimensionaler Kultur. Hier werden die Exponate, nach der Befreiung von Ungeziefer, in hermetisch abgeriegelten Räumen eingelagert um bei Bedarf verliehen oder ausgestellt zu werden.
Die Exkursion ermöglichte den Teilnehmern einen Umfassenden Einblick in zwei verschiedene Museumskonzeptionen. Besonders auffällig erschien dabei der Unterschied zwischen Landesmuseum als „gewachsenem" einerseits und Freilichtmuseum als „gegründetem" Museum andererseits. Stand für das Freilichtmuseum Detmold von Beginn an fest, welche Exponate es zu sammeln und auszustellen galt, so zeigt sich das Landesmuseum durch seine Entwicklung von einer Naturalienkammer im Kontext seiner Ausstellungsstücke als „durchwachsener". Von Vorteil erscheint dies in Bezug auf die mögliche Vielfalt der Ausstellungsmöglichkeiten, die Organisation und Konzeptentwicklung wird hierdurch jedoch deutlich erschwert.
Zum ausführlichen Bericht hier
Im Sommer dieses Jahres wird in Essen das neue Ruhrmuseum in der aufwendig restaurierten Kohlenwäsche auf Zeche Zollverein eröffnet. Eine Gruppe Paderborner Studierende hatte am 30. Januar 2009 die Möglichkeit mit Museumsdirektor Prof. Dr. Ulrich Borsdorf die Neukonzeption seines „Regionalmuseums neuen Typs" zu diskutieren.
Die Exkursion setzte exemplarisch die von Prof. Dr. Eva-Maria Seng in ihrer Vorlesung „Was ist Kulturerbe" diskutierten Themenkomplexe Museum als Institution für das mobile kulturelle Erbe und Museum als Vermittlungsinstanz für Identität – in diesem Falle einer ganzen Region. Darüber hinaus ließen sich im Fall der Neunutzung der Kohlewäsche auch der Interessenkonflikt zwischen Denkmalpflege, und damit dem Erhalt der authentischen Substanz einerseits, und der immateriellen Bestandteile der Zeche als Wissensspeicher des Ruhrgebiets andererseits, erfahren.
Die Zeche Zollverein – seit 2001 in die Liste der UNESCO Weltkulturerbestätten aufgenommen – verkörpert als Industriedenkmal einen neuen Denkmalstyp. Sie ist zum einen Ausdruck der industriellen Entwicklung des Ruhrgebiets, ferner versinnbildlicht sie die dort über viele Jahrzehnte herausgebildete Identität der Menschen als Bergarbeiter und sie vergegenwärtigt zum anderen den strukturellen Wandel der Region im Zuge der Deindustrialisierung.
Für die Realisierung des Museumsprojektes musste die Kohlenwäsche, die zu Betriebszeiten fast vollautomatisch funktionierte und deswegen weder über ein solides Mauerwerk noch über ein Heizungssystem verfügte, aufwendig über das Vorsetzen einer zweiten Außenmauer restauriert werden. Im Inneren wurden etwa 20% der Maschinen entfernt. Diese Eingriffe wurden von Seiten der Denkmalpflege kritisch betrachtet.
