Das Jenny-Alony-Archiv an der Universität Paderborn
Im Jahre 1992 gründete der Germanist Hartmut Steinecke das Jenny-Aloni-Archiv an der Universität Paderborn. Das Archiv sammelt und archiviert den literarischen Nachlaß der deutschsprachigen Schriftstellerin, ihre literarischen Texte, Briefe von und an Jenny Aloni, sowie zahlreiche Lebensdokumente wie Zeugnisse, Ausweise, Auswanderungspapiere, ferner eine große Anzahl an Fotos. Ein wichtiger Bestandteil des Archivs sind die von Jenny Aloni geführten Tagebücher, die im Rahmen eines von der DFG geförderten Projektes kommentiert und veröffentlicht wurden.
Das Archiv wird von der „Gesellschaft zur Förderung des Jenny-Aloni-Archivs e.V.“ unterstützt. In einer losen Folge wurden in den „Mitteilungen aus dem Jenny-Aloni-Archiv“ aus der Archivarbeit berichtet, wichtige Veranstaltungen und Ereignisse dokumentiert und zudem bisher unveröffentlichte Texte sowie kleinere Aufsätze publiziert.
Jenny Aloni, Tochter eines jüdischen Kaufmanns, wurde am 7. September 1917 als Jenny Rosenbaum in Paderborn geboren. Von 1924 bis 1935 besuchte sie das Michaelklosters in Paderborn und bereitete sich ab 1935 auf Gut Winkel in der Mark Brandenburg auf die Auswanderung nach Palästina vor. 1936 übersiedelte Jenny Rosenbaum nach Berlin und legte dort 1939 ihre Abiturprüfung ab. Anschließend war sie Gruppenleiterin im Hachscharah-Kibbuz Schniebinchen in der Niederlausitz. Im selben Jahr wanderte sie nach Palästina aus und nahm das Studium an der Hebräischen Universität in Jerusalem auf. 1942 trat sie in eine jüdische Einheit der britischen Armee beim Lazarettdienst ein. 1942 wurden ihre Schwester und die Eltern nach Theresienstadt deportiert, wo ihr Vater 1944 starb. Die Mutter wurde 1944 nach Auschwitz deportiert. 1946 wurde Jenny Rosenbaum aus der Armee entlassen und besuchte eine Schule für Sozialarbeit. 1947 kehrte sie zur Unterstützung jüdischer DPs (Displaced Persons) nach Europa und hielt sich in Paris und München auf. Im Jahre 1948 heiratete sie Esra Aloni. In den Jahren seit 1938 war Jenny Aloni sozial sehr engagiert, so als Sanitäterin während des jüdisch-arabischen Krieges, als Sozialarbeiterin in der Jugendfürsorge und als Mitarbeiterin in der psychiatrischen Klinik in Beer Jaakow. 1950 wurde die Tochter Ruth geboren. 1955 besuchte Jenny Aloni erstmals seit der Auswanderung ihre Heimatstadt Paderborn. Seit 1957 wohnte Jenny Aloni in Ganei Yehuda, wo sie am 30. September 1993 starb.
Ausführlich wird über Jenny Aloni und ihr literarisches Schaffen in der Datenbank des Projekts „Jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Westfalen“ informiert. Dieses Projekt hat sich das Ziel gesetzt, jüdische Autorinnen und Autoren, die in Westfalen geboren wurden oder gelebt haben, in ihren Werken und Lebensumständen vorzustellen. Die Datenbank enthält zahlreiche Dokumente zu Jenny Aloni.
Kontakt:
Sabine Gockel
Fon: (05251) 60 28 74
Fax: (05251) 60 42 02
Link:
http://www.juedischeliteraturwestfalen.de/

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