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Foto: StartupStockPhotos via Pixabay

Arbeit, Technik und Digitalisierung

Das Schlagwort von der Digitalisierung zieht seine Kreise durch öffentliche Diskussionen. Damit verbunden sind verschiedene Befürchtungen, aber auch Versprechen für die Zukunft der Gesellschaft. Was ist mit Digitalisierung überhaupt gemeint? Software (Algorithmen), die ein automatisches Bearbeiten von Arbeitsplatztätigkeiten übernehmen; oder Maschinen und kollaborierende Roboter, die über WLAN verbunden miteinander kommunizieren und so selbstständig Arbeitsprozesse erledigen (Cyber-Physical Systems), z.B. im Operationssaal, wodurch sich eine neue Form der Kooperation mit mitarbeitenden Personen einerseits, und andererseits der Arbeitsteilung ergibt. Genauso fallen darunter auch Virtual Reality Brillen, mit denen z.B. Reparaturen an unterschiedlichen Standorten angeleitet werden oder neue Arbeitsprozesse simuliert werden.

Die digitalen Anwendungen sind noch teilweise in den Kinderschuhen, jedoch nicht mehr aufzuhalten und derzeit finden zahlreiche politische Entscheidungen diesbezüglich statt. Wie wir als Gesellschaft in Zukunft leben und arbeiten werden, und wie dies durch die Digitalisierung verändert wird, beschäftigt immer mehr Menschen, und ist auch ein zentrales Forschungsfeld von uns.

Unsere Forschungsprojekte im Themenfeld:

1) Qualifikations- und Kompetenzanforderungen einer veränderten Arbeitswelt und die Entstehung (neuer) sozialer Ungleichheiten (Prof. Dr. Bettina Kohlrausch; Magdalena Polloczek)

Momentan etablieren sich in der Forschung zur Digitalisierung Ansätze, die sich jenseits der rein technischen Aspekte mit den organisationalen und gesellschaftlichen Aspekten des Wandels von Arbeit befassen. Mit der Digitalisierung der Arbeitswelt haben sich auch die Anforderungen an (künftige) Arbeitnehmer*innen gewandelt. Die Frage, welche neuen Anforderungen sich aus den skizzierten Wandlungsprozessen ergeben, betrifft auch den Aspekt sozialer Ungleichheit, da der Zugang zu Qualifikationen auch immer Zugänge zu attraktiven Berufspositionen strukturiert. Spannend und noch weitgehend unklar ist im Moment, wie Betriebe und Beschäftigte mit diesen neuen Qualifikations- und Kompetenzanforderungen beispielsweise im Rahmen betrieblicher Rekrutierungsprozesse umgehen, und welche Formen der Weiterbildung und Qualifizierung sich daraus ergeben, um den Bedarf zu ermitteln und zu decken.

  • Wissenschaftliches Beratungsprojekt „BetA: Die Betriebsräteakademie der EVG Gewerkschaft“, Laufzeit 03/2019 bis 09/2020 (Prof. Dr. Bettina Kohlrausch, Magdalena Polloczek)
  • Kohlrausch, Bettina, Schildmann, Christina & Voss, Dorothea (2019). Arbeitsgesellschaft im Wandel. Industrie 4.0 und Digitalisierung von Arbeit. Neue Arbeit – neue Ungleichheiten? Weinheim: Beltz Juventa.
  • Kohlrausch, Bettina (2019). Soziale Ungleichheit und Verunsicherung im Zeitalter der Digitalisierung. In: B. Kohlrausch, C. Schildmann, & D. Voss (Hrsg.), Arbeitsgesellschaft im Wandel. Industrie 4.0 und Digitalisierung von Arbeit. Neue Arbeit – neue Ungleichheiten? (i.E). Weinheim: Beltz Juventa.
  • Magdalena Polloczek: Show me what you've got! Comparing recruiting behaviour in times of technological change. (Dissertationsprojekt)
2) Welche Folgen hat die Digitalisierung für Geschlechterungleichheiten? (Prof. Dr. Bettina Kohlrausch; Dr. Lena Weber)

