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Velazquez, The Surrender of Breda, ca. 1635 Show image information
Jacques-Louis David, Der Ballhausschwur, 1791 Show image information
Giovanni_Paolo Panini, Gallery of Views of Ancient Rome, 1758 Show image information
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Gerard Terborch, Westfälischer Friede in Münster, 1648 Show image information
Merian d. Ä., Matthäus: Paderborn, 1641 Show image information

Velazquez, The Surrender of Breda, ca. 1635

Photo: Public Domain

Jacques-Louis David, Der Ballhausschwur, 1791

Photo: Public Domain

Giovanni_Paolo Panini, Gallery of Views of Ancient Rome, 1758

Photo: Public Domain

Gerard Terborch, Westfälischer Friede in Münster, 1648

Photo: Public Domain

Merian d. Ä., Matthäus: Paderborn, 1641

Photo: http://www.zeno.org - Contumax GmbH & Co. KG

Forschungsprofil des Lehrbereichs

Die Frühe Neuzeit als Epoche

Der Zeitraum von etwa 1450 bis 1800 erscheint in vielem anders als unsere Gegenwart. Manches an ihm wirkt aber auch vertraut. Diese Zwiespältigkeit spiegelt sich in dem Begriff, mit dem wir diese Epoche bezeichnen: „Frühe Neuzeit“ drückt zum einen aus, dass diese Zeit uns etwas angeht, weil wir immer noch in der Neuzeit leben. Zum anderen weist die Einschränkung „früh“ darauf hin, dass diese Zeit sich erheblich von der Unsrigen unterschied.

Allerdings ist dieses Schillern zwischen Fremdheit und Vertrautheit keine Eigenschaft der Frühen Neuzeit selbst. Vielmehr ergibt es sich aus der Doppelbewegung, mit der wir Historikerinnen und Historiker an alle Epochen herangehen. Stets fragen wir, was uns betrifft, weil es weiterhin gegenwärtig ist, aber nur begriffen werden kann, indem wir es aus seiner eigenen Zeit erklären.

Die Quellenarbeit zur Frühen Neuzeit

Gegenwärtig aus der Frühen Neuzeit sind zunächst alle Überreste, die wir zu Quellen machen: Bücher, Bilder, Bauten, Karten, Flugblätter, Inschriften, Kleidung, Lieder – die Innovationen der Frühen Neuzeit haben sich in einer reichhaltigen Überlieferung niedergeschlagen. Von der Materialität dieser anfangs oft sperrig erscheinenden Quellen geht unsere Arbeit aus. Indem wir uns sinnlich damit auseinandersetzen, bringen wir Unmittelbarkeit und Fremdheit in eine produktive Spannung. So kann gerade das Befremden zum Antrieb der Forschung werden. Um möglichst dicht an die ursprünglichen Quellenzeugen heranzukommen, nutzen wir die vielfältigen Möglichkeiten der Digitalisierung. Regelmäßig erweist sich im Laufe der Forschungen dann, wie vermittelt unsere Wahrnehmung ist und wie verformt die Quellenzeugen sind. Das führt zur Überlieferungs- und Quellenkritik, auch und gerade von digital aufbereiteten Spuren der Frühen Neuzeit.

Wir haben ein Untersuchungsverfahren entwickelt, das aufschließt, welche Bedeutung in der materialen Gestalt der Quellen steckt und wie diese Bedeutung sich durch die Überlieferung verändert. Auf dieser Grundlage rekonstruieren wir die Sinn- und Wirkungszusammenhänge, in die unsere Quellen eingebettet waren. Abschließend klären wir stets die Frage, was die gewonnenen Befunde über die Frühe Neuzeit besagen und inwiefern diese Ergebnisse für uns von Belang sind. Das heißt, wir machen uns die Gegenwärtigkeit der frühneuzeitlichen Hervorbringungen auch auf der Bedeutungsebene klar.

Begriffsarbeit und Modellbildung

Neben der intensiven Quellenarbeit steht in der Paderborner Frühneuzeitgeschichte die Begriffsarbeit im Mittelpunkt: die kritische Auseinandersetzung mit neuen und alten Forschungsbegriffen, Erkenntnisinteressen, Fragestellungen und Theorien. Dabei gelten die gleichen Prinzipien der Autopsie und Historisierung wie bei der Quellenarbeit. Denn auch die aktuellen Begriffe und Debatten lassen sich in sinnliche Erfahrungen mit Texten verwandeln, um sie anschließend auf geschichtstheoretische und historiographische Problemgeschichten zu beziehen.

