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Fakultät für Kulturwissenschaft - kw.forscht

OPTIMAL IN DER ZEIT // DISSERTATION VON LINDA SEILER

Aus: KW.FORSCHT: KULTURWISSENSCHAFTLER*INNEN UND IHRE PROJEKTE
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Für Linda Seiler ist ein wichtiger Grund, das grundsätzliche Interesse an ihrem Promotionsthema Selbstoptimierung, denn diese betrifft mittlerweile fast jeden Bereich des Lebens. Aus theologisch-ethischer Perspektive fragt sie sich, was ausgewählte christlich-religiöse Visionen des guten Lebens zur Leitidee der Selbstoptimierung in der Gegenwart beitragen.

"Das kann ja noch nicht alles sein."

In welchem Fach promovieren Sie?

In der Evangelischen Theologie, im Fachbereich Systematische Theologie

Aus welchem Grund/welchen Gründen promovieren Sie?

Ich glaube, da spielen mehrere Dinge zusammen. Zum einen kam bei mir nach der Berufsausbildung der Gedanke auf „Das kann ja noch nicht alles sein“, was mich zum Studium gebracht hat und dieser Gedanke hat mich auch während des Studiums nie ganz losgelassen, weshalb eine Promotion im Anschluss an den Master ein relativ logischer Schritt war. Zum anderen habe ich während meines Lehramtsstudiums gemerkt, dass mir Lehre als Tätigkeit an sich unheimlich viel Freude bereitet. Da war die Möglichkeit einer Promotion in Kombination mit einer Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin für mich eine sehr ansprechende Perspektive.

Ein weiterer, wichtiger Grund ist das Interesse an meinem Promotionsthema. Zwar gibt es auch Tage, an denen die Arbeit ermüdend und anstrengend ist, aber im Großen und Ganzen überwiegt die Neugier, mich in einen Themenbereich umfassend einzuarbeiten und zu versuchen, diesen aus einer neuen Perspektive heraus zu betrachten.

Gab es einen entscheidenden Moment, in dem Sie sich für die Promotion entschieden haben?

Den einen Moment kann ich nicht benennen, eher viele kleine Momente, die mich in meiner Entscheidung bestärkt haben. Da sind die Gespräche mit meinem Betreuer sowie mit Familie und Freund*innen zu nennen, die mir hinsichtlich meiner Sorgen zugehört und mich in der Entscheidungsfindung unterstützt haben. In meiner Entscheidung bestärkt hat mich auch das Mentoringprogramm für promotionsinteressierte Studentinnen. Und im Studium habe ich festgestellt, dass mir wissenschaftliches Arbeiten Freude bereitet. In meiner Masterarbeit konnte ich interdisziplinär und sehr eigenständig forschen, was ich im Zuge einer Promotion gern vertiefen wollte.

Foto einer Katze. "Manchmal bestimmen andere, wann Pause ist."

Wie finanzieren Sie Ihr Promotionsprojekt?

Ich habe eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Evangelische Theologie an der Uni Paderborn, was es mir erlaubt, neben der Arbeit an meinem Promotionsprojekt auch noch in der Lehre tätig zu sein. Dadurch bietet sich mir ein abwechslungsreiches und interessantes Arbeitsumfeld.

Welchen aktuellen Titel hat Ihre Arbeit?

Optimal in der Zeit. Selbstoptimierung als gesellschaftliche Leitidee und ihre Reflexion aus theologisch-ethischer Perspektive.

Wie oft haben Sie Ihren Arbeitstitel geändert?

Bisher 2- oder 3-mal. Momentan bin ich mit dem Arbeitstitel ganz zufrieden.

Könnten Sie Ihr Projekt in 2-3 Sätzen beschreiben?

Im Rahmen meines Promotionsprojekts untersuche ich gegenwärtige Rezeptionen von Selbstoptimierung, die als leistungsorientiertes Ideal in unserer gegenwärtigen flexiblen und hochdynamischen Gesellschaft Orientierung verspricht. Aus theologisch-ethischer Perspektive möchte ich fragen, was ausgewählte christlich-religiöse Visionen des guten Lebens zur Leitidee der Selbstoptimierung in der Gegenwart beitragen können.

Wo findet sich Ihr Thema im Alltag anderer Menschen wieder?

Eigentlich überall, da Selbstoptimierung mittlerweile jeden Bereich des Lebens betreffen kann: im Beruf, in der Freizeit (z.B. beim Sport), in der Ausbildung aber auch in sozialen Beziehungen lassen sich Handlungen finden, die unter dem Motiv der Selbstoptimierung stehen.

In soziologischen, psychologischen und ethischen Debatten wird der (äußere) Zwang zur Selbstoptimierung häufig als Auslöser für Stress, Erschöpfung und Depression angesehen und betrifft damit vermutlich einen erschreckend großen Teil unserer Gesellschaft. Allerdings muss Selbstoptimierung nicht zwangsläufig destruktiv sein, sondern kann u.a. auch zu erhöhter Selbstwirksamkeit führen und dadurch positive Potenziale bergen. Auf diese Möglichkeit möchte ich mich in meiner Arbeit konzentrieren.

Was glauben Sie, wer wird Ihre Arbeit einmal lesen?

Es wäre schön, wenn meine Arbeit einen kleinen Teil zur aktuellen Debatte um Selbstoptimierung beitragen könnte und richtet sich daher an Interessierte und Forschende in diesem Bereich. Obwohl dieses Thema aktuell viel diskutiert wird, gibt es bisher wenige theologische Beiträge dazu. Auch die christliche Theologie bietet heute die Möglichkeit, anschlussfähig an die menschliche Lebenswelt zu sein und könnte einen Beitrag leisten, den der Selbstoptimierung zugeschriebenen destruktiven Charakter einzudämmen.

Welches Bild sehen Sie vor sich, wenn Sie an das Ende Ihrer Promotionsphase denken?

Ich sehe ein Buch vor mir, das ich selbst geschrieben habe und wenn ich ziellos darin herumblättere, werde ich direkt einen Rechtschreibfehler entdecken. Aber das ist ok, denn ich kann es einfach wieder zuklappen und sagen: „Geschafft!“

Was hätten Sie mit Blick auf die Promotionsphase gerne vorher gewusst?

Dass es manchmal schwer sein kann, anderen zu erklären, „was man da eigentlich arbeitet“.

Was empfehlen Sie anderen Promovierenden, um die Promotionsphase bestmöglich zu meistern?

Interesse am Promotionsthema, sich mit anderen Promovierenden zu vernetzen und einen möglichst geregelten Tagesablauf, aber auch mal die Freiheiten zu genießen, die diese Zeit mit sich bringt.

Was lieben Sie (nicht) an Ihrer Dissertation?

Dass man ständig über sie nachdenkt.

KULTURWISSENSCHAFTLER*INNEN UND IHRE PROJEKTE

In dieser Reihe verraten Promovend*innen, Post-Docs und Juniorprofessor*innen, was sie zur Wissenschaft geführt hat, welche Hürden sie auf dem Weg zu ihren Qualifikationszielen überwinden müssen und was sie an ihren Projekten begeistert.

Die Universität der Informationsgesellschaft