Achtung:

Sie haben Javascript deaktiviert!
Sie haben versucht eine Funktion zu nutzen, die nur mit Javascript möglich ist. Um sämtliche Funktionalitäten unserer Internetseite zu nutzen, aktivieren Sie bitte Javascript in Ihrem Browser.

Die Bereiche des Instituts

Foto: Yvonne Ruhose

Formen der Tragödie in der französischen Frühklassik

Aufführung von Corneilles Le Cid im Théatre du Marais, 1637

Das Projekt konzentriert sich auf das dramatische Werk von Georges de Scudéry (1601-1667) und Pierre Corneille (1606-1684). Innerhalb ihrer Tragödiensammlungen stechen die unterschiedlichen Ausführungen der tragischen Gattung hervor, die damit Grundlage für eine komparatistische Auseinandersetzung mit gattungsgeschichtlichem Fokus auf die Formen der Tragödie in der französischen Frühklassik bilden. Die Dissertation fokussiert den Gattungsbegriff 'Tragödie' im 17. Jahrhundert und stellt sich die Frage, inwiefern die einzelnen Dramen sich zu diesem Begriff positionieren, da festzustellen ist, dass die Theaterstücke jeweils in ganz eigener Manier auf die Diskussion über die aristotelische Poetik und die doctrine classique antworten.

Besonders in der ersten Hälfte der Schaffensperiode Corneilles ist ein ganzes Spektrum an Gattungsbezeichnungen - tragédie, tragi-comédie, comédie héroïque u.a. - für diejenigen Dramen, die ein tragisches Sujet behandeln, festzustellen. Bereits im Falle der bekannten Tragödie Le Cid (1637), ebenso ein wichtiger Meilenstein in Corneilles schriftstellerischer Karriere wie auch ein Wendepunkt in der Geschichte der französischen Literatur, ist ein Wechsel in der Gattungsbezeichnung zu vermerken. Denn zu Beginn 'tragi-comédie' genannt, erhält das Stück mit Druck der zweiten Auflage im Jahr 1648 die Bezeichnung 'tragédie'.Die anschließende Querelle du Cid stellt mit ihren ästhetischen sowie gattungsgeschichtlichen Diskussionen, die zur Herausbildung der doctrine classique führen, einen theatergeschichtlichen Einschnitt und einen Gründungsmoment des modernen Theaters dar. Horace (1640) läuft unter der Bezeichnung 'tragédie romaine', mit Cinna legt Corneille 1641 eine 'tragédie' vor, die, noch deutlicher als Horace mit seinem zuletzt restituierten Helden, mit einem tragödienuntypischen glücklichen Ausgang endet. Ein Jahr später erscheint Polyeucte als 'tragédie chrétienne' und 1650 folgt Andromède als 'pièce à machines'. Nicomède (1651) ist schließlich deshalb von besonderer Bedeutung, als Corneille mit diesem als 'comédie héroïque' und 'tragédie à fin heureuse' bezeichneten Drama die Wirkung der Gattung 'Tragödie' problematisiert. In Corneilles Schaffen wird also ein höchst produktiver Umgang mit dem Begriff der Tragödie deutlich, der in direktem Zusammenhang mit der im Entstehungsprozess begriffenen ästhetischen Regelpoetik steht.

Mit seinen kritischen Observations sur "Le Cid" verfasst Georges de Scudéry im Jahre 1637 bereits zu Beginn der Querelle du Cid einen wichtigen Beitrag für diese Diskussion. Er wirft in seinen Beobachtungen Corneille die Nichtbeachtung der Prinzipien der bienséance und der vraisemblance sowie die Missachtung der drei aristotelischen Einheiten vor. Diskutiert wird hier also der Verstoß gegen dramatische Regeln, die aber zu dem Zeitpunkt keinesfalls kohärent formuliert sind. Zur selben Zeit lässt Scudéry eine der ersten Tragödien seines dramatischen Eigenwerks unter eben dieser Gattungsbezeichnung aufführen: La mort de César (1636). Auch das kurz darauf entstandene Stück Le Prince déguisé (1636) erhält ebenso wie Didon (1637) die Bezeichung 'tragédie'. Die anschließende Piece L'amour tyrannique (1640) trägt dann aber bereits die Bezeichnung der 'tragi-comédie', auf die weitere Stücke mit gleicher Gattungsbenennung folgen. Erwähnt seien an dieser Stelle L'amant libéral (1638) sowie Eudoxe (1641). Es zeigt sich damit auch an Scudérys Stücken mit tragischem Sujet eine Vielfalt an Gattungsbezeichnungen, sodass er mit seinen Formen der Tragödie ebenfalls zur Entstehung dieser Gattung in der französischen Frühklassik beiträgt.

Das übergreifende Ziel der Dissertation besteht somit darin, eine genauere Betrachtung der Gattungszugehörigkeit für die Dramen Corneilles sowie Scudérys vorzunehmen, die ein tragisches Sujet behandeln und in der französischen Frühklassik uraufgeführt werden. Dies unter dem Gesichtspunkt, dass die Autoren variabel und produktiv mit den Gattungsbezeichnungen dieser Dramen umgehen und ihre Schriften die Diskussion um die Formen der Tragödie maßgeblich in Gang bringen und vorantreiben. Dass in der ersten Hälfte des Jahrhunderts offensichtlich eine intensive und fortdauernde Auseinandersetzung mit der Gattung 'Tragödie' stattfindet, ist eine wichtige Erkenntnis für ein umfassendes Verständnis des Theaters um 17. Jahrhundert. Eine entsprechende Perspektivierung des Gattungsbegriffs anhand ausgewählter Theaterstücke Pierre Corneilles und Georges de Scudérys, wie sie meine Dissertation anstrebt, stellt somit auch einen gewinnbringenden Beitrag zur 'Geburt des modernen Theaters' dar.

Kontakt

Katrin Schürhörster

Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft > Komparatistik/Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft

Katrin Schürhörster
Telefon:
+49 5251 60-2879
Büro:
H4.308

Sprechzeiten:

Do, 10.00 - 11.00 Uhr, über Telefon oder Zoom
nach Voranmeldung per E-Mail

Nach Absprache per E-Mail sind auch individuelle Termine möglich.

Die Universität der Informationsgesellschaft