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Foto: Ⓒ Universität Paderborn, Fach Soziologie

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Vortrag von Prof. Dr. Hannelore Bublitz zum Thema "Das Archiv des Körpers: Technische Optimierung des Lebens in der Moderne" (28.02.2020)

Im Rahmen der Tagung "Modernität denken – technische, ästhetische und politische Perspektiven" am 28.02.2020 an der Universität Jena hält Prof. Dr. Hannelore Bublitz einen Vortrag zum Thema "Das Archiv des Körpers: Technische Optimierung des Lebens in der Moderne".

Das Archiv des Körpers: Technische Optimierung des Lebens in der Moderne

In der Moderne betritt der Mensch, als unverzichtbarer Ordnungspol und Mittelpunkt des Wissens die Bühne, aber hier tritt auch die Brüchigkeit dieser Konstruktion zutage. Foucaults Prophezeiung, dass der Mensch verschwinde wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand, ist zur – poststrukturalistischen  – Losung der Moderne geworden. Der Mensch rückt in die lange Folge veränderlicher Konfigurationen des Lebendigen ein.

Bezugsgröße der modernen Kultur ist die Kontingenz  und das heißt zunächst nichts anderes als die Möglichkeitsoffenheit, die sich auf alles bezieht, was manipulierbar ist, aber dadurch eben auch auf das, was sich der Manipulation entzieht.

Damit verbunden die Entgrenzung der Erwartungen und die unweigerliche Verschiebung des Möglichkeitshorizonts ins Unendliche, die Grenzen- und Schrankenlosigkeit des Begehrens (nach Veränderung, Selbstvervollkommnung). Das Unmögliche wird zum Kriterium des Machbaren; Vergesellschaftung erfolgt ins Unbegrenzte, Fiktionale.

„Gar kein anderes Ziel“ zu haben, als das, was nicht erreichbar erscheint, ist die „unvermeidliche Folge dieser Freisetzung der Erwartungen aus ihren traditionellen Beschränkungen (vgl. Makropoulos 2018: 769/70. Diese Positivierung des Unerreichbaren ist ein – sicher nicht unproblematisches  –  Spezifikum der Moderne. Und während Durkheim im „unbegrenzten Hunger der Industrie“ mit seiner schier grenzenlosen Entfesselung der Begierden und seiner fast unentrinnbaren Suggestion der schrankenlosen Verfügbarkeit aller möglichen Dinge eine Ursache desintegrativer, anomischer Zustände der Gesellschaft sieht, auf die er den massenhaften Selbstmord zurückführt (Durkheim, 1973), erscheint diese Schranken- und Grenzenlosigkeit geradezu als Signum der (post-)modernen (Massen-)Kultur , denn sie integriert diese Möglichkeitspotentiale und impliziten anomischen Tendenzen (dieser grenzenlosen Steigerungslogik), „indem sie sie in einer komplexen kompetitiven Struktur nach Kriterien kommunikativer Anschlussfähigkeit organisiert“ (Makropoulos, Theorie der Massenkultur, 2008: 142f.; vgl. ders. 2018, S. 769/70).

Spätestens seit dem 18. Jahrhundert wird die Technik, insbesondere der Automat, zum Inbegriff des Lebendigen, das eingebunden ist in das Projekt der (Selbst-) Perfektionierung. Technik und Maschine werden zum Vor-Bild des Lebendigen.  Die Kontingenz historischer Verlaufsformen des Wissens schließt das Leben und biopolitische Sicherung des Lebens ein; sie ist nur eine kontingente Variante der – technischen – Überschreitung des Lebens. Techniken des Leben-Machens werden, von Lebens-Ingenieuren designed und programmiert, zu Kulturtechniken einer ‚postsozialen‘ Gesellschaft, deren Konturen auf die einer steigerungsoffenen Optimierung des Lebens verweisen.

 

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