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Kunst und ihre Didaktik (Malerei)
Prof. Dr. Jutta Ströter-Bender

Museumskoffer für die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl 2006

Leben in einem Schloss im 18. Jahrhundert (Elke Knaup)

Mit dem hier vorgestellten Konzept sollen die Kinder „Geschichte zum Anfassen“ erleben. Die Intention ist es, transportable Medien mit Materialien zusammenzustellen, die es Pädagogen ermöglichen, einen Schloss- und Museumsbesuch schon in der Schule spannend und interessant vor- oder auch nachzubereiten. Diese Medien ermöglichen einen ästhetischen Zugang zur Epoche Rokoko, mit dem alle Sinne angesprochen werden können. Da Holztruhen statt Koffer gewählt wurden, boten sich bei der Gestaltung ihrer äußeren Flächen bereits viele Möglichkeiten zur Inhaltsvermittlung. 
Die Konzeption zu den Medien setzt zwei Schwerpunkte:
1. Die mittelgroße und die kleine Truhe mit Inhalt beziehen sich auf Schloss Augustusburg und besondere Aspekte der Lebensart bei Hofe.
2. Die große Truhe mit Inhalt und der aufklappbare Schaukasten bilden eine Einheit zum Thema Schloss Falkenlust, Falkenjagd und Gartenanlage. 
  

Zu 1.

Zu den Materialien gehört eine CD mit zeitgenössischer Musik. Die heiter-beschwingten Ouverturen sollen die Kinder auf die Zeitreise einstimmen. Anhand der äußeren Gestaltung der Truhen können Besonderheiten der Schlossbau- und Dekorationskunst des 18. Jahrhunderts besprochen werden, z. B. die Rocaille, als spezifischer Ornamenttyp dieser Epoche; der damals bevorzugte Farbkontrast Gold und Weiß; der kunstvoll gefertigte Stuckmarmor und die aufwendigen Deckenfresken. Die Inhalte der Truhen sollen einen Eindruck vom Leben an einem Fürstenhofe vermitteln. Zu den Medien gehört eine Handpuppe, die dem Bauherrn der Schlösser Clemens August von Wittelsbach nachempfunden wurde. Der Kurfürst kann sich demnach „selbst“ vorstellen und Erläuterungen zu den geheimnisvollen Dingen in den Truhen abgeben. In verschiedenen kleinen Truhen und Seidenbeuteln befinden sich beispielsweise folgende Gegenstände: ein Rokokokleid, welches anprobiert werden kann, da es dehnbar ist und verschiedenen Größen passt; goldverzierte Rokokopantöffelchen und eine Perücke im Stil der Frisurenmode des 18. Jahrhunderts; diverses Bild- und Folienmaterial; außerdem eine kleine Truhe mit Körperpflegeartikeln, wie einem Flohfänger, Schmuck, Parfum und so genannten Mouches, das sind aus Stoff geschnittene Schönheitsfleckchen; des Weiteren gehört zu den Medien ein ornamental verzierter Spiegel, ein Fächer und die Replik einer zeitgenössischen Spielkarte; sowie Kaffeebohnen, Kakao und Marzipan, mit denen die damals so beliebten Modegetränke und süßen Konfekte am Hofe zubereitet wurden; einen Beitrag zu diesen Dufterlebnissen leisten auch die beigefügten Bienenwachskerzen; weiter gehören verschiedene Porzellangegenstände und große Muscheln, als Objekte höfischer Sammelleidenschaft dazu; neben Malvorlagen der Schlösser, die die Kinder kolorieren können, befindet sich unter den Materialien eine Kopiervorlage eines zeitgenössischen Kupferstiches, mit dem sich die Kinder einen Hampelmann herstellen können; zudem wird mit einer rustikalen Holztruhe und ihrem Inhalt ein Kontrastpunkt zum reichen Leben der Adeligen gesetzt, denn in ihr befindet sich ein Stück „Miniatur-Fachwerk“, dem Material, mit dem im 18. Jahrhundert vorwiegend die Armenbehausungen errichtet wurden, außerdem eine Leinenhaube, die im Gegensatz zur pompösen Perücke der Hofdamen steht, des Weiteren ein Nussbaumblatt, mit dem die mittellose Bevölkerung sich vor Flöhen zu schützen versuchte und ein Stück groben Sackleinens, als Beispiel für Kleidungsstoff, der innerhalb einer Fühlprobe den Unterschied zum weichen Taft des Rokokokleides verdeutlichen soll, einen weiteren Kontrastpunkt bildet das Stück trockenen Brotes in der Holztruhe, welches im Gegensatz zu den Marzipanrosen zu betrachten ist. 
  

