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Fakultät für Kulturwissenschaften

Musiklandschaften zwischen Pader und Rhein

Unter dem Titel "Musiklandschaften zwischen Pader und Rhein: Pluralisierung und Verflechtung entlang des Hellwegs in der Frühen Neuzeit" haben Prof. Dr. Sabine Meine (Hochschule für Musik und Tanz Köln), Dr. Arnold Otto (Erzbistumsarchiv Paderborn) und Prof. Dr. Johannes Süßmann (Universität Paderborn) eine interdisziplinäre Tagung zu musikalischen Transferprozessen in und nach Westfalen in der Frühen Neuzeit veranstaltet (15. bis 17. Juli 2019). Neben den wissenschaftlichen Beiträgen und Diskussionen fand ein öffentliches Abendkonzert statt, das die thematisierte Musik in Paderborn erklingen ließ. Es spielte das Johann Rosenmüller Ensemble unter der Leitung von Arno Paduch. Das Konzert strahlt WDR3 am 17. September aus und ist danach 30 Tage online nachzuhören.

Nachfragen können an Markus Lauert gerichtet werden (Markus.Lauert(at)upb(dot)de). Weitere Informationen entnehmen Sie dem Tagungsbericht sowie dem Tagungsprogramm und dem Konzertprogramm.

 

Musiklandschaften im Hellwegraum
Die politische Vielfalt entlang des Hellwegs, des „lichten, breiten“ Wegs aus vorrömisch-germanischer Zeit vom Rhein bei Alt-Homberg im Westen bis zum Paderborner Land und Corvey im Osten, ließ in der Frühen Neuzeit auf engem Raum eine Fülle von unterschiedlichen musikalischen Zentren entstehen. Nicht nur für die Kirchenmusik entwickelte sich je nach den konfessionellen Weichenstellungen eine unterschiedliche Nachfrage: im rekatholisierten Paderborn mit seiner Kathedrale und den Orden anders als in den lutherischen Territorien Minden, Ravensberg und Essen, dort wieder anders als in der reformierten Grafschaft Lippe. Auch die weltliche Musik unterlag ganz verschiedenartigen Bedürfnissen, je nachdem ob sie von einem kirchenfürstlichen Hof finanziert wurde wie in Schloß Neuhaus, von einem gräflichen wie in Brake/Detmold, in Dortmund oder in Schloss Styrum im heutigen Mülheim an der Ruhr, oder von Städten, die stets auf ihre Eigenständigkeit bedacht waren, wie Soest, Herford oder Lemgo. Ob die Unterschiedlichkeit der politischen und konfessionellen Voraussetzungen auch zur Ausprägung verschiedener Musikkulturen führte, ist die Frage, die auf der Tagung diskutiert werden soll. Einerseits möchte man vermuten, dass es ähnlich wie beim Bauen und in der Bildkultur auch zu einer musikalischen Pluralisierung kam – schon aus dem Bestreben, sich von der Konfession und politischen Verfasstheit des Nachbarn abzusetzen, Verbindungen zu weiter entfernten, aber wahlverwandten politischen und konfessionellen Bündnispartnern herzustellen und sich auch musikalisch der eigenen Besonderheit zu versichern. Andererseits verknüpfte der Hellweg die genannten Orte mit dem musikalischen Geschehen nicht nur entlang des Rheins und in den Niederlanden, sondern in ganz Europa. Offensichtlich gab es einen kontinuierlichen Strom von wandernden Musikern und Musikliebhabern und mit ihm einen beständigen Transfer von musikalischen Innovationen. Mög-licherweise waren die Unterschiede daher weniger groß, als wir anzunehmen ge-neigt sind.

Das Musikleben entlang des Hellwegs als einer zentralen Verbindungsachse der Frühen Neuzeit zu erforschen, eröffnet Einblicke in die Pluralisierung und Verflechtungen der Kulturgeschichte des heutigen Westfalens und weist auf die zentrale Rolle der Musik in Prozessen der politischen Kommunikation, der konfessio-nellen Entwicklungen und Abgrenzungen, der Identitätsbildung und Repräsentati-on von Kollektiven und Individuen. Musikalische Spuren führen gleichermaßen in Innenräume von Kirchen, Klöstern, Orden und das private Haus wie zu Außenräume der Städte, zu ihren Märkten und Gassen, die durch Prozessionen oder Klänge von Stadtpfeifern u.a. akustisch belebt wurden.

Die in den letzten Jahren in der Musikwissenschaft wie in den Geschichts- und Kulturwissenschaften gewachsene Bewusstsein um die Relevanz der Erforschung des kulturellen Handelns im historischen Kontext erfordert eine interdisziplinäre An-näherung an das Musikleben der Frühen Neuzeit.

Für die Diskussion von Musiklandschaften zwischen Pader und Rhein sind somit Musik- wie Kulturwissenschaftler:innen eingeladen, jüngere kulturwissenschaftli-che Diskussionen um den Begriff des Raums, des Hauses, der Gattung, des Zeremoniells, des Alltags, des Ereignisses und des Fests, des Berufs-und des Privatle-bens von Gruppen und Einzelnen, Musiker:innen, Komponist:innen, Musikorganisatoren und –förderer:innen, Männern wie Frauen, fruchtbar zu machen für eine Thematik, die über die regionale Fokussierung nach exemplarischen Erkenntnissen über Musik in der Kultur der Frühen Neuzeit sucht.

Zu einzelnen Orten dieser komplexen Musik- und Kulturlandschaft hat es in den letzten Jahren Forschungen gegeben, eine Zusammenschau steht bislang aus. Die interdisziplinäre Tagung nimmt die Jahrestage von drei Paderborner Fürstbischö-fen der Frühen Neuzeit (450. Todestag Remberts von Kerssenbrock, 400. Todestag Dietrichs von Fürstenberg, 300. Todestag von Franz Arnold von Wolff-Metternich zur Gracht) zum Anlass, um das vorhandene Wissen über die westfälischen Musikkulturen vergleichend aufeinander zu beziehen und auf diese Weise neue Perspek-tiven zu erarbeiten. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf den Wechselwirkungen und Verflechtungen der unterschiedlichen Musikkulturen liegen: Wie reagierte man auf musikalische Innovationen bei den Nachbarn? Inwiefern beeinflussten konfessionelle Entwicklungen die Ausbildung, Etablierung und Mobilität von Musiker:innen? Wie gestaltete sich der Transfer von musikalischen Errungenschaften beispielsweise durch Musiker, die zwischen den verschiedenen Orten wechselten? Wie verlief der Austausch mit außerwestfälischen Zentren?

Tagungsprogramm

Konzertprogramm

Kontakt

Markus Lauert

Fakultät für Kulturwissenschaften > Historisches Institut > Frühe Neuzeit

Markus Lauert
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+49 5251 60-5526
Büro:
N4.140

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