Das Neue Ruhrmuseum in der ehemaligen Kohlenwäsche der Zeche möchte sich in seiner Positionierung zum Industriedenkmal jedoch nicht als ein Industriemuseum im engen Sinne verstehen. Vielmehr hat es sich zum Ziel gesetzt, das Industriezeitalter in einen zivilisationsgeschichtlichen Kontext zu stellen und die Geschichte des Ruhrgebiets sowohl in seiner erdgeschichtlichen als auch hinsichtlich seiner kulturhistorischen Entwicklungen widerzuspiegeln. Das Ausstellungskonzept umfasst die Kategorien Gegenwart, Gedächtnis und Geschichte und geht vom heutigen Zeitpunkt zunächst in das 10. Jahrhundert unserer Zeitrechnung zurück, um von dort aus die historische Entwicklung des Ruhrgebietes nachvollziehbar zu machen. Die Dauerausstellung passt sich in ihrer räumlichen Abfolge ganz den vormals maschinellen Abläufen der ehemaligen Industrieanlage an. Dort verlief das sogenannte „Waschen der Kohle", d.h. die Trennung von Gestein und Kohle, über drei Ebenen nach unten. Diesem Prinzip folgt der Besucher auch heute, indem er über eine Rolltreppe auf eine in 24 Metern Höhe liegende Empfangsebene gebracht wird und von dort aus den Ausstellungsparcours nach unten läuft. Sehr beeindruckt waren die Exkursionsteilnehmer von der derzeitigen Sonderausstellung „Gold vor Schwarz". Hier wurde der Essener Domschatz vor teilweise noch vom Kohlestaub geschwärzten, fensterlosen und betonbekleideten Innenräumen der Kohlenwäsche eindrucksvoll und kontrastreich in Szene gesetzt. Zum Abschluss führte ein ehemaliger Mitarbeiter der lange Jahre als Elektroingenieur unter Tage gearbeitet hatte, durch die Anlage XII und veranschaulichte den Produktionsablauf der Kohle von ihrer Förderung über die Aufbereitung bis zur Verladung des "schwarzen Goldes" und erläutere die Funktionsweise der gigantischen Maschinen dieser einst größten Steinkohlenzeche.
Von Gobelin bis Grassi
Der Kölner Dom – Einblicke in die Restaurierungspraxis einer Weltkulturerbestätte
Die Dombaumeisterin Frau Prof. Dr. Barbara Schock-Werner führte persönlich am 18.01.2008 eine Gruppe Paderborner Studierender durch den Kölner Dom. Am Beispiel dieser UNESCO Weltkulturerbestätte sollten Fragen zur Denkmalpflege und zur Authentizität historischer Stätten, die im Rahmen des Seminars „Weltkulturerbe: Zentrale Fragen und Anforderungen“ unter der Leitung von Frau Professor Dr. Eva-Maria Seng theoretisch erarbeitet wurden, praxisnah veranschaulicht werden. Frau Schock-Werner erläuterte einleitend in kurzen Worten die Baugeschichte des Domes und ging danach auf unterschiedliche Problembereiche der Restaurierungspraxis ein, die bei einem Bauwerk solch enormen räumlichen Ausmaßes zum Tragen kommen. Ihre Ausführungen veranschaulichte sie stets anhand von Baudetails, so dass die sonst für den Betrachter kaum wahrnehmbaren Bauabschnitte sowie unterschiedliche Restaurierungspraktiken vergangener Epochen deutlich sichtbar und nachvollziehbar wurden. In einem Rundgang durch den Dom ging sie auf die bedeutendsten Kunstwerke des Domes ein, wobei sie der Gruppe den Zugang in den Chorraum ermöglichte, der normalerweise Besuchern vorenthalten bleibt. So konnten die Studierenden den Dreikönigsschrein, der zu den künstlerisch bedeutendsten Reliquiaren des Mittelalters zählt, sowie das Chorgestühl aus dem frühen 14. Jahrhundert mit großer Faszination aus nächster Nähe betrachten. Ein für die Restaurierung wichtiges Dokument stellt der in einer Seitenkapelle des Chorumgangs hinter einem Vorhang verborgene „Riss F“, der Aufriss der Westfassade aus dem Jahre 1280 dar. Lange Zeit verschollen, tauchte er erst im 19. Jahrhundert wieder auf und gilt bislang die einzige erhaltene historische Quelle. Nachdem der Kirchenraum auch mit seinen neuesten künstlerischen Errungenschaften, wie dem von Gerhard Richter entworfenen und 2007 eingeweihten Südfenster des Querhauses, abgeschritten war, wurden die Studierenden in ungeahnte Höhen geführt. Um in den Dachstuhl zu gelangen, mussten zunächst, auf über 40 Metern Höhe, schmale Außenstege, die normalerweise nur die Bauarbeiter benutzen, überwunden werden. Der Dachstuhl, eine Eisenkonstruktion aus dem 19. Jahrhundert, rief durch sein modernes Erscheinungsbild bei allen Beteiligten großes Staunen hervor, kontrastiert er doch sehr stark mit dem Bau in gotischem Stil. Der Blick vom Vierungsturm aus gab nicht nur Aufschluss über das Strebewerk, das Konstruktionssystem des Baus sondern auch eine atemberaubende Aussicht über Köln. Am Ende der Führung stand die Besichtigung der Modellkammer, die sich im Nordturm befindet und in der zahlreiche Vorlagen sowie alte, ausgetauschte Fassadenschmuckelemente aufbewahrt werden. Insgesamt gaben die Dombaumeisterin und ihre beiden Mitarbeiter sehr ausführlich und vor allen Dingen eindrücklich Einblicke in ihre tägliche Restaurierungspraxis dieser Weltkulturerbestätte.
