Hi­s­to­Ve­aR: His­to­ri­sche Klei­dung vir­tu­ell er­le­ben

Trans­dis­zi­pli­näres For­schungs­pro­jekt zur di­gi­ta­len Re­kon­struk­ti­on und vir­tu­el­len Ani­ma­ti­on von his­to­ri­scher Klei­dung.

Vestimentäre Artefakte sind lichtempfindlich und fragil, dementsprechend werden sie unter spezifischen Bedingungen in Museumsdepots aufbewahrt. Für die Öffentlichkeit sind sie lediglich temporär durch Sonderausstellungen zugänglich. In statischer Präsentation und hinter Vitrinen geschützt, können sie dort von den Besuchenden betrachtet werden. Ein Großteil der für Bekleidung essenziellen Eigenschaften, wie die sensorische Wahrnehmung der verarbeiteten Textilien sowie das Zusammenspiel von lebendigem Körper und bewegter Kleidung, sind somit nicht erfahrbar.

Das transdisziplinäre Forschungsprojekt HistoVeaR setzt bei dieser Erfahrungslücke an, mit dem Ziel, die historischen Kleidungsstücke inklusive ihrer schnitttechnischen und materiellen Eigenschaften digital zu rekonstruieren und in Virtual Reality zu animieren. So können Museumsbesuchende diese virtuell anprobieren und in „Echtzeit“ erleben. Die Forschungsergebnisse des Projekts sind nicht nur für Museen, sondern auch für Filmschaffende und die Entwicklung von Videospielen relevant.

Aufbauend auf der bisherigen Forschung der Professur für Kulturwissenschaft der Mode und des Textilen der Universität Paderborn entstand die Idee für das Projekt HistoVeaR. Gefördert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und das Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen von NEXT.IN.NRW bringt das Vorhaben Projektpartner*innen mit unterschiedlichen fachlichen Perspektiven zusammen. Die materielle Forschungsgrundlage bilden Textilien und Kleidung aus dem 18. bis 20. Jahrhundert. Diese sind Teil der Studiensammlung der Universität Paderborn oder der Sammlungen assoziierter Museumspartner, wie beispielsweise des LVR-Industriemuseums. 

Für die Untersuchung der ausgewählten Kleidungsobjekte sind die Kulturwissenschaftlerinnen Prof. Dr. Kerstin Kraft und Valentina Rödelberger von der Universität Paderborn zuständig. Dazu gehören unter anderem die schnitttechnische Rekonstruktion der Objekte, die Analyse von Vergleichsmaterialien und Recherchen zu Trageweisen im jeweiligen kulturhistorischen Kontext. Darüber hinaus fertigen sie entsprechende Unterkleider bzw. -konstruktionen an und führen begleitende Nutzer*innen Studien im musealen Kontext durch. 

Neben der Gesamtkoordination ist das Kölner Unternehmen World of VR für die Entwicklung kontaktloser Scan-Technologien verantwortlich. Damit können die historischen Kleidungsstücke sowie die Avatare erfasst und in XR-Anwendungen überführt werden. Ausgehend von den erhobenen Scandaten entwickelt die Computer Graphics Group der TH Köln ein echtzeitfähiges, KI-basiertes Simulationssystem, das die physikalischen Stoffeigenschaften sowie Kollisionen zwischen Avatar und Kleidung bzw. den textilen Schichten berücksichtigt. Dadurch wird eine realitätsnahe Darstellung der digitalen Kleidung erzielt.

Das Cologne Game Lab der TH Köln entwickelt Arbeitsprozesse, mit denen digitale Kleidungsstücke animiert, angepasst und in virtuelle Umgebungen integriert werden können. Ein besonderer Fokus liegt darauf, die Projektergebnisse in Echtzeit-Anwendungen – etwa in Gaming-Engines – nutzbar zu machen.

 

Im Überblick

Forschungsprojekt: HistoVeaR

Leitung: Prof. Dr. Kerstin Kraft

Universität Paderborn: Fakultät für Kulturwissenschaften, Fach Mode – Kleidung – Textil,

Professur für Kulturwissenschaften der Mode und des Textilen

Beteiligte: Valentina Rödelberger M.A.

Projektpartner: World of VR GmbH, TH Köln

Fördermittelgeber: Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes

Nordrhein-Westfalen (EFRE – NEXT.IN.NRW), kofinanziert von der Europäischen Union

Laufzeit: 36 Monate (01.06.2025 – 31.05.2028)

Webseite: http://histovear.de