Zu 2.

Die zweite Themeneinheit bezieht sich in erster Linie auf das für die Privatanlässe des Kurfürsten vorgesehene Schloss Falkenlust. In der Umgebung dieses kleinen Lustschlosses widmeten sich Herrscher und Hofstaat der überaus beliebten Falkenjagd, bei der mit Hilfe von abgerichteten Falken Reiher gejagt wurden. Dabei galt es als besonderes Vergnügen, von der Dachterrasse des Schlosses aus, den Kampf der Vögel in der Luft zu verfolgen. Ein weiterer Aspekt bezieht sich auf die Gartenanlage, als Ort der höfischen Festkultur. Zu den Medien gehört ein Koffer, der sich beim Aufklappen als Schaukasten entpuppt. Nach Art des Modellbaus ist dort ein Ausschnitt des Ziergartens zu betrachten. Im Deckel ist die Abbildung eines zeitgenössischen Kupferstiches zu sehen. Sie zeigt eines der kleinen Lusthäuschen, die innerhalb des Gartens versteckt lagen. Auf dem Äußeren der großen Truhe sind verschiedene Ausschnitte aus Gemälden mit dem Thema Schloss Falkenlust, Falkenjagd und Garten zu sehen. Im Inneren der Truhe befinden sich folgende Gegenstände, die den Kindern diesen Themenbereich näher bringen sollen:
eine Uniformjacke und ein Hut (Dreispitz) im Stil der Falkenjagduniformen, wie sie am Hofe Clemens Augusts vorgeschrieben waren; dazu gehört eine ebenfalls in den Farben des Kurfürsten gehaltene blau-silberne Taschenuhr mit einem Falkenrelief auf dem Deckel und ein verzierter Ring mit den Initialen CA; des Weiteren befindet sich in der Truhe ein sehr alter, präparierter Falke mit Falkenhaube, da es sich um ein nicht besonders wertvolles Exemplar handelt, können es die Kinder auch anfassen (erstaunlicherweise haben Kinder dabei meistens keine Berührungsängste); außerdem sind vier handbemalte Fliesen mit Jagdmotiven beigefügt, ähnlich denen, die das gesamte Treppenhaus im Schloss Falkenlust auskleiden; auch zu den Materialien dieser Themeneinheit gehören verschiedene Porzellangegenstände, Fächer und Spiegel; in einer Holztruhe befindet sich außerdem ein getrocknetes Lavendelsträußchen, mit dem damals die Menschen und Räume beduftet werden konnten; schließlich gehört zu den Medien noch eine kleine Truhe, die mit Muscheln und Steinchen mosaikartig gestaltet ist, in Anlehnung an die beeindruckende Muschelkapelle unweit des Schlosses, die über und über mit Grottenwerk, wie Muscheln, Steinen und Mineralien ausgestattet ist. Die hier vorgestellten Medien sollen den Schülern und Schülerinnen einen Eindruck von der Stilepoche Rokoko vermitteln. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich über einen längeren Zeitraum fächerübergreifend mit dem Thema zu befassen. Eine Zusammenarbeit zwischen Kunst (ästh. Zugänge), Sachkunde (Geschichte), Sprache (z.B. Schäferdichtung) und Musik (Ouverturen und Tanz) wäre dabei wünschenswert.
  