Bisher bezog sich die Debatte über die Veränderung der Arbeit im Zuge der Digitalisierung vor allem auf industrienahe und industrielle Berufe, die überwiegend von Männern besetzt sind. Hinsichtlich der Auswirkungen der Automatisierung zeigen Dengler und Matthes (2015, 16), dass die eher weiblich besetzten Arbeitsfelder in den sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen ein geringeres Substituierbarkeitspotenzial ausweisen. Allerdings zeigen erste Untersuchungen auch, dass gerade im Dienstleistungsbereich vielfältige Stellen ersetzt oder umfassend verändert werden (Weber 2019; Staab/Nachtwey 2016). Zudem sind Frauen von Veränderung der Organisation von Erwerbsarbeit betroffen: Flexibles Arbeiten, das haben bisherige Studien gezeigt, verbessern für Frauen mit Kindern nicht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, sondern erhöhen empfundene Belastungen. Gleichzeitig weisen erste Ergebnisse von Kohlrausch (2018; 2019) daraufhin, dass sich Frauen signifikant häufiger von den negativen Auswirkungen der Digitalisierung betroffen fühlen als Männer.

Vor dem Hintergrund dieser teilweise widersprüchlichen Befunde beschäftigt sich das Projekt in einem Mixed-Method Ansatz damit, ob Männer und Frauen die Veränderungen an ihrem Arbeitsplatz hinsichtlich sozialer Ängste und Befürchtungen, aber auch Chancen, unterschiedlich wahrnehmen, und welche Bedeutung den zu Grunde liegenden betrieblichen und persönlichen Rahmenbedingungen für diese Einschätzungen zukommt. Der forschungsmethodische Ansatz ermöglicht einerseits, die größeren Ungleichheitslinien anhand eines Paneldatensatzes zu erkennen, welcher in Kooperation mit der Hans-Böckler-Stiftung erhoben wurde, und gleichzeitig die Tiefenstruktur der Sinnzusammenhänge anhand qualitativer Interviews zu verstehen.

3) Digitalisierung in der Care-Arbeit: Neue geschlechtliche Zuweisungsprozesse? (Dr. Lena Weber)

Der konservative Wohlfahrtsstaat Deutschland, wie auch andere europäische Wohlfahrtsstaaten, baute lange Zeit auf nicht entlohnte Care-Arbeit von erwerbslosen Frauen auf und ist immer noch auf privat geleistete Sorgearbeit von in Teilzeit arbeitenden Frauen angewiesen (Pfau-Effinger, 2005). Durch den Anstieg der Frauenerwerbstätigkeit und den demografischen Wandel sind Versorgungslücken in Deutschland und in den meisten Industriestaaten entstanden, welche sich in den nächsten Jahren vergrößern werden. Seit einigen Jahren wird nun an der Schnittstelle von Ingenieur- und Pflegewissenschaften diskutiert und erforscht, inwiefern durch Technik und smarte Anwendungen Sorgetätigkeiten von Angehörigen und (bezahlten) Pflegekräften ersetzt und/oder unterstützt werden können (Bräutigam et al., 2017; Hielscher et al., 2015b; Hielscher et al., 2015a). Mit Bezug auf die These von Angelika Wetterer (2002) zum Zusammenhang von Aufwertung, Maskulinisierung und Professionalisierung eines Berufsfeldes wird danach fragt, ob sich neue geschlechtliche Zuweisungsprozesse und gar eine Professionalisierung durch die Digitalisierung im Pflegebereich erwarten lässt oder nicht.

  • Weber, Lena (2019). Digitalisierung, geschlechtliche Zuweisungsprozesse und De/Professionalisierung in der Care-Arbeit. In: K. Becker, K. Binner & F. Décieux (Hrsg.), Gespannte Arbeits- und Geschlechterverhältnisse im Marktkapitalismus. Zwischen Emanzipation und Ausbeutung. (Geschlecht und Gesellschaft), Wiesbaden: Springer Verlag (im Erscheinen).
4) "Digitalisierung in der Erwerbsarbeit aus Sicht der Beschäftigten" (Dr. Lena Weber und Larissa Rieke, M.A.)