Prof. Dr. Frank Göttmann, Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit und Frau Prof. Dr. Eva-Maria Seng, Professur für Materielles und Immaterielles Kulturerbe luden am Samstag, den 3. November 2007 zur 16. Tagung aus der Reihe „Fragen der Regionalgeschichte“ ein.
Aus unterschiedlichen Perspektiven wurde das Wechselverhältnis zwischen einer derzeitigen Konjunktur bezüglich der Einrichtung von Kulturerbestätten weltweit und deren regionaler Verortung beleuchtet, wobei der Umgang mit der eigenen Erinnerungskultur stets im Blickfeld stand. Prof. Dr. Eva-Maria Seng eröffnete die Veranstaltung mit ihrem Vortrag über die UNESCO-Welterbe-Bewegung. Als Expertin auf diesem Gebiet führte sie in die historische Entwicklung der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization ein, als einem sich kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges konstituierten Organ der Vereinten Nationen, das sich den Erhalt des Weltfriedens jenseits politischer und wirtschaftlicher Abmachungen zum Ziel gesetzt hat. Dabei erläuterte sie deren Leitideen und Wirkweisen bis zum heutigen Tage. Exemplifiziert wurden Frau Sengs Ausführungen durch die Beiträge Prof. Dr. Hans Ammerichs vom Bistumsarchiv Speyer und Ute Durchholz’ M.A., Pressesprecherin der Stiftung Zeche Zollverein Essen. Sie stellten zwei unterschiedliche, von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgewiesene Kulturdenkmale - den Dom zu Speyer und die Zeche Zollverein - vor. Dabei diskutierten sie den Umgang mit diesen Erinnerungsorten sowohl aus denkmalpflegerisch museologischer Sicht, als auch aus einer identitätstiftenden Perspektive, die für die Bevölkerung von Bedeutung ist. Prof. Dr. Peter Steinbach, Mitglied im deutschen Komitee des UNESCO Programms „Memory of the World“, stellte in seinem Tagungsbeitrag die Frage nach dem nachhaltigen Umgang mit den kollektiven Erinnerungen an ein negativ besetztes Erbe, nämlich das zweier Weltkriege, die geprägt waren von der Vertreibung tausender und der barbarischen Vernichtung von Millionen von Menschen. Bei der Betrachtung von Geschichte komme vor allen Dingen der Regionalgeschichte große Bedeutung zu, da sich in regionalhistorischen Vorgängen alltägliche Lebenszusammenhänge häufig besser begreifen ließen. Gleichzeitig forderte Steinbach dazu auf, historische Ereignisse in einer erweiterten Perspektive zu betrachten, indem Mahnstätten wie beispielsweise Konzentrationslager im Verbund ihres Auftretens in ganz Europa thematisiert werden sollten. Nur so hätten sie die Chance, sich als Welterinnerungserbe dauerhaft zu konstituieren. An der Arbeit der UNESCO schätze er vor allen Dingen, dass sie die Wahrnehmung der Besucher von Welterbestätten sensibilisiere. Abschließend zur Tagung fand eine Exkursion zur Wewelsburg, Kult- und Terrorstätte der SS von 1933-1945 statt. Wulf Brebeck führte durch die Ausstellung des Kreismuseums Wewelsburg.
