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Forschung

Sprechdidaktik: Dialogforschung – Dialogschulung: Von der Reflexion zur Praxis

Dieser Forschungsschwerpunkt ist aus der Erfahrung und Beobachtung der defizitären dialogischen Sprechhandlungskompetenz von Französisch- und Spanischlernern des fortgeschrittenen Fremdsprachenunterrichts entstanden. Die von der Fachdidaktik angebotenen Dialogkonzepte beschränken sich im Wesentlichen auf einfache Alltagsdialoge nach dem Frage-Antwort-Schema und halten somit kaum Redesituationen bereit, bei denen komplexere kommunikative Spracheinheiten bzw. 'Formate' wichtig werden. Ziel ist es deshalb, eine lernerfreundliche Dialogschulung zu entwickeln, die Französisch- und Spanischlerner zu einer möglichst alltagspraktischen Dialogkompetenz, ja sogar zu einer Authentifizierung und Verlebendigung ihrer Dialoge befähigt, um interkulturelle Handlungssituationen angemessen bewältigen zu können. Da anzunehmen ist, dass Lerner kommunikative Kompetenzen nur in dem Maße ausbilden, in dem sie auch über die erforderlichen sprachlichen Mittel verfügen, arbeite ich im Sinne der Wortschatz- bzw. Phraseodidaktik kommunikative Grundmuster bzw. Äußerungsformate heraus, die von der Sprachwissenschaft und Fremdsprachendidaktik wenig berücksichtigt worden sind, aber in alltags- und umgangssprachlicher Kommunikation häufig verwendet werden. In diesem Zusammenhang wurde von mir der Begriff der 'kommunikativen Formate' in die Diskussion eingeführt. Sie werden als relativ feste syntaktisch-prosodische Muster definiert, welche die Realisierung spezifisch kommunikativer Basisoperationen ermöglichen, denen immer ein bestimmter kommunikativer Zweck zugeordnet werden kann. Obwohl sie ähnlich wie die von der Phraseologie- und Kollokationsforschung behandelten 'klassischen' festen Ausdruckseinheiten eine recht hohe Standardisierung aufweisen, unterscheiden sie sich von diesen darin, dass der Sprecher mit Formaten nicht nur bestimmte kommunikative Basisoperationen wie Beschreiben, Argumentieren, Kommentieren usw. realisiert, sondern pragmatisch gesehen auch eine bestimmte kommunikative Intention verfolgt – etwa: Vergleichen, Hierarchisieren, Bewerten, Sich-Absichern usw. Dass und wie diese kommunikativen Intentionen durch bestimmte sprachliche Muster realisiert werden und wie die Formate sinnvoll in die Dialogschulung des fortgeschrittenen Französischunterrichts integriert werden können, wurde in verschiedenen Publikationen gezeigt.

Lesedidaktik: Lese- und Textverstehen – Lesemethoden

Bei diesem Forschungsschwerpunkt richtet sich mein Hauptaugenmerk auf die Nutzbarmachung  textlinguistischer und argumentationstheoretischer Einsichten für die Lesedidaktik. Eine von mir durchgeführte Pilotstudie zu Leseverstehenskompetenzen von gymnasialen Französischlernern des 4. Lernjahres hat gezeigt, dass die Mehrheit der Lerner nicht in der Lage ist, zunehmend komplexere authentische Texte des B1-Niveau (GeR) zu verstehen. Zwar empfehlen lesedidaktische Phasenmodelle und Lesestrategien, dass man sich in der Phase vor dem Lesen einen Überblick über Aufbau und Struktur des Textes verschaffen sollte, doch bleiben sie die Antwort auf die Frage schuldig, an welchen Textmerkmalen sich der Leser orientieren soll. Dass Textmerkmale für die Förderung des Leseverstehens berücksichtigt werden sollten, ist in der neueren Lesedidaktik inzwischen weitgehend Konsens. Deshalb besteht das Ziel dieses Forschungsschwerpunktes darin, 'Textdechiffrierungsmethoden' zu entwickeln, welche die Erfassung des Texttyps und seiner typischen Merkmale ermöglichen, damit sich der Leser vor dem intensiven Lesen einen ersten Zugang zum Text verschaffen kann. Dazu wird das ganze Ensemble von Textmerkmalen (Layout-Merkmale, Textaufbau, Binnenstruktur), relevant, die durch eine Reihe von sprachlichen Mitteln (Konzeptualisierungen, temporale/lokale Angaben, Konnektoren, Erzähltempora) angezeigt werden. Deshalb arbeite ich in einem ersten Schritt die für bestimmte Texttypen konstitutiven sprachlichen Mittel heraus, um sie in einem zweiten Schritt lesedidaktisch aufzubereiten. Die Orientierung an Textmerkmalen ermöglicht, Struktur und Aufbau eines Textes zu entschlüsseln, um sich einen Zugang zum Text zu verschaffen. Bei der eigentlichen Lektüre des Textes kann sich der Leser dann von der Textstruktur leiten lassen. Inzwischen sind für die Textsorten 'argumentativer Text' und 'Bericht' sprachübergreifende Textdechiffrierungs- bzw. Filtermethoden (Englisch-Französisch-Spanisch) entwickelt worden.

