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von links nach rechts: Isabelle Hoyer, Petra Triska, Prof. Dr. Dr. Oliver Reis, Dr. Theresa Kohlmeyer, Irina Hegel, Jana Rakowski, Fabian Potthast. Foto: Kathrin Heithecker, Universität Paderborn

Differenzorientierte Hochschuldidaktik

Seit der UN-BRK wird die Heterogenitätssensibilität von schulischen Lernsettings hochgehandelt. Dieser Anspruch wird jedoch an Lehrerinnen und Lehrer gestellt, die selbst in ihrer Lernerbiographie weder in der Schule noch an der Universität differenzorientierte Lernsettings erlebt haben. Daher ist ein weiterer Schwerpunkt des Lehrstuhls auch die hochschuldidaktische Herausforderung der (Religions-)Lehrerbildung unter der Perspektive der Heterogenität von Studierenden zu beforschen.

Islamische Lehrerbildung

Untersuchung der Curricula an Ausbildungsstätten für Religionspädagog*innen in Deutschland - mit Blick auf Darstellung religiöser Vielfalt

Die Beschäftigung mit „anderen Religionen“ gehört seit langem zu den Inhalten des schulischen Religionsunterrichts sowie der universitären Religionslehrerausbildung. Innerhalb der christlichen Religionspädagogik haben sich in den letzten Jahrzehnten – als Reaktion auf die zunehmende Pluralisierung der Gesellschaft – Konzeptionen entwickelt, wie das interreligiöse Lernen im Religionsunterricht umgesetzt werden kann. In der Hochschuldidaktik gibt es dagegen bislang nur wenige Ansätze, wie Lehrkräfte ausgebildet werden müssen, damit sie – wie vom Lehrplan des bekenntnisgebundenen Religionsunterrichts gefordert – neben inhaltlichen Aspekten wie etwa Menschenbild oder Gottesverständnis in anderen Religionen auch die Bedeutung von Achtung, Respekt und Toleranz gegenüber Anders- oder Nichtgläubigen für ein friedliches Zusammenleben in der Schulpraxis umsetzen können. Diese Anforderungen stellen sich auch an muslimische Lehrkräfte, die in der Minderheitensituation in Deutschland Dialogkompetenzen mehr als andere Lehrkräfte benötigen. Zum einen werden sie in der Schule oft aufgefordert, konstruktiv zusammenzuarbeiten (z.B. interreligiöse Projekte, multireligiöse Schulfeiern, beratende Tätigkeiten bei Konflikten mit muslimischen Schülerinnen und Schülern). Zugleich sollen sie ihren Schülerinnen und Schülern einen sensiblen Umgang mit anderen Religionen und Weltanschauungen im Religionsunterricht vermitteln.

Daher stellt sich für uns die Frage, wie Lehrinhalte zu den „anderen Religionen“ in der universitären Lehre gestaltet werden. Unsere Leitfrage lautet dabei: Inwiefern leistet die universitäre Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern für den islamischen Religionsunterricht einen Beitrag zum reflektierten Zugang zu anderen Religionen und fördert Kompetenzen im Bereich der Dialogfähigkeit?

Die Projektwerkstatt hat das Ziel, zum einen mit Hilfe von Experteninterviews mit den Lehrenden an den Standorten der Islamischen Theologie die Erfahrungen in der Lehre zu nichtmuslimischen Religionen zu erheben. Im Interview werden neben obligatorischen Vorgaben des Curriculums auch Fragen zur inhaltlichen Gestaltung der Lehrveranstaltungen, zur Wahrnehmung von Haltungen der Studierenden zu anderen Religionen sowie zur Methodik und Didaktik gestellt. Zudem sind je nach Absprache mit den Lehrenden Hospitationen in einzelnen Sitzungen vorgesehen, in denen mithilfe von Beobachtungsbögen die Praxis im Umgang mit der Differenz der Religionen in dichten Beschreibungen dokumentiert und interpretiert werden. Der Abschluss der Projektwerkstatt erfolgt mit einem internen Workshop mit allen interviewten Lehrenden, in dem die Ergebnisse vorgestellt, analysiert und bewertet werden, um daraus weitere Forschungsfragen zu formulieren.

Diese Projektwerkstatt, in der zunächst einmal der Status quo der Berücksichtigung anderer Religionen im Lehramtsstudium islamische Religionslehre analysiert wird, stellt einen ersten Schritt dafür dar, um Muslime in ein dialogisches und wechselseitig wertschätzendes Verhältnis zu anderen Religionen einzuladen. Das mittelfristige Ziel ist die Erstellung eines hochschuldidaktischen Konzepts mit Lehr-/Lernarrangements unter der Berücksichtigung der Haltungen der Komparativen Theologie. Wir erhoffen uns hier Wechselwirkungen, die auch christlich theologische und säkulare Bildungsprozesse dialogisch weiterentwickeln. Zudem sehen wir in dem Projekt einen direkten Beitrag zur Vernetzung und zum Austausch der Lehrenden an den Standorten der Islamischen Theologie.

Gefördert wird die Projektwerkstatt von der Akademie für Islam in Wissenschaft und Gesellschaft (AIWG) und findet in Kooperation mit dem Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück statt. Seitens der Universität Paderborn sind an dem Projekt der Lehrstuhl für Religionspädagogik unter besonderer Berücksichtigung von Inklusion am Institut für Katholische Theologie (Prof. Dr. Dr. Oliver Reis), das Zentrum für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften (Prof. Dr. Klaus von Stosch) und das Seminar für Islamische Theologie (Naciye Kamcili-Yildiz) beteiligt.

Kompetenzentwicklung in der Religionslehrer/innenbildung

Fragestellungen
Welche Lehre hat welche Effekte? Wie wirken fachwissenschaftliche und fachdidaktische Studienbereiche zusammen? Welche Lehrveranstaltungsformate sind günstige für welche Art von Lernzielen? Wir wirken Prüfungen auf das Lernen? Wie lassen sich akademische Lernstrategien unterstützen? Welche Art von Lehre braucht Theologisches Lernen? Passt die Kompetenzorientierung zur Theologielehre? Wie viel theologische Fachwissenschaft kommt bei den Studierenden an?

Methode
Kompetenzdiagnostik, Inhaltsanalyse

Literaturhinweis
Oliver Reis: Systematische Theologie für eine kompetenzorientierte Religionslehrer/ innenbildung. Ein Lehrmodell und seine kompetenzdiagnostische Auswertung im Rahmen der Studienreform. Münster 2014 (=Theologie und Hochschuldidaktik, 4). [zugl. Diss]

Theorie-Praxisbezug in der RU-Lehrerbildung
Heterogenität als Herausforderung der Hochschulbildung

Das Problem von Einheit und Differenz trifft die Hochschulen an ihrer schwächsten Stelle, der Legitimation ihrer Lernerwartung gegenüber den Studierenden. Die Heterogenität der Studierenden bzgl. der Studiumsvoraussetzungen nimmt dermaßen zu, dass die Vergemeinschaftung in der Lehr-, Lern- und Forschungsgemeinschaft des Faches kaum noch gelingt. Brückenkurse, Mentoring und Tutoring scheinen das Kernproblem nicht zu lösen, dass die Differenzierung der Studierenden mit der Einheitsvorstellung des Faches kaum noch zu einer sinnvollen Praxis führt. Inklusion ist eine enorme Herausforderung, die bisher unzureichend im Bereich des digitalen Lernens reflektiert wird. (Lit. zu Inklusion/Heterogenität an der Hochschule/Studieneingangsphase)

Die Universität der Informationsgesellschaft