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Programm

Donnerstag, 21.3.2002

Anreise

Für den Donnerstag Abend ist ab 19.00 ein Tisch in dem Restaurant "Paderborner Brauhaus" in der Kisau 2 reserviert. Sie erreichen das Restaurant vom Hauptbahnhof aus, indem Sie mit den Buslinien 1, 5, 6, 11, 68 bis zur Station "Neuhauser Tor" fahren und sich dann Richtung Innenstadt halten.

Freitag, 22.3.2002, vormittags

9.15 Uhr

Eröffnung

9.30 - 11.00 Uhr

Hannelore Bublitz (Paderborn): Konstitution des Subjekts und des Sozialen als massenkulturelles Ereignis.

Referat und Moderation: Clemens Albrecht (Tübingen)

Kaffeepause

11.15 - 12.45 Uhr

Ulrich Bröckling (Freiburg/Konstanz): Normalisierungskulturen. Subjektivitäten zwischen Selbstoptimierung und Risikomanagement.

Referat und Moderation: Andreas Göbel (Essen)

Mittagessen

Freitag, 22.3.2002, nachmittags

14.30 - 16.00 Uhr

Text: Dominik Schrage (Dresden): Konsumismus als Weltverhältnis. Massenkultur zwischen Ökonomisierung und Ästhetisierung.

Referat und Moderation: Udo Göttlich (Duisburg)

Kaffeepause

16.15 - 17.45 Uhr

Tilman Reitz (Heidelberg): Die befreiende Suspension der Ich-Instanz. Nachbürgerliche Subjektivität in Massenkultur und Avantgardeästhetik.

Referat und Moderation: Andreas Ziemann (Essen)

19.30 Uhr

Abendessen

Samstag, 23.3.2002

9.15 - 10.45 Uhr

Michael Makropoulos (Berlin): Aspekte massenkultureller Vergesellschaftung.

Referat und Moderation: Winfried Gebhardt (Koblenz)

Kaffeepause

11.00 - 13.00 Uhr

Schlußdiskussion. Referat und Moderation Dierk Spreen (Paderborn)

Mittagessen

Abreise oder konspirative Nachbereitung

Presse

Neue Westfälische 10.04.02, Paderborn/Lokales:

Massenkultur als soziales Welt- und Selbstverständnis

Eine Paderborner Tagung stellt Ansätze zu einer Theorie der Massenkultur vor

Paderborn (NW). Bevor Aristoteles das "bios theoretikos" als das kontemplative Leben des Philosophen fasste, meinte "theoria" das Anschauen und Betrachten. Theorie ist die Gottesschau. Der Theoretiker war ein Zuschauer. Als Gesandter einer griechischen Stadt ging er zum Tempel oder Festspiel eines Gottes. Inzwischen versteht man unter Theorie eine begriffliche Tätigkeit; ursprünglich ist sie Tele-Vision.

Drei Tage lang fand im Heinz Nixdorf MuseumsForum eine vom Fach Soziologie der Universität Paderborn in Zusammenarbeit mit der Sektion Kultursoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) organisierte Tagung zur Theorie der Massenkultur statt. Die Paderborner Soziologen arbeiten schon seit längerem an zukunftsorientierten Konzepten, mit denen man Phänomene der technisierten und auf massenkulturellen Formen beruhenden Gesellschaft verstehen kann. Damit situiert sich auch das Fach Soziologie im Rahmen des neuen Selbstverständnisses der Paderborner Universität als "Universität der Informationsgesellschaft"

Auf der Tagung wurde Massenkultur aus einer neuen Perspektive begriffen. Unter "Masse" verstanden die Kultursoziologen nicht verdichtete Menge, die sich auf Straßen und Plätzen versammelt und einen neuen sozialen Aggregatzustand erzeugt, in dem Unterschiede zwischen den Individuen kurzfristig aufgelöst werden - nach Elias Canetti oder José Ortega y Gasset.

Heute müsse man "Masse" als soziologische Kategorie, so stellte Michael Makropoulos aus Berlin fest, anders gefasst werden. Mase sein eine Kategorie der normalisierten Mediengesellschaft, d.h. einer Gesellschaft, in der die Quote zähle, in der Statistiken von zentraler Bedeutung seien, kurz: in der "normal" ist, was häufig ist und dem Durchschnitt entspricht. Nicht die versammelte Menge, sondern die statistische Normalverteilung kennzeichnet Masse.

Die Paderborner Soziologin Hannelore Bublitz stellte eine Theorie der Massenkultur vor, welche die Logik des Begehrens an zentrale Stelle rückt. Massenkultur ist das organisierte Glücks-Versprechen und Glücks-Begehren, das nie zum Abschluss kommt. Denn, so Bublitz, die Realisierung des Begehrens besteht im Phantasma des Begehrens. Es wird durch massenkulturelle Vorgaben und Anreize konstruiert. Massenkultur vermittelt demnach ein Lebensgefühl, das Versprechungen bereit hält und ein Begehren nach mehr weckt.

Ins Zentrum der Debatte rückte die Diskussion um das moderne Subjekt. Sind wir alle außengeleitete Charaktere, die mit einem inneren Radarschirm ausgestattet, die Reaktionen der medial vermittelten Anderen beobachten, um ihr Verhalten danach auszurichten? Diese Theorie der "einsamen Masse", die in den 50er Jahren von dem amerikanischen Soziologen David Riesman vertreten wurde, wurde von Ulrich Bröckling aus Konstanz, der die populäre Beraterliteratur zum Self-Management analysierte, dahingehend abgewandelt, dass "die Masse" aus lauter Individuen besteht, die der Aufforderung folgen (müssen), von der Norm abzuweichen, um erfolgreich zu sein.

Weitere Themen waren das Verhältnis von kultureller Avantgarde und Massenkultur (Tilman Reitz/Heidelberg) und Konsumismus als Selbst- und Weltverhältnis (Dominik Schrage/Dresden). Zum Abschluss wies der Paderborner Soziologe Dierk Spreen darauf hin, dass Massenkultur nicht ein Nebenphänomen globalisierter Ökonomie sei, sondern eine zentrale Rolle in der Informationsgesellschaft spiele. Massenkultur ist also nicht etwas, das jenseits eines originären, intersubjektiven Sozialen hinzutritt und die Lebenswelt zu "kolonisieren" drohe. Gesellschaft heute sei vielmehr von ihrer inneren Verfassung her auf Massenkultur und ihre Medien verwiesen.

Die Universität der Informationsgesellschaft