Kompetenzforschung und -diagnostik: Sprachkompetenzen von Französisch- und Spanischlernern und -lehrern

(zs. mit Prof. Dr. Dirk Siepmann (Universität Osnabrück))

Die Einführung des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GeR) sowie die von der KMK beschlossenen verbindlichen Bildungsstandards eröffnen ein neues Forschungsfeld: die ergebnisorientierte Evaluation von (fremdsprachlichen) Kompetenzen. Dabei fällt auf, dass die bisher vorliegenden Schulleistungsstudien (DESI, PISA, TIMSS, VERA 8) Französisch und Spanisch als zahlenmäßig wichtigste zweite Schulfremdsprache unberücksichtigt lassen bzw. nicht nach strengen testtheoretischen Kriterien testen (VERA 8, Vergleichsarbeiten). Das Institut für Qualitätssicherung im Bildungswesen (IQB) hat zwar einschlägige Studien zu fremdsprachlichen Kompetenzen von Französischlernern vorgelegt, jedoch beziehen sie sich aif Französisch als erstgelernte Fremdsprache. Ziel ist es deshalb, anhand einer großen Stichprobe von Französisch- und Spanisch­lernern, -lehrern und -studierenden repräsentative Leistungs­daten zu erfassen, um auf dieser Grundlage zuverlässige Aussagen über deren Sprach­kompetenzen machen zu können. Erste Pilotstudien zu Wortschatz-, Hör- und Leseverstehenskompetenzen von gymnasialen Französischlernern, -studierenden und -lehrern zeigen ein insgesamt erüchterndes Bild: Der durchschnittliche Schüler am Ende der Klasse 10 verfügt über ca. 700 opake Wörter, aber fast die Hälfte aller Schüler beherrscht rezeptiv weniger Wörter. Damit ist nur ein Drittel des anzustrebenden Grundwortschatzniveaus erreicht. Ebenso ernüchternd sind die Ergebnisse zur Hörverstehenskompetenz: Nur wenige Lerner sind am Ende der Klasse 10 in der Lage, authentische Hördokumente mit gemäßigter Sprechgeschwindigkeit zu verstehen. Für die Gruppe der Französischstudierenden und -lehrer ergab sich, dass deren rezeptive Wortschatzkenntnisse zu gering sind, um französische Zeitungs- und Romantexte ohne umfangreiche Konsultation von Wörterbüchern zu erschließen und dass ihre Hörverstehenskompetenz mehrheitlich zu gering ausgeprägt ist, um ein breites Spektrum an französischsprachigen Tonaufnahmen und Radiosendungen im Detail verstehen zu können. Interessant ist dabei u.a., dass die von uns getesteten Lehrer über eine deutlich höhere Wortschatz- und Hörverstehenskompetenz verfügen als die Gruppe der Studierenden. Hinsichtlich der Leseverstehenskompetenzen am Ende von Jahrgang 9 konnte gezeigt werden, dass nur ca. ein Drittel der Lerner in der Lage ist, zunehmend komplexe authentische Texte zufriedenstellend zu verstehen.