Digitale technologische Entwicklungen verändern das gesellschaftliche Miteinander: etwa die Arbeitsteilung im Haushalt durch Staubsaugerroboter, die Arbeitsbeziehungen durch Cyber-Physical-Systems (CPS) im Operationssaal zwischen Ärzt/inn/en, Pflegepersonal und technischen Geräten; oder Eltern-Kind-Beziehungen durch Überwachungssoftware via Smartphone bzw. GPS-Armband. In der Arbeits- und Industriesoziologie wird vor allem diskutiert, wie sich das Arbeitsleben und die Berufsqualifikation durch Digitalisierung im Arbeitsprozess (Internet der Dinge, Big Data, Roboter) verändern. Im Vordergrund steht die Debatte um die Automatisierbarkeit von Arbeitsaufgaben und das Verschwinden von Berufsfeldern, insbesondere in der (männlich dominierten) Industrie. 
Dabei wird weniger beachtet, dass der Einsatz von digitaler Technik vielfältige Veränderungen der Arbeitsorganisation, der Zusammenarbeit sowie der Verbindung von Arbeits- und Privatleben auch in (eher feminisierten) Dienstleistungsbranchen hervorbringt sowie neue Berufsfelder und Qualifikationsanforderungen entstehen. 

Das Projekt untersucht, wie Beschäftigte die durch den digitalen Wandel veränderten Arbeitsbeziehungen und Tätigkeiten wahrnehmen und bewerten. Es wird ergründet, welche Befürchtungen bzw. welche Versprechungen sich mit digitalen Anwendungen verbinden. Bezieht sich die Wahrnehmung der Digitalisierung auf den allgemeinen Wandel oder auf die persönliche Situation? Welche Denk- und Argumentationsweisen werden verwendet und wie lassen sich diese auf sozial-strukturelle Bedingungen (Beschäftigungssituation, Wohn- und Lebenssituation) oder normative Leitbilder zurückführen? 

Pressemitteilung der Universität Paderborn vom 30.03.2020:  https://www.uni-paderborn.de/nachricht/93399/"

5) Forschungsprojekt „FORTESY – Organisation, Technik, Diversität: Neue Ansätze für Sicherheit, Effizienz und soziale Integration im Feuerwehrwesen“

Deutschlands Feuerwehrwesen ist Gegenstand des Forschungsprojektes „FORTESY“, welches an der Fakultät für Maschinenbau am Arbeitsbereich „Technik und Diversity" von Prof. Dr. Ilona Horwath angesiedelt ist. Die interdisziplinäre Ausrichtung an der Schnittstelle zur Soziologie erweist sich insbesondere für die Fragestellung nach sozialer Integration und gesellschaftlichem Zusammenhalt in Hinblick zunehmender Diversität in der Gesamtgesellschaft als äußerst fruchtbar. Darüber hinaus werden mittels Technik-, Diversity-, Organisations- und Resilienzforschung sowie mithilfe der Ingenieurswissenschaften diejenigen Faktoren herausgearbeitet, die effektive Kooperationen in heterogenen Teams fördern oder aber auch behindern können. Es soll zudem aufgedeckt werden, unter welchen Bedingungen sich Organisationen im Feuerwehrwesen gegenüber gemischten Einsatztruppen öffnen und welche Rolle Technik bei der Integration spielt.

  • Forschungsprojekt „FORTESY”, Laufzeit 01/2019 bis 12/2020 (Leitung: Prof. Dr. Ilona Horwath, in Kooperation mit Prof. Dr. Birgitt Riegraf und Dr. Annette von Alemann; Mitarbeitende: Dr. Mara Kastein; Dr. Nilgün Dağlar-Sezer)
6) LEM Fortschrittskolleg: Leicht Effizient Mobil

Das Forschungskolleg Leicht - Effizient - Mobil adressiert gleichzeitig wichtige gesellschaftliche Herausforderungen, wie die der Ressourceneffizienz, einer umweltfreundlichen Mobilität, dem Klimaschutz aber auch verschiedener Aspekte in weiteren Bereichen wie z. B. der Medizintechnik. Ein Schlüssel zur Lösung dieser Herausforderungen liegt in der Umsetzung eines Extremleichtbaus bewegter Massen für breite Anwendungen. Damit wird als zentraler Ansatzpunkt durch Einsatz von hybriden Werkstoffen bei Erzeugnissen aus dem Maschinen-, Anlagen- und Fahrzeugbau eine erhebliche Reduzierung des Ressourcen- und Energieverbrauchs erzielt. Der Grundgedanke berücksichtigt dabei die Tatsache, dass Belastungsbeanspruchungen an Bauteile in der Regel inhomogen sind. Deshalb können mittels einer lokalisierten, partiellen Verstärkung durch einen höchstfesten, leichten, unter Umständen jedoch teuren Werkstoff wirtschaftliche und technische Aspekte optimiert und bezahlbarer Leichtbau realisiert werden.

Die Universität der Informationsgesellschaft