Stuttgart, den 13.10.2007
Prof. Dr. Eva-Maria
Seng, Professur für Materielles und Immaterielles Kulturerbe UNESCO,
trug im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung "150 Jahre Verein für Kirche
und Kunst" des Vereins für Kirche und Kunst in der evangelischen
Landeskirche in Württemberg e.V. einen Vortrag zum Thema "Aufgaben,
Wirken, Möglichkeiten: 150 Jahre Kirche und Kunst in Württemberg" in
der Stuttgarter Markuskirche vor. Die Jubiläumsveranstaltung, zu der
über 2.000 Gäste geladen waren, fand in Kooperation mit dem Verein für
württembergische Kirchengeschichte und mit einem Empfang des
Landesbischofs für Kunst und Kultur statt. Schirmherr des Vereins ist
S.K.H. Friedrich Herzog von Württemberg. Die Veranstaltung wurde von
Lichtinstallationen der Künstler Nikolaus Koliusis und Chris Nägele
begleitet.
Magdeburg, 17. September 2007
Prof. Dr. Eva-Maria Seng, Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe UNESCO an der Universität Paderborn, wurde am 17. September 2007 durch das Kultusministerium, vertreten durch den Kultusminister Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz für zwei Jahre in den Kunstbeirat des Landes Sachsen-Anhalt berufen.
Der Kunstbeirat berät das Ministerium bei der
differenzierten Förderung der Produktion, Verbreitung und Aneignung
insbesondere von zeitgenössischer Kunst in Sachsen-Anhalt.
Düsseldorf, den 17.09.2007
Prof. Dr. Eva-Maria Seng, Inhaberin des Lehrstuhls für Materielles und Immaterielles Kulturerbe UNESCO an der Universität Paderborn, wurde am 17.09.2007 im Rahmen der konstituierenden Sitzung der NRW-Stiftung „Natur – Heimat – Kultur“ zum Mitglied des Stiftungsrates auf fünf Jahre gewählt. Der Stiftungsrat steht unter dem Vorsitz von Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers und besteht aus Vertretern von Landes-, Spitzen-, Naturschutz- und Heimatverbänden, der Wirtschaft, Gewerkschaft und des kulturellen Lebens, der Kirchen sowie der Denkmalpflege.
Die 1986 gegründete NRW-Stiftung zeichnet sich
durch die bundesweit einmalige Verbindung von Natur und Kultur nach dem
Vorbild der englischen national trusts aus. Seit ihrer Gründung konnten
rund 1.700 Projekte im Bereich Naturschutz sowie Heimat- und
Kulturpflege mit insgesamt etwa 200 Mio. Euro gefördert werden.
Prof. Dr. Eva-Maria Seng und Prof. Dr. Dieter Krimphove veranstalten interdisziplinäre Tagung an der Universität Paderborn
Über Arbeit lassen sich gesellschaftliche Anerkennung und Erfolg messen
„Die Arbeit besetzt alle Bereiche menschlichen Verhaltens, zum Beispiel den Tagesablauf, die soziale Hierarchie, Kultur, Sprache und Politik“, sagt Prof. Dr. Eva-Maria Seng vom Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe UNESCO der Universität Paderborn. Grund genug, zusammen mit dem Kollegen vom Jean-Monnet Lehrstuhl für Europäisches Wirtschaftsrecht, Prof. Dr. Dieter Krimphove, eine interdisziplinäre Tagung zur veranstalten: Thema der zweitägigen Veranstaltung: „Arbeit: Dimensionen eines gesamtgesellschaftlichen Phänomens“.
Den Organisatoren lag die Interdisziplinarität der Tagung besonders am Herzen. „Bei den Referenten konnten wir Wissenschaftler aus acht Disziplinen gewinnen. So tragen wir unterschiedliche Sichtweisen zum Thema Arbeit zusammen und zeigen Konsequenzen und Nachwirkungen von Arbeit auf“, so Krimphove. Unter den Referenten waren Politikwissenschaftler, Historiker, Soziologen, Theologen und Wirtschaftswissenschaftler. Dr. Reinhard Höppner, ehemaliger Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt referierte zum Thema „Die Welt der Arbeit und die Aufgabe der Politik“.
