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Autor: Joakim Jardenberg | Lizenz: CC BY 2.0 Bildinformationen anzeigen
Autor: Michal Dočekal | Lizenz: CC BY-SA 2.0 Bildinformationen anzeigen
Autor: Clyde Robinson | Lizenz: CC BY 2.0 Bildinformationen anzeigen
Autor: Harco Rutgers | Lizenz: CC BY-SA 2.0 Bildinformationen anzeigen
Autorin: Janaina C. Falkiewicz | Lizenz: CC BY 2.0 Bildinformationen anzeigen

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Aktuelles

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Ringvorlesung Rechtspopulismus, Internet & Ökonomie - Podcast #1

Der erste Beitrag der Ringvorlesung 'Rechtspopulismus, Internet & Ökonomie' ist online gegangen:

Georg Seeßlen: Der neue Faschismus – und der Weg dorthin. Eine kulturpolitische Einordnung

www.on-data-driven-armament.net

 

Dass Europa, die westliche Welt, das „Abendland“ nach rechts rückt, stark nach rechts, über einen (vielleicht „zyklischen“) Rechtsruck hinaus zu einer in die Tiefe der politischen Systeme, der Kultur und der Biographien reichende Faschisierung erlebt, ist wohl von niemandem mehr ernsthaft zu leugnen. Wir haben, wie es scheint, die „Schwelle zum autoritären Jahrhundert“, von der Ralf Dahrendorf schon im Jahr 1997 sprach, schon überschritten und die Chancen einer Umkehr stehen eher schlecht. Wie das kam über’s Land, das ist die bange Frage. Und wer oder was ist Schuld daran? Natürlich: Schuld an der Faschisierung eines Systems, eines Kontinents, eines Landes, einer Region, eines Milieus sind die Subjekte der Faschisierung, die Faschisten eben. Sie wenden taktische, strategische, kulturelle, militante, semantische und mediale Methoden an, um ihre Ziele zu erreichen. Und die erste Erklärung für ihr Handeln ist einfache: Weil sie es können. Aber wer oder was hat für sie so ideale Bedingungen geschaffen, wer oder was hat ihnen den Weg geebnet, wer oder was hat die Gegenwehr so geschwächt, wer oder was hat ihnen, willentlich oder nicht, Material, Phantasie, Energie übertragen, wer oder was folgt so bereitwillig ihrer Agenda, wer oder was verwandelt sich da so blitzrasch von einem bürgerlichen in ein faschistisches Subjekt? In diesem Beitrag geht es eben darum, die Bedingungen der Faschisierung zu verstehen, ohne damit irgend eine Relativierung von Verantwortung vorzunehmen. Im Kern dieses Versuches steckt ein Modell, das drei sehr unterschiedliche Ebenen des Lebens miteinander in Verbindung zu setzen versucht:
1) Die Struktur von politisch-ökonomischen Systemen, das heißt die von außen, von innen, von oben wie von unten gegebenen Parameter, die als Regel, Gesetz, Gewohnheit, Gebrauch, Verordnung etc. die Beziehungen untereinander im allgemeinen, die von „Regierung“ und „Gesellschaft“ im besonderen regelt. Man könnte es das System der geschaffenen Fakten nennen. Auch die Demokratie ist eine solche Struktur, die Instrumenten (das Parlament, das Verfassungsgericht, den Ausschuss, die Partei, die Wahl etc.) und Methoden (die Transparenz, die Gewaltenteilung, das checks and balances, der Wahlkampf etc.) eine Form gibt.
2) Die Kultur eines Systems, das heißt, die selbst erzeugten und verwalteten, zensurierten oder liberalisierten Weisen, die Grundlagen des Systems zu vermitteln, zu legitimieren, zu deuten, zu kritisieren, in den Diskurs und in die Dispositionen zu bringen, Sprachen, Erzählungen, Begriffe und Bilder zum Leben in einer solchen Struktur zu erzeugen. Und
3) die Biographien, das heißt die Erzeugung von Lebensplänen und realistische Anpassung derselben an die Gegebenheiten, subjektive Spielräume, „Meinungen“, Interessen und nicht zuletzt auch Zufälle. Und, damit nehmen wir eine Spur, die einst Klaus Theweleit mit seinem bahnbrechenden Werk „Männerphantasien“ verfolgte, wieder auf, eine ökonomisch, politische, intellektuelle, familiäre und nicht zuletzt sexuelle Biographie, die auf Übertragungen aus ist: So wie ökonomisches sich als politisch verkleiden mag, so verkleidet sich sexuelles als ideologisch.
Um die Entstehung des neuen Faschismus zu verstehen, geht es wohl darum, die drei Ebenen miteinander zu verbinden. Es ist etwas in der Struktur, es ist etwas in der Kultur und es ist etwas in den Biographien, was eine Faschisierung von Denken, Sprechen und Handeln begünstigt. In diesem Beitrag geht es darum, die verschiedenen Aspekte miteinander zu verbinden. Bevor man nützliche Antworten erhält, muss man die richtigen Fragen stellen.

Georg Seeßlen ist freier Publizist, Feuilletonist, sowie Film- und Kulturkritiker. Zudem hat er als Dozent an verschiedenen Hochschulen im In- und Ausland gearbeitet. In Artikeln und Hörfunk-Features für verschiedene Zeitungen und Medienanstalten setzt er sich mit aktuellen politischen Ereignissen, Prozessen und gesellschaftlichen Entwicklungen auseinander. Gemeinsam mit Markus Metz hat er verschiedene Bücher zu medien- und technologiepolitischen Themen, kapitalistischer Ökonomie und Rechtspopulismus veröffentlicht.

Seeßlen, G.; Metz, M. (2018): Rechtsruck – Skizzen zu einer Theorie des politischen Kulturwandels. Berlin: Bertz-Fischer.

Seeßlen, G.; Metz, M. (2017): Freiheit und Kontrolle – Die Geschichte des nicht zu Ende befreiten Sklaven. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.

Die Universität der Informationsgesellschaft