Angesichts der ernüchternden Ergebnisse der Pilotstudien bedarf es dringend einer umfangreicheren Erforschung der Sprachkompetenzen. Das Forschungsprojekt untersucht deshalb  die rezeptive und produktive Wortschatzkompetenz, die Hör- und Leseverstehenskompetenz sowie die Sprechkompetenz. Insgesamt sind die Ziele der Studie auf drei verschiedenen Ebenen anzusiedeln:

Auf der empirischen Ebene soll folgenden Forschungsfragen nachgegangen werden: (i) Über welches Kompetenzniveau verfügen Französisch- und Spanischlerner, -lehrer, und -studierende in den untersuchten Teilfertigkeiten? (ii) Wie gestaltet sich der Zusammenhang zwischen sprachlichen Teilfertigkeiten? (iii) Wie entwickeln sich die Sprachkompetenzen von Französisch- und Spanischlehrern im Laufe der Dienstzeit?

Auf bildungspolitischer Ebene zielt das Projekt auf eine Überprüfung des Realitätsgehalts der Bildungsstandards sowie der schulischen und universitären Curricula ab und gibt ggf. Impulse für deren Weiterentwicklung. Zudem soll eine Grundlage für die Entwicklung von fremdsprachlichen Kompetenzmodellen bereitgestellt werden, die Teilkompetenzen und Niveaus deutlicher und empirisch gesicherter beschreiben und abbilden, als dies bisher der Fall war.

Auf disziplinpolitischer Ebene strebt das Projekt an, Stärken und Schwächen des Lernens und Lehrens des Französischen und Spanischen auf schulischer und universitärer Ebene aufzudecken, zu einer Diskussion der Probleme des Französisch- und Spanischunterrichts und ggf. zur Revision von Unterrichtsmaterialien und -gestaltung anzuregen. Vor allem aber ist zu erwarten, dass die Teilstudien zu einer grundlegenden Reflexion der strukturell problematischen Lehrerbildung anregen und die berufsvorbereitende Ausbildung verbessern wird.

Korpusinduzierte Forschung zum Gegenwartsfranzösischen: Lernerlexikographie und -grammatik

(zs. mit Prof. Dr. Dirk Siepmann (Universität Osnabrück))

Die Notwendigkeit des im Folgenden skizzierten Projekts ergibt sich bereits aus dem einfachen Umstand, dass ein repräsentatives, verschiedene Genres umfassendes Korpus bisher für die Sprache Französisch nicht existiert und somit kein korpusinduzierter (corpus-driven) variationistischer Zugriff auf das moderne Französisch möglich ist, während für andere Sprachen bzw. nationale Varietäten derselben Referenzkorpora und entsprechende Beschreibungen bereits seit geraumer Zeit vorliegen (z.B. das British National Corpus oder das Corpus of Contemporary American English und die Longman Grammar of Spoken and Written English [Biber et al. 1999]). Das von uns erstellte Referenzkorpus des Französischen Frankreichs (Corpus de référence du français contemporain) ist von unabdingbarer Relevanz für mehrere Benutzerkreise:

 

  • in erster Linie natürlich für Linguisten, die die französische Gegenwartssprache in ihren verschiedenen Ausprägungen erforschen wollen;
  • für Fremdsprachendidaktiker, die das Korpus zur Neuentwicklung von korpusbasierten Grammatiken, Lernwortschätzen und Lehrbüchern verwenden können;
  • für Französischlehrer, die das Korpus für die Unterrichtsplanung und als Korrekturhilfe einsetzen können;
  • für Übersetzer und technische Redakteure, die gezielte Anfragen zu Formulierungsproblemen stellen können;
  • für Studierende, die für sprachliche Regelmäßigkeiten sensibilisiert werden sollen. 

Auf der Grundlage des CRFC werden zur Zeit neue korpusinduzierte Lernwortschätze zu frequenten  Phrasemen und Kollokationen sowie neue Lernergrammatiken entwickelt.

Die Universität der Informationsgesellschaft