Kunstpraktische Anregungen:

  • Die Kinder könnten beispielsweise Stuckmarmorbilder fertigen, in dem sie sich zunächst einfache Holzrahmen herstellen. In diese wird recht flüssiger Gips (etwa Pfannkuchenkonsistenz) gegossen. Im direkten Anschluss daran sollten tröpfchenweise verschiedene Acrylfarben hinzu gegeben werden. Mit Stäbchen (Schaschlikspieße, Zahnstocher) können nun feine Muster kreiert werden. Der Vorgang erfordert ein zügiges Arbeiten, da der Gips sonst aushärtet. Wenn der Gips und später auch die Farbe völlig trocken sind, hat sich aufgrund des Schrumpfeffekts der Farbe eine sehr interessante Struktur gebildet, die zwar nicht der polierten, glatten Oberfläche des Stuckmarmors entspricht, aber für sich einen besonderen Reiz hat. Möchte man allerdings die glatte Oberfläche des Stuckmarmors imitieren, muss der Gips vorher in Anteilen mit Acrylfarbe oder Pigmenten komplett eingefärbt werden. Anschließend kann verschieden farbiger Gips in den Rahmen gegossen werden und mit Stäbchen in Marmormuster gezogen werden. Nachdem er ausgehärtet ist, kann er mit feinem Schmirgelpapier bearbeitet werden, bis ein schönes Muster zum Vorschein kommt. Eine andere Möglichkeit wäre es, mit spezieller Marmorierfarbe oder Ölfarbe auf einem Wasser- oder Kleisterbad, Papier, Gipsplatten oder andere Materialien zu marmorieren.
  • Die Kinder könnten mit Materialien aus Papier und Textilien verschiedene Rokokodamen- oder Herren, Pferde oder Falken auf einer Pappunterlage gestalten.
  • Die Mouches (Schönheitspflästerchen) aus Stoff erschienen damals in allen erdenklichen Formen. Es bedarf keines größeren Aufwandes, wenn sich die Kinder in der Klasse selbst ganz unterschiedliche Mouches auf Stoff zeichnen und ausschneiden. Diese können mit Erkältungsbalsam aufgeklebt werden. Dabei ist auf die Gefahr hinzuweisen, dass nichts in die Nähe der Augen gelangen darf und anschließend die Hände gewaschen werden müssen.
  • Im Unterricht könnten glitzernde Medaillons als Kettenanhänger gestaltet werden. Auf Pappe wird eine Form gezeichnet und ausgeschnitten. Oben gehört zum Aufhängen an einer Schnur ein Loch hinein. Anschließend wird die Pappgrundlage mit Fliesenkleber bestrichen. Empfehlenswert ist leicht flexibler Kleber, wegen der Haltbarkeit des Ergebnisses. In diese relativ dicke Schicht werden zum Abschluss Deko-Streuartikel, wie schimmernde Steinchen und Perlen, hinein gedrückt. Diese werden vom Großhandel günstig in Eimern angeboten.
  • Natürlich bietet es sich an, mit den Kindern Fächer in allen erdenklichen Farben und Formen herzustellen.
  • Damals war es üblich, Porzellangeschirr mit den Initialen des Fürsten zu versehen. Außerdem wurden amüsanterweise Insekten auf Teller und Schüsseln gemalt. Im Unterricht könnten die Kinder ihre eigenen Initialen entwerfen und diese mit Verzierungen, wie Insekten und Blumen, mit Porzellanmalfarbe auf Teller oder Schalen malen. Auf Flohmärkten findet sich meistens sehr günstig hierfür geeignetes Porzellan, oft sogar mit Goldrand. Auch die Fliesenmalerei bietet sich für den Unterricht an.
  • Zum Thema Falkenjagd könnte man mit den Kindern Drachen aus Packpapier basteln, diese mit einem Falkenmotiv bemalen und natürlich anschließend in die Lüfte steigen lassen.
  • Des Weiteren ließen sich verschiedene Potpourris herstellen, beispielsweise aus getrockneten Rosen, Lavendel, Rosmarin, Pfefferminze und Ingwer, da sie einerseits leicht erhältlich sind und andererseits bei den Kindern auch Gefallen finden könnten.
  • In Anlehnung an die Truhe im Grottenstil könnten die Schüler und Schülerinnen mit den gleichen Dekosteinchen, die schon für die Schmuckherstellung empfohlen wurden, Gegenstände mit Mosaik überziehen. Die preisgünstigste Möglichkeit wäre es, Schraubgläser, z.B. von Marmeladen, mit Fliesenkleber zu bestreichen und anschließend mit den Steinen, gesammelten Muscheln oder allerlei anderem Kleinod zu verzieren.
  • Zum Abschluss einer solchen Themeneinheit bietet es sich an, eine kleine Feier ganz wie am Hofe des Kurfürsten zu organisieren. Dabei könnten selbst gemachte Bienenwachskerzen für Duft und Atmosphäre sorgen. Für die nötigen Gaumenfreuden könnten heiße Trinkschokolade und selbst gemachtes Marzipankonfekt sorgen. Jedes Kind kann sich selbst eine Handvoll Marzipanrohmasse herstellen. Dazu benötigt man gleiche Mengen an gemahlenen Mandeln und Puderzucker, etwas Honig, etwas Öl und wenig Wasser, sowie ein Tröpfchen Bittermandelaroma. Aus dieser Masse, mit Lebensmittelfarbe gefärbt, lassen sich kleine Figuren oder Formen modellieren.
Museumskoffer zur Kultur der Delfter Fliesen (Dorothe Kramer)