Themen und Forschungsfelder

Den Rahmen für die Paderborner Forschungen zur Frühen Neuzeit bildet die europäische Geschichte. Sie wird als Verflechtungsgeschichte in den Blick genommen: sowohl der europäischen Mächte untereinander, als auch in ihrem Wettlauf, außereuropäische Länder über Kontaktzonen wie dem Mittelmeer oder dem Atlantik in die eigenen Anliegen zu verwickeln. Ungeplant ergaben sich aus dieser Mächtekonkurrenz mehrere Fundamentalvorgänge, die unsere Geschichte bis heute bestimmen: die Staatsbildung; die Entstehung der bürgerlichen Gesellschaft; die Verwandlung von Religion in ein personales Bekenntnis und die Institutionalisierung von religiöser Pluralität; die Expansion der Bildung; die Rechtfertigung des Strebens nach persönlichem Glück; der Kapitalismus; die Globalisierung …

Vor diesem Hintergrund gelten unsere Forschungsinteressen der Gestaltung dieser Vorgänge in der politischen Kommunikation und der baulichen Formung des öffentlichen Raums; ihrer Reflexion im politischen Denken; ihrer Darstellung in der Geschichtsschreibung. Geschichtstheoretisch arbeiten wir an der Reflexion unserer Methode im Spannungsfeld von Sinnlichkeit und Digitalisierung sowie an einer Theorie des Ereignisses.

Laufende Projekte

Machtpolitische Strategien der Regentin Christine Charlotte von Ostfriesland (1665-1690)

Rieke Becker

Betreuer: Prof. Dr. Johannes Süßmann

Das Dissertationsprojekt befasst sich mit der vormundschaftlichen Regentschaft der Fürstin Christine Charlotte über Ostfriesland in den Jahren 1665 bis 1690. Diese war von mehr­schichtigen innerostfriesischen Konflikten geprägt, welche sich mit äußeren Konflikten und Interessen verwoben. Sie fiel in eine Zeit des äußerlichen Aufstiegs der Grafen- bzw. Fürstenfamilie. Christine Charlottes Ehemann war vom Grafen- in den erblichen Fürstenstand erhoben worden, sie selbst erlangte 1667 die Aufnahme mit Sitz und Stimme in den Reichsfürsten­rat. Dem gegenüber stand eine geringe tatsächliche Macht der Landesherrschaft, die im­mer wieder bedroht war und sich mit vergleichsweise sehr mächtigen Ständen, der Landschaft, auseinandersetzen musste. Beide Parteien suchten und fanden in Konfliktsituationen Unterstützung bei ausländi­schen Mächten, die je nach Eigeninteresse mitunter auch die Fronten wechseln konnten. Somit wurde Ostfriesland, ein Territorium an der Peripherie des Reiches, unter der Regentschaft Christine Charlottes zum Zentrum ei­nes transregionalen Verflechtungs- und Konfliktraumes, in dem verschiedene Interessen miteinander kon­kurrierten.

Das Dissertationsprojekt stellt Christine Charlotte in den Fokus und fragt, wie diese sich als Akteurin in dem skizzierten Verflechtungs- und Konfliktraum bewegte, mit welchen Strategien sie also versuchte, ihre Herrschaft zu legitimieren, Verbündete zu gewinnen, ihre Macht zu festigen und zu erweitern.

Medienereignisse in Matthäus Merians „Theatrum Europaeum“

Markus Lauert

Betreuer: Prof. Dr. Johannes Süßmann

Das "Theatrum Europaeum", das von Matthäus Merian d. Ä. ins Leben gerufen und von seinen Erben mehrere Generationen lang fortgeführt wurde, besitzt eine multimediale Bandbreite an Inszenierungsformen. Die verschiedenen Darstellungsmodi haben gemeinsam, dass sie Narrationen transportieren können, in denen Ereignisse wie Schlachten, Friedensschlüsse aber auch Naturphänomene und Wundergeschichten wichtige Katalysatoren und Wendepunkte der Handlung bilden. Diese Ereignisse sind in den Geschehnissen selbst jedoch nicht angelegt; sie werden erst durch narrative Prozesse zu Ereignissen gemacht. Das Promotionsvorhaben stellt sich der Frage, wie aus einer Vielzahl chaotischer, unstrukturierter Geschehnisse im "Theatrum Europaeum" eine Narration geformt wird, die entlang verschiedener Ereignisse erzählt wird. Damit versucht es eine wichtige Lücke in der Medienereignis-Forschung des 17. Jahrhunderts zu schließen.

Der Begriff der »Religion« in der Frühen Neuzeit

Prof. Dr. Johannes Süßmann

Wenn in deutschsprachigen Schriftquellen der Frühen Neuzeit das Wort „Religion“ auftaucht, hat die bisherige geschichtswissenschaftliche Forschung es meist im Sinne des modernen Begriffsverständnisses gelesen. Dadurch verstellt sie sich den Blick für mindestens drei grundlegende Wandlungen, die der Begriff im Verlauf der Frühen Neuzeit durchlief. In einer Folge von Lehrveranstaltungen wird Material für eine neue Begriffs- und Konzeptgeschichte von »Religion« im Hinblick auf zentrale Quellen der Frühneuzeithistorie gesammelt.
Schon jetzt zeigt die genaue Einzelanalyse, daß der Begriff auch in gleichzeitigen Texten bei gleicher Wortbedeutung, unter verschiedenen Vorzeichen gebraucht, ganz unterschiedliche Stoßrichtungen annehmen konnte.

