4. Konferenz zum Dialog zwischen Fachwissenschaft und Fachdidaktik · Universität Paderborn · 6.–7. Mai 2026 (Prof. Sabine Schmitz (Universität Paderborn) & Prof. Corinna Koch (Universität Münster)
Vom 6. bis 7. Mai 2026 fand an der Universität Paderborn die 4. Konferenz zum Dialog zwischen Fachwissenschaft und Fachdidaktik statt, die sich der literarischen Mehrsprachigkeit im Französischen und Niederländischen widmete. Eröffnet wurde sie von Prof. Dr. Fahr, Vizepräsident der Universität Paderborn. Aufgrund der Unterstützung der Taalunie, von Wallonie-Bruxelles International, der Forschungskommission und der Universitätsgesellschaft war es möglich, die Tagung sehr international zu gestalten. Zwei Tage lang diskutierten Forschende aus Belgien, Deutschland, Kanada, Luxemburg und Frankreich über Mehrsprachigkeit in Literatur, Liedern, Comics und Filmen – stets mit Blick auf deren fachwissenschaftliche Analyse und didaktische Anwendung im Fremdsprachenunterricht Französisch und Niederländisch.
Ziel der Tagung war es, eine Forschungslücke zu schließen: Neben nationalen Kontexten wurden erstmals systematisch auf einer gemeinsamen Konferenz von Frankoromanisten und Niederlandisten transregionale und historische Kontaktzonen in Zentral- und Nordwesteuropa einbezogen – etwa die Euregio Maas-Rhein, Luxemburg sowie die Grenzregionen zwischen Frankreich, Belgien und den Niederlanden –, in denen Französisch und Niederländisch den Alltag seit jeher prägen und sich gegenseitig beeinflussen. Dieser besondere Fokus auf den Beneluxraum lässt sich in Deutschland derzeit nur an der Universität Paderborn setzen, da hier über Jahre eine ausgewiesene Beneluxexpertise aufgebaut wurde.
Im Zentrum der Beiträge standen Strukturen und Funktionen mehrsprachiger literarischer Textsorten – von Romanen über Comics, Lyrik und historische wie zeitgenössische Lieder bis hin zu Spielfilmen. Behandelt wurden u. a. postkoloniale Perspektiven auf den Niederländischunterricht in Deutschland, die paradoxe ‚Einsprachigkeit‘ des Literaturunterrichts im mehrsprachigen Luxemburg, arabisch-französische Mehrsprachigkeit im Jugendcomic sowie Sprachbiografien und Stereotypenbildung in aktuellen frankophonen Comics. Ein weiterer spannender Beitrag widmete sich mehrsprachigen Liedern im Französischunterricht; den ersten Konferenztag beschloss passend dazu ein öffentliches Konzert von Tine De Koninck und Mali Soleil mit niederländischen und französischen Liedern im Gewölbekeller der Universität.
Aus den Ergebnissen konnten in den Diskussionen gemeinsame Muster mehrsprachiger Texte abgeleitet und in konkrete Unterrichts- und Lebensweltstrategien überführt werden, damit Schule und Gesellschaft in Belgien, Frankreich, Luxemburg, den Niederlanden und Deutschland – insbesondere in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, wo Niederländisch als Schulfach angeboten wird – sprachlich vielfältiger und inklusiver werden. Die Tagung leistet damit auch einen Beitrag zur Demokratieerziehung in mehrsprachigen Gesellschaften. Eine Publikation der Beiträge beim Peter Lang Verlag wird derzeit vorbereitet.
Die international ausgerichtete Tagung ist für die internationale Wissenschaft und auch für den Transfer der Universität Paderborn in mehrfacher Hinsicht von großem Interesse: Sie besitzt hohe gesellschaftliche und politische Relevanz, da sie Sprachpolitik, Sprachgerechtigkeit, Migration und Plurilingualität adressiert und universitäre Forschung mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen verknüpft. Als erste gemeinsame interdisziplinäre Konferenz von Niederlandistik und Frankoromanistik arbeitet sie zugleich ein wichtiges Forschungsdefizit auf.