Schloss Falkenlust
Das Jagdschlösschen ist nur einen Spaziergang vom Schloss Augustusburg in Brühl entfernt. Es diente Clemens August, dem Kurfürst und Erzbischof von Köln, als Standort für seine leidenschaftliche Falkenjagd. Seine Position wurde von der Flugbahn der Reiher bestimmt. Sie waren die begehrten Beutetiere der Falken. François de Cuvilliés war sowohl für die Pläne des Rokokoschlosses verantwortlich wie auch für das Fliesendekor innerhalb des Schlosses. Nach der Vorliebe Clemens August für die Falkenjagd wurde sie inhaltlich bei der Gestaltung der Fliesen im Schloss dargestellt. In der kurzen Zeit von 1729 bis 1737 konnte das Lustschloss errichtet werden. Der Bau des Schlosses richtete sich nach den notwendigen Gegebenheiten für eine Jagd. Dabei wurden ein Falkenhof für die Jagdvögel, Stallungen für die Pferde und besonders der Aufenthaltsort der Jagdgesellschaft berücksichtigt. 
 
Die Kulturgeschichte der Fliese
Die ersten Fliesen stammen aus der Frühzeit. Ziegel aus feuchter Erde, die unter der Sonneneinstrahlung getrocknet wurden, dienten damals zur Ebnung von Wegen. Mit der Entdeckung, feuchten Ton gestalten zu können, wurden die Ziegel als Übermittler von Informationen und künstlerischen Ausdrucks eingesetzt. Je nach wirtschaftlicher und politischer Lage und nach dem technischen Entwicklungsstand gestalteten sich im Laufe der Zeit die Fliesen. Die Fliese früher diente in erster Linie als Medium den ästhetisch-künstlerischen Aspekt zu vermitteln, heute steht der praktische Nutzen im Vordergrund und der gestalterische Anspruch ordnet sich der Zweckmäßigkeit unter. Weltweit kamen Fliesen zur schmuckvollen Dekoration von Palästen und Grabkammern, später auch in Kirchen und Klöstern zum Einsatz. Einflüsse wie Handel und Kriege bestimmten die Entwicklung der Fliese. Mit der Entwicklung in verschiedenen Ländern entstanden kulturspezifische Fliesen, die sich z. T. mit Hilfe der Industrie stark durchsetzen konnten. Dies war z. B. in Holland im 17. Jahrhundert der Fall. Dort entstanden die Delfter Kacheln im Auftrag von Clemens August für sein Schloss in Brühl. 
 
Fliesen im UNESCO Weltkulturerbe
Wir begegnen Fliesen alltäglich, aber nehmen sie kaum noch wahr. Sie stellen ein historisches Material dar, das zugleich Gebrauchsgegenstand und künstlerisches Ausdrucksmittel ist. Fliesen im Kunstunterricht können aus vielen Perspektiven erarbeitet werden. Sie stellen eine Schlüsselfunktion zu einem UNESCO Weltkulturerbe dar, die im Folgenden erläutert wird. 
Die Fliese im Jagdschlösschen
Im Jagdschloss Falkenlust bekommt die Fliese eine völlig neue Bedeutung, sie ist dort für Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrer in einem geschichtlichen Kontext zu sehen und zu erfahren. Dort werden ihre Vielseitigkeit und ihre Ausdrucksstärke deutlich demonstriert. Obwohl das Schloss nicht mehr bewohnt ist, vermag es anhand der Fliesen viel über den ursprünglichen Bewohner zu erzählen. Geschichten, Inhalte, besondere Vorlieben des Begründers des Lustschlosses in Form von kleinen Bildern, die auf Fliesen dargestellt werden schildern das Leben eines Barockfürsten. Die Geschichten von Clemens August, zu seiner Zeit Kurfürst und Erzbischof von Köln, die im Schloss besonders schön zur Geltung kommen, erzählen über seine Person, seine Position und Mittel, seine Zeit und seine Vorliebe für die Jagd. Clemens August lebte in der Zeit des Rokokos von 1700 bis 1761. Als letzter Prinz der Wittelsbacher aus Bayern, integrierte Clemens August in Anlehnung an das blau-weiße Wappen seiner Familie diese Farben auf den Delfter Kacheln, die das Schloss schmücken. Falkenlust ist in seiner Pracht und Schönheit ein vollkommenes Beispiel der Rokokokunst. Die Fliesen wurden dort stilvoll an die Wände angebracht und der Umgebung und Atmosphäre des Raumes angepasst. Sie sind Ausdruck von Individualität und gesellschaftlicher Stellung. 
 
