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Religiöse Sprachentwicklung - Studien zur religösen Begriffsentwicklung

Im Oktober 2021 hat das Forschungsteam den Forschungsantrag "Religiöse abstrakte Begriffe und Sprachentwicklung in sozialer Aushandlung: Die Rekonstruktion semantischer Bedeutungsentwicklung bei Grundschüler:innen zum abstrakten religiösen Begriff Barmherzigkeit (RABE)", Förderung beantragt bei der DFG.

1. Ziel & Fragestellung der Studie

Das Ziel dieser Studie ist es, die religiöse Begriffsentwicklung von Kindern der zweiten Klasse am Beispiel des Begriffs ‚Barmherzigkeit‘ zu untersuchen. Bisher gibt es dazu wenig Forschung, doch die Erfahrung zeigt, dass Kinder in Kontexten religiöser Diskurse oftmals vage Begriffe verwenden oder ihre eigene Sprache entwickeln. Die Forschungsfrage lautet daher: Wie lernen Kinder sowohl in der Familien- wie auch in der Schulsituation religiöse Begriffe bzw. den Begriff ‚Barmherzigkeit‘? Die Ergebnisse der Studie sollen dabei helfen, den Lernprozess zur Sprachfähigkeiten im Religionsunterricht zu verstehen und zu unterstützen.

2. Forschungsstand zur religiösen Sprachfähigkeit

Um Teil der Glaubensgemeinschaft des Christentums zu werden, ist es für Kinder und Jugendliche von entscheidender Bedeutung, die Sprache des katholischen Christentums zu beherrschen. Allerdings wird ihnen immer wieder eine religiöse Sprachunfähigkeit attestiert (Vgl. Sitzberger 2013). Faix stellt beispielsweise heraus, dass die Kinder und Jugendlichen sich nicht mehr der traditionellen christlichen Sprache bedienen (Vgl. Faix 2015). Dieses Ergebnis stützten Altmeyer und Hermann in einer folgenden Studie mit Kinder im Übergang zum Jugendalter. 35% der Befragten (n=487) ordnet Altmeyer in eine Gruppe, die er „Sprachelose“ nennt ein, da diese keine Worte haben, über Gott zu sprechen. Die anderen 65% finden eigene Wege über ihr Gottesbild zu sprechen (Vgl. Altmeyer, Hermann 2016). Karin Peter merkt jedoch zu recht an, dass „systematische Erkenntnisse und Reflexionen zu der Generieung bzw. der spezifischen Eigenart einer religiösen Jugendsprache [und Kindersprache, Anm. T.K.], die über die Darstellung einzelner Unterrichtsstunden und -projekt hinausgehen“ (Vgl. Peters 2016), kaum zu finden sind. Die Erwartung an die Aussagen der Kinder und Jugendlichen sind nicht ausreichend geklärt, um von religiösen Sprachproblemen sprechen zu können.

3. Beschreibung der Studie

An der Studie haben im Zeitraum Frühjahr 2017 bis Frühjahr 2018 zwei Religionsgruppen von unterschiedlichen Paderborner Grundschulen teilgenommen. Dabei wurden die Probanden/-innen in unterschiedlichen Settings und an unterschiedlichen Orten beobachtet und getestet.

 

Phase 1 – Vorlesen im Sprachspiellabor der Universität Paderborn

Zunächst sind die Kinder mit Mutter oder Vater in das Sprachspiellabor der Universität Paderborn gekommen. Hier hat das jeweilige Elternteil die Jona-Geschichte aus der Herder Kinderbibel vorgelesen. Dabei wurde videographiert, wie die Eltern diese Vorlesesituation gestalten und welche Methoden des Lesens sie anwenden.

Anschließend wurden die Kinder auf ihr Begriffsverständnis getestet. Parallel dazu wurden die Eltern nach dem Verständnis und dem Gebrauch des Begriffs ‚Barmherzigkeit‘ in ihrem Familienalltag und ihrer religiösen Erziehung befragt.

 

Phase 2 – Religionsunterricht in der Grundschule

Im Anschluss an die Vorlesetermine wurde eine Unterrichtsreihe zu Jona gestalten. Der Unterricht wurde mit Videokameras aufgenommen, um zu beobachten, welche Themen und Begriffe angesprochen werden und wie sich die Kinder, die vorher an der Vorlesesituation teilnahmen, im Unterricht verhielten.

 

Phase 3 – Nachtestung in der Grundschule

Gut einen Monat nach Ende der Unterrichtsreihe zur Barmherzigkeit bei Jona wurden die Kinder erneut auf ihr Begriffsverständnis von Barmherzigkeit getestet, indem sie Szenen auf Bildkarten Begriffe zu ordnen mussten.

4. Forschungsteam

Die Studie ist eine Kooperationsforschung zwischen dem Lehrstuhl für Psycholinguistik am Institut für Germanistik und dem Lehrstuhl für Religionspädagogik unter besonderer Berücksichtigung von Inklusion am Institut für Katholische Theologie. Beide Institute sind an der Universität Paderborn angesiedelt. Die durchführenden Wissenschaftler/innen sind:

  • Prof. Dr. Katharina J. Rohlfing
  • Franziska Viertel, M. Sc.
  • Prof. Dr. Dr. Oliver Reis

Die Auswertung der Studie wird darüber hinaus durch studentische Hilfskräfte und Abschlussarbeiten unterstützt.

Die Universität der Informationsgesellschaft