Von der „BeNeLux-Union“ zu „Gallia Belgica“: Eine Begriffs- und Bildgeschichte der Herrschaftsnamen für eine bewegte Region

Prof. Dr. Johannes Süßmann

„Belgien“, „die Niederlande“, „Luxemburg“, „Flandern“ – sämtliche Namen von Staaten des BeNeLux-Raums sind doppelsinnig: Während sie heute Einzelherrschaften bezeichnen, meinten sie ursprünglich umfassendere Räume oder die gesamte Region. Das zeigt, die Staaten sind durch Heraustreten entstanden. Ihre Namen verweisen zurück auf eine Region, in die sie auch nach der Verselbständigung eingebunden bleiben. Rückwärts gehend von den Gründungsverträgen der BeNeLux-Union bis zum Burgundischen Vertrag, wird untersucht, wie die Herrschaftsnamen in politischen Verträgen umgedeutet wurden, um auf diese Weise indirekt das (wechselnde) Verständnis des BeNeLux-Raums als Region zu erschließen.

Frühneuzeitliche Bibliotheken des Hellweg-Raums: Digitalisierung – Kulturerbesicherung – Vergleich

Prof. Dr. Johannes Süßmann

Ausgehend von alten Bestandsverzeichnissen überwiegend aus dem 18. Jahrhundert, zielt das Vorhaben auf die digitale Rekonstruktion von fünfzehn ausgewählten frühneuzeitlichen Bibliotheken des Hellweg-Raums. Indem es die handschriftlichen Kataloge digital ediert, in Datenbanken verwandelt und mit Digitalisaten der erhaltenen Bücher verknüpft, gräbt es erstens ein verschüttetes Kulturerbe aus, macht es digital zugänglich und hebt es ins allgemeine Bewusstsein. Diese Erschließungsleistung für die Allgemeinheit bildet die Grundlage, um durch digitale Verfahren hermeneutische Forschungsfragen zu beantworten. So bezieht das Vorhaben zweitens methodisch Position innerhalb der Digital Humanities. Und zwar sollen drittens über die Bibliotheken deren historische Betreiber erschlossen werden: ihr politisch-konfessionelles Profil, ihre Interessen, ihr Bildungshorizont, Wissens- und Kenntnisstand. Da es sich um höchst unterschiedliche Träger handelte: weltliche und kirchliche, fürstliche, aristokratische und städtische, männliche und weibliche, katholische und evangelische, wird anschaulich, wie viele unterschiedliche politische Kulturen in der Region zusammenlebten. Viertens kann damit eine noch nie verwirklichte Forderung der Forschung eingelöst werden: nämlich verschiedene Bibliotheken gleichen Typs systematisch miteinander zu vergleichen. Dies soll sowohl im Hinblick auf die Bibliotheksprofile als auch auf die Beteiligung der Bibliotheksbetreiber am Kulturtransfer über den Hellweg geschehen.

Jesuitenuniversitäten als Medienzentren

Prof. Dr. Johannes Süßmann

An den Jesuitenuniversitäten der Frühen Neuzeit wurde nicht nur Studenten vermittelt, wie sie Medien für Liturgie und Predigt, Katechese und Seelsorge einsetzen konnten, das Alltagsleben der Kollegien umfaßte selbst permanenten, höchst komplexen Mediengebrauch. Die Jesuitenuniversität Paderbon, gegründet 1614 in einem konfessionell-problematischen Gebiet, dient als Fallbeispiel, um in einem Sammelband grundsätzlich über die unterschiedlichen Formen der Medialität und deren Wirkung im Kontext der Zeit nachzudenken. Darin wird die politische Kommunikation in der Stadt durch Präsenzmedien ebenso in den Blick genommen wie die Ausstrahlung auf das Paderborner Land und seine Nachbarn, die Fernkommunikation der Ordensniederlassungen untereinander und die Wirkung des Mediengebrauchs für die Reputation des Ordens nach außen.

Abgeschlossene Dissertationen

Ramon Voges

Glaube, Herrschaft und Gewalt. Die Französischen Religionskriege und der Aufstand der Niederlande in den Bildberichten Franz und Abraham Hogenbergs.

Carolin Pecho

Mit Marias Hilf'? Erzherzog Leopold von Österreich (1586–1632) zwischen Familienauftrag und Selbstpositionierung im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges. Abgeschlossen: 2016. Im Druck erschienen: Berlin 2017.

Tilman Moritz

Autobiographik als Ausdruck ritterschaftlicher Habitusbildung im Reich (1480-1560).

Abgeschlossen 2015.

Christine Boßmeyer

Erschienen unter: Boßmeyer, Christine: Visuelle Geschichte in den Zeichnungen und Holzschnitten zum Weißkunig Kaiser Maximilians I. Text- und Bildband. Ostfildern 2015.

Abgeschlossen 2014.

The University for the Information Society