Der Fliesenkoffer für die theoretische Aufbereitung
Der Koffer und sein Thema Fliesen in Anlehnung an das Jagschlösschen Falkenlust in Brühl, das zum UNESCO Weltkulturerbe zählt, ist vielseitig einsetzbar. Die Inhalte können ganz unterschiedliche Zeitspannen füllen. Das Thema ist als Projekt und als Unterrichtsreihe umsetzbar. Die Fliese als Unterrichtsegenstand gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern zu erarbeiten bietet theoretische und praktische Zugangsmöglichkeiten.
Je nach Jahrgangsstufe und Niveau der Klasse, kann die Lehrperson den theoretischen Teil und die theoretischen Grundlagen im Koffer flexibel gestalten. Vor dem Hintergrund, den Schülerinnen und Schülern das UNESCO Weltkulturerbe zu eröffnen und mit allen Sinnen erfahrbar zu machen sind folgende Inhalte für den einführenden und vorbereitenden Unterricht möglich: Das UNESCO Weltkulturerbe, Die Bedeutung des Weltkulturerbes in Verbindung mit seiner Position in der Kunst, Das Jagdschloss Falkenlust und sein Bewohner, Die Geschichte der Fliese im Allgemeinen, die Verwendung der Fliesen in Falkenlust im Speziellen, die manuelle Fliesenherstellung und Fliesen als Material bekannter Künstler.
Ein Koffer oder eine vergleichbare Materialsammlung zum Thema Fliesen ermöglicht den Schülerinnen und Schülern diesen theoretischen Kontext zu ergreifen, mit ihren praktischen Arbeiten zu experimentieren und sie anschließend einordnen zu können. Die Gewichtung der einzelnen Inhalte kann dabei ganz individuell sein. 
 
Mit Fliesen Geschichten erzählen 
Der Fliesenkoffer im Zusammenhang mit dem Jagschlösschen als Weltkulturerbe bietet der Lehrperson mehrere Alternativen das Thema zu erschließen. Die praktischen Arbeiten geschehen dabei immer vor dem Hintergrund des Welterbes. Der Koffer liefert Material zur historischen Fliesenbemalung, so dass die Schülerinnen und Schüler in der Lage sind selbst Fliesen mit ihren Inhalten, mit ihren eigenen Geschichten bzw. mit ihren Vorlieben zu gestalten. Literatur, Muster und Material in Form von Porzellanfarbe, Pinsel und Fliesen aus dem Koffer bieten den Schülerinnen und Schülern eine Anleitung, um die Bemalung nach dem historischen Prinzip zu erarbeiten. Fliesen nach den alten Methoden der Fliesenmalerei mit eigenen Inhalten und Besonderheiten unserer Zeit zu füllen und zu gestalten ist ein spannender Zugang zu den Themen Fliesen im Weltkulturerbe und spricht die Schülerinnen und Schüler besonders an, weil es sich um ihre Geschichten dreht. Jede Fliese ist damit ein Unikat und Ausdruck an Individualität. Bild mit drei Fliesen, einzelne Schritte der Malerei Bei dieser Methode ist der Materialaufwand sehr gering und deshalb besonders kostengünstig, da Fliesen für ein geringes Entgelt im Baumarkt erworben werden können.
Mit einem Muster und mit den notwendigen Werkzeugen im Koffer wird der Prozess des Fliesenlegens verdeutlicht. Auch in diesem Fall können sich die Schülerinnen und Schüler mit den vorhandenen Materialien, Werkzeugen und der entsprechenden Literatur das Fliesenlegen selbst erarbeiten. Um die selbst gestalteten Fliesen anwenden zu können, sollten sie die Möglichkeit bekommen in ihrer Klasse am Waschbecken oder an einer stabilen Stellwand selber Fliesen zu kleben und abschließend zu verfugen. Eine weiterer Zugang das Thema Fliesen praktisch zu erschließen ist die manuelle Fliesenherstellung. Dies ist mit deutlich mehr Aufwand und Zeit verbunden und benötigt eine längere Unterrichtsphase. Dieser Herstellungsprozess fördert das kreative Arbeiten in sehr großem Umfang. 
Insgesamt stellt der Fliesenkoffer eine sehr gute Materialsammlung dar, die sich eignet, um verschiedene Aspekte der Fliese zu erarbeiten. Besonders als Einstieg in eine Unterrichtsreihe zu diesem Thema weckt er mit seiner Vielseitigkeit die Neugier der Schülerinnen und Schüler. Sie haben die Gelegenheit eigene Erfahrungen mit den Werkzeugen, dem Material, mit Texten und Fotos zu machen und Fragen zu entwickeln, die im Zusammenhang mit dem Thema Fliesen und UNESCO Weltkulturerbe bedeutsam sind. 


