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Künstlerische Intervention beim Silo-Gebäude. David Kaller

Internationaler Workshop – Wiederaufnahme der Avantgarden: Fokus Stadt (15.-16. Juli 2021)

Der internationale Workshop Wiederaufnahme der Avantgarden: Fokus Stadt thematisiert Stadtbilder und Stadtentwürfe in künstlerischen Experimenten und Auseinandersetzungen mit den neuen technischen Medien der historischen Avantgarden in den 1920er und frühen 1930er Jahren. Deren Einflüsse und Wirkungen auf internationaler Ebene sollen rekapituliert und aus heutiger Perspektive neu befragt werden. Der Workshop nimmt zugleich in Vorträgen und Künstlergesprächen zeitgenössische Projekte von Künstler*innen, Fotograf*innen und Filmemacher*innen in den Blick, für die der städtische Raum der Moderne ebenso wie die künstlerischen Experimente und Verfahren der Avantgarden, gleichsam historisch geworden, zum Gegenstand zeitgenössischer Rekonstruktion, ästhetischer Neubefragung und (kritischer) Wiederaufnahme werden.

Informationen zur Veranstaltung (deutsch)

Vom 15. bis 16. Juli 2021 findet der Workshop online in Form von Zoom-Konferenzen statt. Bei Teilnahmeinteresse ist eine Anmeldeanfrage an folgende E-Mail zu schreiben:

yana.lebedeva@upb.de

 

Im Verbund mit Industrialisierung und Mobilisierung stellte die Urbanisierung eine der größten Herausforderung für das Leben und die Künste in der Moderne dar. Die moderne Stadt wurde radikalen Umbrüchen unterworfen und nahm den Charakter eines permanenten Wandels an, der mit der Entwicklung der technischen Medien, insbesondere des Kinos als Medium des Lichts und der Bewegung, einherging. Im Stadtbild kulminierte der von den Avantgarden skandalisierte Umbruch moderner Wahrnehmungserfahrung, mit dem die vertrauten Koordinaten von Raum und Zeit („Zeit und Raum sind gestern gestorben“; Wolfgang Fähnders) und die Konventionen mimetischer Darstellung fragwürdig wurden ( „Die Lage wird dadurch so kompliziert, daß weniger denn je eine einfache 'Wiedergabe der Realität' etwas über die Realität aussagt. ... Die eigentliche Realität ist in die Funktionale gerutscht"; Bertolt Brecht). Die technischen Medien boten zugleich das Potential, neue künstlerische Verfahren, Formen der Darstellung und Vorstellung zu erproben und diese mit der Entwicklung und Schulung neuer Formen der Wahrnehmung zu verbinden, die auf neue Lebensformen und eine zukünftige Gesellschaft gerichtet waren. In einer Zeit extremer gesellschaftlicher, technischer und politischer Umbrüche war das Bild der Stadt Projektionsfläche disparater künstlerischer und politischer avantgardistischer Bewegungen und Zielsetzungen, die, bei aller Divergenz, in (teils) radikaler Weise nach der Verbindung von Kunst und Leben, nach Innovation und permanenter Erneuerung strebten.

Der internationale Workshop Wiederaufnahme der Avantgarden: Fokus Stadt thematisiert Projekte solcher Fotograf*innen, Filmemacher*innen und Künstler*innen, die sich dieser historischen Herausforderung gestellt und in ihren medialen und ästhetischen Experimenten in einzigartiger Weise Stadtbilder dokumentiert, bearbeitet und entworfen haben. Dabei sollen insbesondere Stadtbilder und Stadtentwürfe in künstlerischen Experimenten und Auseinandersetzungen mit den technischen Medien der historischen Avantgarden in den 1920er und frühen 1930er Jahren des 20. Jahrhunderts in den Blick genommen, ihre künstlerischen Einflüsse und Wirkungen auf internationaler Ebene rekapituliert und aus heutiger Perspektive neu befragt werden.

Der Workshop nimmt zugleich zeitgenössische Projekte in den Blick, für die der städtische Raum der Moderne ebenso wie die künstlerischen Experimente und Verfahren der Avantgarden gleichsam historisch geworden, zum Gegenstand zeitgenössischer Rekonstruktion, ästhetischer Neubefragung und (kritischer) Wiederaufnahme werden.

