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Kulturelle Zyklographie der Dinge. Objektzirkulationen und (Selbst)Biographien von Artefakten

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Projektbeschreibung

Das Projekt nimmt seinen Ausgangspunkt in der Denkfigur, das ‚Leben‘ des Dings sei ein Kondensat seiner soziökonomischen und kulturellen Zirkulationen und Umgestaltungen. Aus dieser Denkfigur entspringen mehrere Rätsel, weil einerseits die Rohstoffe und die Herstellung der Dinge nicht durch sie selbst preisgegeben werden und andererseits erscheint die Zeitlichkeit, der ‚Lebenslauf‘ der fertigen Dinge in toto opak. „Kein Mensch weiß“, schreibt dazu Ernst Bloch in einer poetisch philosophischen Prosaminiatur aus Spuren (1930), „woraus der Rücken der Dinge besteht, den wir allein sehen, gar ihre Unterseite, und worin das Ganze schwimmt.“

Die forschungsleitende Idee ist, dass es spätestens seit der Frühen Neuzeit ein Bestreben gibt, hinter das Schweigen der materiellen Objekte zu kommen und den Dingen Auskunft und Wissen zu entlocken über Operationen ihrer Hervorbringung, über ihre ‚Wanderwege‘ von Hand zu Hand und ihre ‚Schicksale‘ als Produkte, Waren, Utensilien und Müll. Wie und wo wird ein Ding hergestellt? Welche Akteure und Praxen fließen in seine Verbreitung und seinen Gebrauch ein? Welche vorübergehenden Praxisgemeinschaften und  Kollektive bilden sich rechts und links um seine Bahnen, welche sozialen Gruppierungen kittet es zusammen? Was wird aus einem Artefakt, wenn es außer Gebrauch kommt, und wer begleitet so alles die Trajektorie seines Verschleißes? Wie und wo wird schließlich das Ding zum Stillstand gebracht und wie sieht sein Verfall genau aus?

Trotz der aktuell boomenden Dingforschung existieren Forschungslücken bei der interdisziplinären, historisch und wissenschaftstheoretisch informierten Erschließung der Ding-Konjunkturen und – hierin liegt der Schwerpunkt des Projekts – der Methoden, Verfahren, Techniken und Technologien der Aufzeichnung, Erzählung, Beschreibung, Visualisierung, Arrangements der Ding-Zyklen und Objektzirkulationen.

Die zentrale Frage des Projekts lautet: Wie wird das Ding dazu gebracht, dass es von dem, was ihm beim doing things ‒ etwa bei seiner Herstellung ‒ zustießt, und von ‚sich‘ in den Wertketten und soziokulturellen Zyklen – etwa denen der Moden, die sich um es ranken – ‚erzählt‘? Wie wird die Auskunftsverweigerung des Artefakts über seine eigene Zirkulation und Zeitlichkeit aufgebrochen? Literatur-, Medien-, Kultur-, und Wissenschaftsgeschichte registrieren zahlreiche Versuche, Artefakte in ihrer Zirkulation zur ‚Selbst‘-Beobachtung und ‚Selbst‘-Erzählung zu bringen sowie verschiedenste Bemühungen, die Flüsse und „Reproduktionszyklen aus Transformationen“ (Link 1983) ‒ in die die Dinge verstrickt sind und die sie verschweigen ‒ zu ermitteln und zu vermitteln. Die erkenntnisleitende Grundthese ist, dass sich durch die Kultur- und Wissenschaftsgeschichte hindurch eine Formation aus Verfahren, Methoden, Praxen, Techniken, Genres und Formaten jeweils historisch situiert, die der Zyklizität und Zirkularität des Dinglichen auf die Spur kommen will. Diese Formation soll erforscht werden und wird hier dingzyklographische Formation bzw. Zyklographie der Dinge genannt.

Die Universität der Informationsgesellschaft