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Die Bereiche des Instituts

Foto: Yvonne Ruhose

Narrative der Depression in der Gegenwartsliteratur

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden heute über 300 Millionen Menschen an Depression. Als Zivilisationskrankheit des 21. Jahrhunderts stellt sie dabei nicht nur die Psychiatrie, Psychologie und Humanmedizin vor große Herausforderungen, sondern ist längst in soziokulturelle und ökonomische Bereiche als akutes Problem vorgedrungen. Trotz der stetig steigenden Zahl von an Depression erkrankten Menschen, ist der gesellschaftliche Diskurs über Depression nicht frei von Vorurteilen und Tabuisierungen, so dass sich das Sprechen über Depression als eigenständiges Problem neben der Erkrankung selbst herausstellt.

Literarische Texte der Gegenwart rücken genau diese Sprachproblematik in den Fokus und ermöglichen damit einen Raum, in dem nicht nur kritische Reflexion möglich ist, sondern zu allererst ein Narrationsversuch einer Depression vorgenommen werden kann. Der Versuch dieser Narration muss als solcher nicht notwendigerweise abgeschlossen und kohärent sein. Viele Texte der Gegenwartsliteratur offenbaren deutliche Brüche innerhalb der Narration. Eine These des Dissertationsvorhabens lautet daher, dass innerhalb der Gegenwartsliteratur die starke Tendenz herrscht, sich der Thematik der psychischen Erkrankung zwar zu widmen, Literatur aber nicht per se als finaler Zufluchtsort einer gelungen Bewältigung der Depression zu verstehen ist. Mit dem 2013 erschienen Roman Das Ungeheuer von Terézia Mora liegt genau solch ein Text vor, der die Sagbarkeit der Depression als Aporie größtenteils bestehen lässt, bzw. in einer ästhetischen Metaphorik verhaftet bleibt. Die vermehrte Verwendung von metaphorischem, uneigentlichem Erzählen bzw. Sprechen, um das Empfinden und Erfahren einer Depression kommunizierbar zu machen ist das offensichtlichste Merkmal aller Depressionsnarrative innerhalb der gegenwärtigen Literatur. Oft handelt es sich hierbei um Metaphern, die aus dem Diskurs der Melancholie stammen, der bis weit in die Antike zurückreicht und in der abendländischen Kunst und Kultur eine lange Tradition hat. Trotz dieser ästhetischen Inanspruchnahme der Metaphern ist mit ihrer Verwendung auch eine immanente Kritik verbunden, da die Metaphern als bildgebendes Verfahren des Wissens über die Psyche scheinbar immer nur auf die Metapher "Depression" zurückverweisen können. Auf der Ebene der Narration werden diese Depressions-Metaphern jedoch in komplexe Narrationen des Subjekts transformiert, die in ihrer Ausgestaltung so individuell sind wie es jede Erfahrung der Depression ist. Untersucht werden neben fiktionalen auch autobiographische Texte der Gegenwartsliteratur (u.a. Die Welt im Rücken von Thomas Melle) und zwar hinsichtlich ihrer unterschiedlichen subjektiven Narrationsstrategien.

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Sarah-Christina Henze

Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft > Komparatistik/Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft

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