Anlässlich des 100jährigen Jubiläums des Bauhauses 2020 wollen wir die Wiederaufnahme der Avantgarden in zeitgenössischen Rekonstruktionen am Beispiel von Filmen und künstlerischen Projekten vorstellen und diskutieren, bei denen insbesondere intermediale Experimente mit Fotografie, Typographie und Film sowie die Licht- und Farbexperimente am Bauhaus Weimar und Dessau im Fokus stehen. Dabei wird die Wiederaufnahme historischer künstlerischer Vorlagen, Verfahren und Konzeptionen, Medien und Technologien als Vergegenwärtigung, Aktualisierung und Interpretation mit neuen Mitteln, in einem erweiterten oder veränderten Kontext zwischen Neuem und Vergangenem zu betrachten sein.

Die Wiederaufnahme und Aktualisierung der Avantgarden ist auch im Zusammenhang mit der spätestens seit der Jahrhundertwende einsetzenden Neubefragung der Moderne in der Gegenwartskunst zu sehen. In diesem Kontext haben sich, neben Formen der inszenierten und reinszenierten Fotografie, der Reinszenierung und des Reenactments, Verfahren  der Reprise, der Wiederholung und der Appropriation in der zeitgenössischen Kunst etabliert, die auf Formen, Verfahren, performative Ereignisse und Werke der Avantgarden und Neo-Avantgarden rekurrieren. Diese Verfahren werden als Formen der Wiederaufnahme der Avantgarden in zeitgenössischen Kunstformen ebenfalls zu befragen sein.

Neben der Ausstellung und Sammlung im engeren Kontext der bildenden Kunst spielt hierbei das mediale Archiv eine wichtige Rolle, das im Kontext der digitalen Kommunikation selbst schon historisch geworden ist. Die fotografierte Stadt, die filmische Stadt ist zum Teil der kollektiven Erinnerung geworden, fotografische und filmische Archive werden durch digitale Archive und Distributionsformen abgelöst. Es wird zu fragen sein, inwieweit und wie innerhalb der vielgestaltigen und vielschichtigen Verhandlung des Vergangenen in der Gegenwartskunst die Vergegenwärtigung historischer Vorbilder und Verfahren auch mit der Verhandlung hypothetischer Zukunftsszenarien und möglicher Realitäten verbunden wird und ob diese, bezogen auf den Wandel der Städte im Kontext der Globalisierung und Digitalisierung – an Nicht-Orten ebenso wie in den neuen Megacities und den digitalen Landkarten des zeitgenössischen Lebens in urbanen und medialen Räumen – eine Reaktualisierung erfährt.

Wenn wir nach der Wiederaufnahme der Avantgarden fragen, fragen wir nach der Bedeutung, die die Avantgarden (nach ihrem Ende) heute noch oder wieder haben und danach, welche Aspekte und Leitlinien der avantgardistischen Bewegung (u.a. auch bezogen auf Begriffe des Fortschritts und der Utopie) in heutigen Kontexten noch oder wieder relevant sind und ob und wie sie in künstlerischen Kontexten neu formuliert und weiterentwickelt werden.
Die zeitspezifische Wahrnehmungserfahrung der Moderne lässt sich heute historisch rekonstruieren, nicht aber auf die Gegenwart übertragen. Es wird vielmehr darum gehen zu analysieren, wie das Stadtbild der Moderne durch die Avantgarden geprägt und wie die Stadt als Lebens- und Wahrnehmungsraum im Verbund mit medialen Umgebungen, Wahrnehmungs- und Kommunikationsformen in ausgewählten Beispielen zeitgenössischer Wiederaufnahmen der Avantgarden (neu) dargestellt, thematisiert und/oder reflektiert wird. Und wir werden untersuchen, welche der von den Avantgarden entwickelten Darstellungsformen und Verfahren heute noch aktuell sind und/oder in modifizierter Form wieder aufgenommen und weitergeführt werden.

