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von links nach rechts: Isabelle Hoyer, Petra Triska, Prof. Dr. Dr. Oliver Reis, Dr. Theresa Kohlmeyer, Irina Hegel, Jana Rakowski, Fabian Potthast. Foto: Kathrin Heithecker, Universität Paderborn

Jahrbuch für konstruktivistische Religionsdidaktik

Weltwahrnehmung und -deutung geschieht in subjektiv gesteuerten Prozessen: Die äußere Realität wird durch soziale, kognitive und sinnespsychologische Eindrücke und Strukturen erfasst. Mit Hilfe schon vorhandener biografisch bedingter Deutungsmuster von Welt und über verschiedene Verarbeitungs- und Filterprozesse erschließt sich jedes Individuum seine Wirklichkeit, es kommt zu einer je subjektiven Weltkonstruktion. Dies bedingt, dass auch Lernen und religiöses Lernen im Grunde subjektiv – aber nicht beliebig – bleibt. Durch welche der verschiedenen Strömung innerhalb des Konstruktivismus man auch geprägt sein mag, über diese Kernansichten ist man sich einig.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass eine solche Weltsicht Folgen hat. Was bedeutet dies für den Religionsunterricht und seine Didaktik? Seit Mitte des 20. Jahrhunderts, unterstützt durch das II. Vatikanische Konzil, wird diesen Erkenntnissen Rechnung getragen. Auch im Religionsunterricht geht es nicht mehr um eine Aneignung unumstößlicher Wahrheiten der Kirche, sondern um das Verstehen des Glaubens und der Religion durch die Schülerinnen und Schüler. Das Subjekt hat in der anthropologischen Wende den Katechismus aus dem Mittelpunkt des Religionsunterrichtes gedrängt, was im Umkehrschluss nicht die Wirklichkeit der Offenbarung negiert.

Aus lerntheoretischer Sicht ist also der aktive Lernprozess des Lernenden mit seinem Vorwissen, seinen Einstellungen und Emotionen gegenüber dem Lerngegenstand und seinem Austausch mit den Konstrukten der anderen zu berücksichtigt und zu ermöglichen. Der Lerngegenstand ist sowohl offen genug zu halten, um die Pluralität der Subjekte zuzulassen, ohne dabei auf der Inhaltsebene beliebig zu werden. Ein Spagat ist zu meistern zwischen der Schaffung von individuellen Lernlandschaften, die nicht in Widerspruch geraten dürfen mit dem Lernort Schule und den damit behafteten institutionellen Vorgaben durch etwa Curricula.

Der 2013 gegründete ökumenische Verein „Konstruktivismus in Theologie und Religionsdidaktik e.V.“ hat sich somit zum Ziel gesetzt, eine konstruktivistisch geprägte Religionsdidaktik voranzutreiben, der sich diesen Herausforderungen in der Praxis stellt. Unter der Leitung von Prof. Dr. em. Gerhard Büttner (TU Dormund), Prof. Dr. Hans Mendl (Universität Passau), Prof. DDr. Oliver Reis (Universität Paderborn) und Prof. Dr. Hanna Roose (Ruhr-Universität Bochum) wird seit 2010 alljährlich das „Jahrbuch für konstruktivistische Religionsdidaktik“ herausgegeben, das ein aktuelles Schwerpunktthema der Religionspädagogik näher beleuchtet. Im Vorfeld der Veröffentlichung eines Bandes findet jedes Jahr eine öffentliche Tagung des Vereins statt, in der über mehrere Tage hinweg die einzelnen Beiträge vorgestellt und diskutiert werden. Die Gliederung eines jeden Bandes verdeutlicht dabei schon den Wert, der in die Vernetzung von Theorie und Praxis gelegt wird und ermöglicht zugleich unterschiedliche Zugänge zu den jeweiligen Thematiken unter konstruktivistischer Perspektive:

  • Grundlegend: In diesem einleitenden Abschnitt wird der aktuelle Diskurs zum jeweiligen Schwerpunktthema ausführlich dargestellt
  • Reflexiv: Auf einer Metaebene wird die Wechselseitigkeit von Theorie und Praxis näher untersucht und reflektiert
  • Konkret: Das jeweilige Thema wird für die Praxis fruchtbar gemacht
  • Kritisch: Der abschließende Abschnitt ist der kritischen Würdigung z.T. auch aus nicht konstruktivistischer Perspektive angedacht

Die Gewichtung der Thematiken von einer theologisch geprägten Sicht zu einer religionspädagogischen-didaktischen kann dabei von Band zu Band variieren. Gedacht ist die Reihe für alle im großen Feld der Religionsdidaktik und -pädagogik agierenden – an Schulen, Gemeinden und Hochschulen, in der Lehre und in der Weiter- und Ausbildung von Lehrkräften. 

Bisher erschienen im LUSA Verlag sind die Bände:

Bd. 1 (2010): Lernen mit der Bibel
Bd. 2 (2011): Kirchengeschichte
Bd. 3 (2012): Lernumgebungen
Bd. 4 (2013): Ethik
Bd. 5 (2014): Religionsunterricht planen
Bd. 6 (2015): Glaubenswissen
Bd. 7 (2016): Narrativität
Bd. 8 (2017): (Religiöse) Pluralität
Bd. 9 (2018): Heterogenität bewältigen

Nähere Informationen zum Verein finden Sie hier.

Bestellungen der Bände an Verlag LUSA: https://lusa-verlag.de/

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