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Foto: Yvonne Ruhose

Schreiben im Angesicht des Todes - Poetologie(n) des Sterbens von 1968 bis heute

Die gegenwärtig aufflammende gesellschaftlich-politische Debatte um ein angemessenes, humanes Sterben und die Bestimmung des für den Menschen zuträglichen Zeitpunkts spiegelt sich auch im Feld der literarischen Fiktion respektive Auto(r)fiktion wider. Besonders die Grenzziehung zwischen Leben und Tod ist immer wieder Gegenstand der medizinischen und somit auch literarischen Arbeit, die in enger Verzahnung wechselwirkende Reflexion leisten. Die Literatur wird zum Seismographen im Spannungsfeld zwischen individueller Erzählung, ökonomisierter Medizin, politischen Debatten und Fiktion. Sie agiert demnach im Kontext einer neuen Sichtbarkeit des Todes (Thomas Macho), die in der zeitgenössischen Literatur und Kunst sowie in den Massen- und Kommunikationsmedien zu beobachten ist. Literarische Texte loten immer wieder aus, was es – in epistemologischer und poetologischer Sicht – bedeutet, dass der Tod sich unserer Erfahrung entzieht. Einige literarische Texte nehmen die Herausforderung dieser Darstellungsproblematik an und zeigen neue Poetologie(n) des Sterbens auf. Das Zusammenspiel von einem sich in der Krise befindlichen Subjekt und einer Poetik des Sterbens, die sich digitaler Medien und offener Gattungsgrenzen bedient, bringt eine neue Schreibweise hervor, die sich vordergründig durch ihren liminalen Charakter auszeichnet. Die Frage nach Authentizität und Fiktion wird an dieser Stelle neu fokussiert und produktiv ausgehandelt.

Die innerhalb der Studie ausgewählten Texte finden ihren Anfang bei Peter Handkes Erzählung Wunschloses Unglück (1972) und reichen bis Daniel Wissers Roman Die Königin der Berge (2018). Damit wird ein Abschnitt der gegenwärtigen Literatur fokussiert, der das Sterben neu in den Blick nimmt. Dieser historische Abschnitt wird durch das Jahr 1968 und das von der Kommission der Harvard Medical School installierte Konzept des "'Brain Death' (Hirntod) als neuer Todeszeitpunkt und -begriff" (Heike Zirden: "Reden über das Sterben". In: Thomas Macho: "Die neue Sichtbarkeit des Todes". S. 165.) und die seitdem ausgelösten Debatten aus dem medizinischen und gesundheitswissenschaftlichen Feld markiert. Die in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts weiter geführten Debatten über die Unmöglichkeit einer konsensuellen Definition der Termini Sterben und Tod führen in der gegenwärtigen Literatur zu Aushandlungen, die diesen Unschärfen Raum geben möchten.

Die Einzelanalysen sollen Aufschluss über eine neue Poetologie und Medialität des Sterbens in der Gegenwartsliteratur geben. Dabei wird der gesundheitspolitische Kontext stets mitgedacht, was als Novum innerhalb zeitgenössischer literaturwissenschaftlicher Debatten gewertet werden kann. Zwar ist das Sterben ein inzwischen populäres Thema der Literaturwissenschaft. Eine verschiedene Disziplinen berücksichtigende, übergreifende Poetologie des Sterbens steht jedoch noch aus. Meine Dissertation möchte diese Lücke füllen, indem sie soziologische, psychologische, theologische und gesundheitspolitische Diskurse in die Interpretation literaturwissenschaftlicher Texte mit einbezieht und eine Schreibweise auslotet, die sich am aus der Kunstgeschichte entlehnten Begriff der Ekphrase entzündet und auf Leerstellen sowie deren imaginatorisches Potenzial für den Lesenden verweist.

Kontakt

Anda-Lisa Harmening

Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft > Komparatistik/Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft

Anda-Lisa  Harmening
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