 

Veranstaltet von:

Prof. Dr. Inga Lemke
Yana Lebedeva
Michel Diester
Raphael Pixa

Informations about the event (english)

This workshop will take place from 15th to 16th of July 2021 digital-only via zoom-conferences.
If you are interested to take part then please send an email to:

yana.lebedeva@upb.de

 

Urbanization, connected with both industrialization and mobilization, created one of the greatest and challenges for social life and the arts in modernity. The modern city was subject to radical changes characterized by permanent developments interwoven with the formations of technical media, especially the cinema, the media of light and movement. The revolutionary change of perception – scandalized by the Avant-Garde – culminated in the image of the city. Together with established coordinates of time and space (“Time and space died yesterday”; Filippo Tommaso Marinetti) conventions of mimetic representation became questionable. (“The situation becomes so complicated, because the `representation of reality` states less and less about reality. … The proper reality is slipped into the functional”; Bertolt Brecht). At the same time technical media offered potentials for testing new artistic methods and techniques, innovative modes of representation and imagination, which were combined with the development and training of new forms of perception focusing on new forms of living and a future society. In a time of extreme social, technical and political turns the image of the city became the screen for disperse artistic and political avant-garde movements and projections striving for – despite all disparities – the fusion of art and life, innovation and permanent renewal in (partly) radical forms.

The international workshop Resuming the Avant-Garde: Focus City thematizes projects of such photographers, film makers and artists, which met these historical challenges documenting, contriving and designing images of the city in unique ways. Especially those images and projects of the city in artistic experiments and confrontations based on the new technical media of the historical Avant-Garde of the 20s and early 30s of the 20th century shall be questioned. These developments, their artistic influences and effects will be reconsidered from a contemporary perspective.

Together with these topics the workshop examines contemporary projects dealing with the space of  the city in modernity and resuming artistic experiments and methods of the historical avant-garde to create contemporary reconstructions, aesthetic reinvention and (critical) renewal.

On the occasion of the centenary of the Bauhaus in 2020 we want to present and discuss the resumption of the avant-garde in contemporary reconstructions exemplified by films and artistic projects, which are characterized by experiments with intermedia in photography, typography and film as well as experiments with light and colour in the tradition of the Bauhaus in Weimar and Dessau. We shall analyse retrospective visualizations, adaptations and interpretations of these historical artistic approaches, concepts, media and technologies in a wider and changed context between past and present.

The reconsideration and rereading of the avant-garde can be connected to the requestioning of modernity in contemporary art since the last turn of the century. Besides staged and restaged photography, re-enactments, forms of reprise, repetition and appropriation have been established in contemporary art referring to forms and procedures, performative events and artworks of the avant-garde and the neo-avant-garde. Those also will be questioned as forms of the resumption of the avant-garde in contemporary art forms.

Besides exhibiting and collecting art in a closer sense media archives, which have become themselves historical in the context of digital communication, play an important role. The photographed and the filmed city has become part of the collective memory, archives of photography and film are replaced by digital archives and distribution. In which modes and how the divers and manifold negotiations of the past in present art are interwoven with the representation of historical models will be questioned and connected with discussions about hypothetical future scenarios and possible maps of contemporary live in urban and media spaces.

Inquiring about the resumption of the avant-garde, we question the relevance the avant-garde (after the end of the avant-garde) may have (again) for today, which aspects and guidelines of  the avant-garde movements (e.g. notions of progress and utopia) are still or again relevant in today’s contexts, and if and how these movements are reformulated and developed in the sphere of art.

The modes of perception, specific for modernity, can be reconstructed historically, but are not to be transferred into the present time. Rather it has to be analysed, how images of the modern city were shaped by the avant-garde and how the city as a space for living and perception is represented,  thematized and reflected (in new ways) in connection with medial surroundings, forms of perception and communication by selected examples of contemporary resumptions of the avant-garde. And we shall investigate, which forms of representation and methods developed by the avant-garde movements are still topical or are resumed and continued in modified forms.

 

Organized by:

Prof. Dr. Inga Lemke
Yana Lebedeva
Michel Diester
Raphael Pixa

The University for the Information Society