Eine Exkursion
Eine Exkursion zum Schloss Augustusburg und dem nahe liegenden Jagdschlösschen Falkenlust eignen sich besonders, um die theoretischen Erkenntnisse praktisch zu untermauern. Bilder können diesen phantastischen Eindruck oftmals nicht erschaffen. Deshalb sind die unmittelbaren Erfahrungen und Impressionen eine wichtige Grundlage für die Auseinandersetzung mit dem Thema Fliesen. Dennoch bietet sich der Koffer auch hier an, eine solche Exkursion gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern vorzubereiten. Wenn sie in die Vorbereitung involviert sind, wird nebenbei ihre Selbstständigkeit gefördert. Exkursionen nach Brühl sind mit Hilfe von Informationsmaterial aus dem Internet besonders unkompliziert zu organisieren. 
www.schlossbruehl.de
Sowohl nach Exkursionen als auch nach den praktischen Übungen können weiterführende Fragen oder Fragen zur Übertragbarkeit des Inhalts in andere Bereiche den Schülerinnen und Schülern gestellt werden. Wie und wo werden Fliesen in Schloss Brühl eingesetzt und was erzählen sie? Gibt es solche gefliesten Räume in den internationalen Weltkulturerbestätten? Haben sie dort den gleichen Stellenwert, die gleiche Bedeutung, die gleiche Geschichte und eine Verbindung zur Kunst? 


Literatur
Bader, Walter; Braubach, Max; Cornelius, Trude; Firmenich, Heinz; Holzhausen, Walter; Hörold, Friedrich, Jaques, Renate; C.H. de Jonge; Klein, Otto; Camb, Carl; Schreiner, Ludwig: Aus Schloss Augustusburg zu Brühl und Falkenlust. Köln 1961
Böhmer, Roland: Bogenschütze, Bauerntanz und Falkenjagd. 2002.
Boyken, Martin: Fliesen und Gekachelte Räume, Darmstadt o. J.
Giorgini, Frank: Fliesen und Kacheln: entwerfen – herstellen – dekorieren. Bern 1995.
Fried, Johannes: Kaiser Friedrich II als Jäger. Göttingen 1996.
Vgl. evt. Nelle, Herbert: Friedrich II. Von Hohenstaufen. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Monographie 2000.
Lemmen van, Hans: Delfter Kacheln. 1998.
Reddemann, Joachim. Die Jagd in Kunst und Literatur. Ingolstadt. 2000.
Schhauenburg, Konrad: Jagddarstellungen in der griechischen Vasenmalerei. Hamburg 2000.
Willemsen, Carl Arnold: Die Falkenjagd : Bilder aus dem Falkenbuch Kaiser Friedrichs II. Leipzig : Insel, 1943.
Zehnder, Frank; Schäfke, Werner: Riss im Himmel. Köln 2000.

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