Prof. Dr. Seng, die vor ihrer Tätigkeit an der Paderborner Universität lange in Sachsen-Anhalt arbeitete, freute sich besonders, ihren ehemaligen Chef, Prof. Dr. Reinhard Kreckel, Altrektor der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg, begrüßen zu können. Während der Tagung widmete er sich der „sozialen Konstruktion“ der Arbeit: In der Antike war Arbeit eine Bürde, im christlichen Mittelalter bedeutete sie vor allem Knechtschaft, erst später bildete sich das Handwerk als körperliche Tätigkeit heraus, von der man leben konnte. Während im Reformationszeitalter der Beruf gewissermaßen zu „Berufung“ wurde, setzte sich im Barock mit dem zunehmenden Merkantilismus vor allem folgende Sichtweise durch: Die Arbeit wurde als Quelle persönlichen Reichtums allmählich zum Lebenssynonym des Menschen. „Im 20. Jahrhundert schließlich konstruieren die Menschen ihre Biographie anhand von Arbeit. Positionen und Hierarchien gewinnen immer mehr an Bedeutung, Leistung wird an bestimmten Standards gemessen, zum Beispiel an einem Studium“, so Kreckel.
Gerade in einer Zeit von Arbeitslosigkeit stellten sich Referenten und Tagungs-Teilnehmer die Frage, ob sich Rückschlüsse aus der Kulturgeschichte der Arbeit ziehen lassen, die zu einer Neuorientierung der bisherigen Arbeitsmarktpolitik beitragen können. Die Vorträge werden unter dem Titel der Tagung „Arbeit – Dimensionen eines gesamtgesellschaftlichen Phänomens“ in der Reihe „Politica et Ars“ im LIT-Verlag in Buchform veröffentlicht.

Mythos Paris - Eine Exkursion erkundet die Planung und Entwicklung der Stadt Paris zur modernen Großstadt
Vom
13.-17.02.2007 fuhr eine Gruppe Paderborner Studenten nach Paris. Die
Exkursion fand im Anschluss an das Seminar „Von Haussmann über
Mitterrand bis zu den Banlieues“ unter der Leitung von Prof. Dr.
Eva-Maria Seng statt und war der Pariser Städtebaupolitik mit
Schwerpunkt auf den Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts
gewidmet. Fragen der Modernisierung, der Repräsentation und auch der
Lenkung sozialer Gruppen waren vormals Gegenstand der Diskussion im
Seminar gewesen und konnten anschließend vor Ort in Paris anschaulich
erkundet werden. Nach einer Begegnung im Modell mit dem im Stadtbild
größtenteils verschwundenen mittelalterlichen Paris im Pariser
Stadtmuseum, dem Hôtel Carnavalet, wurden die städtebaulichen Maßnahmen
der großen französischen Könige, Henri IV und Louis XIV besichtigt. Das
heutige Paris als verdichtete Großstadt ist allerdings insbesondere ein
Ergebnis des im 19. Jahrhundert unter Napoléon III. von Baron Georges
Eugène Haussmann durchgeführten Umbaus und lässt sich an den breiten
Avenues und Boulevards, der einheitlichen Fassadengestaltung, dem
sternförmigen Platzsystem, der Ringeisenbahn mit den Kopfbahnhöfen,
aber auch an der Verdrängung und Umsiedlung der Arbeiter in der von der
Stadtmitte entfernte Elendsviertel – in die heutigen Banlieues –
ablesen. Spätere repräsentative Umbauten von Paris, wie etwa die Grands
Projets François Mitterands oder auch das Centre Pompidou, schlossen an
die radikale moderne Gestaltungskraft des 19. Jahrhunderts an und
bewirkten eine analoge Vorrangstellung französischer Baukunst in der
Gegenwart. Exklusives Pariser Wohnen im 20. Jahrhundert konnte an der
Villa-la-Roche von Le Corbusier bestaunt werden, während die
Sozialsiedlungen Ricardo Bofills, etwa an der Place de Catalogne, den
umstrittenen Versuch dokumentieren, dem sozialen Wohnungsbau ein neues
Gesicht zu geben.
Kontakt:
Laura Gieser, M.A.
Tel.: 05251-60-5480
Email: lgieser(at)mail.uni-paderborn.de
Prof. Dr. Eva-Maria Seng
Email: em-seng(at)mail.uni-paderborn.de
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