Lehre und Exkursionen
Herzlich Willkommen auf der Unterseite “Lehre und Exkursionen” der Abteilung für die Geschichte Flanderns in europäischer und globaler Verflechtung. Hier finden Sie alle Berichte und Informationen über die von der Juniorprofessur für die Geschichte Flanderns in europäischer und globaler Verflechtung organisierte Lehre sowie die durchgeführten Exkursionen.
Aktuelle Lehrveranstaltungen
Frühmoderne hybride Kriegsführung. Die Reunionen Ludwigs XIV. (FN)
Die Politik des französischen Königs Ludwig XIV. im späten 17. Jahrhundert wird vor allem mit seinen militärischen Eroberungen in Burgund, Lothringen und in den Spanischen Niederlanden assoziiert. Die Grundlagen für neue Kampagnen wurden jedoch zwischen den Kriegen gelegt, ein Krieg legte das Fundament für den nächsten. In einer solchen "Zwischenzeit" wurde diese Politik jedoch selbst zum Krieg: der Reunionskrieg 1683/84. Es ist eine "vergessene" Episode in der Geschichte Ludwigs XIV., um die viele Fragen schwirren.
Gerade diese kurze, aber verbissene Streitphase kann am meisten aussagen über die Tiefe der Kriegsführung Ludwigs XIV. Wie weit reichte seine Politik? Nur bis zum Rheinland, oder darüber hinaus? Wie wurde sie juridisch und diplomatisch vorbereitet? Wie verteidigten sich die östlichen Nachbarstaaten gegen sie? Diesen Fragen werden wir anhand der Literatur, vor allem aber mit Hilfe von zeitgenössischen Berichten und Weisungen nachgehen.
Histoire croisée de la France - Grenzüberschreitende Kultur & Geschichte Frankreichs II (FN)
Eine Einführung in die französische Landeskunde anhand von Kultur und Geschichte. Diese Kultur und Geschichte werden nicht in den engen Rahmen der französischen Nation gezwungen, sondern grenzüberschreitend betrachtet. Am Ende des Seminars soll den Teilnehmern deutlich sein, dass die Idee von Volk, Sprache und Nation ein Engfassung von älteren Prozessen ist, die weit über die spätere nationale Grenzen hinausgingen. Deshalb werden im Seminar besonders die Interaktionen Frankreichs mit seinen nordöstlichen und südwestlichen Nachbarn betrachtet, um Verflechtungskomponenten in der späteren französischen Identität freizulegen.
"Bewaffneter Frieden" im 17. Jahrhundert. Der Kasus Nord-Brabant
Kriege und Aufstände können historische Gebiete spalten, was die Errichtung einer "künstlichen" Grenze zu einer schwierigen Aufgabe macht. Mit der Grenzziehung sind Fragen über Identitäten, Schmuggel, Produktionsketten und militärische Sicherung verbunden. Im Seminar beschäftigt uns der Kasus des nördlichen Brabants, wo eine einst vom Krieg forcierte Grenze nun wie eingefroren wirkt. Wie wurde hier die Grenze normalisiert? Im Seminar beleuchten wir, wie die historisch gewachsene Einheit des Herzogtums Brabant durch die Ereignisse des Niederländischen Aufstands und des Achtzigjährigen Krieges geteilt wurde, sowie auch wie diese Teilung alltäglich verwaltet und verinnerlicht wurde.
Wichtige Hinweise:
Dieses Seminar besteht aus drei Blockseminarterminen und einer Pflichtexkursion!
Das Blockseminar findet an den Freitagen, 24. April, 15. Mai und 19. Juni von 11 bis 16 Uhr statt (mit 1h Mittagspause).
Die Exkursion führt in der "Kulturwoche" (27.05. - 30.05.26 ) nach Breda, Bergen-op-Zoom (NL) und Antwerpen (BE). Der Eigenanteil ist auf 20 Euro beschränkt.
Der niederländische Aufstand als europäische Krise, 1568-1648
Wie eskalieren Konflikte? Warum münden regionale Auseinandersetzungen in offenbar unkontrollierbare „Weltkriege“? In der Geschichte finden sich erkenntnisreiche Beispiele dazu. Gegenstand der Vorlesung ist ein frühneuzeitlicher Konflikt, der sich mit immer mehr Interessen verband, sich unaufhaltsam in Nachbargebiete ausdehnte und das europäische Mächtesystem änderte: die gewaltsame Auseinandersetzung zwischen Spanien und aufständischen Teilen der "Niederlande" zwischen 1568 und 1648. Zentrales Thema ist die Ausdehnung des Konflikts in mehrere Konfliktgebiete und -arten. Die Vorlesung soll nicht nur durch die Phasen und Komplikationen des Aufstandes navigieren. Vielmehr soll nachgegangen werden, warum er ausuferte, ausgehend von den vielen Vorannahmen über diesen Konflikt.
Der Aufstand zerriss fast 80 Jahre lang die „Niederen Lande“ (circa die heutigen Königreiche Belgien und Niederlande) und machte sich als offener Krieg auch im Rheinland und in Westfalen bemerkbar. Im Konflikt zerbrach ein reicher Stützpunkt des Hauses Habsburg; ein Prozess, der den regionalen Konflikt mit anderen Konflikten verband und bis heute die Gründe für dessen Potenzierung verhüllt. Die Auslöser der volatilen Mischung aus zwischenstaatlichem Konflikt, städtischem Republikanismus, Adelsaufstand, Hungeraufstand und konfessioneller Repression, sind ebenso unklar. Zugleich ist kaum ein historisches Phänomen dermaßen als nationales Ereignis im Sinne eines Freiheitskampfes gedeutet und mit simplen Erklärungen wie der "Schwarzen Legende" versehen worden. Diese nationale Fokussierung vermeidet die Vorlesung und deutet die Verflechtung als Folge der geografischen Situation, die zu einer Gesamtkrise Nordwesteuropas führte.
Histoire croisée de la France - Grenzüberschreitende Kultur & Geschichte Frankreichs
Eine Einführung in die französische Landeskunde anhand von Kultur und Geschichte. Diese Kultur und Geschichte werden nicht in den engen Rahmen der französischen Nation gezwungen, sondern explizit grenzüberschreitend betrachtet. Am Ende des Seminars soll den Teilnehmern deutlich sein, dass die Idee von Volk, Sprache und Nation ein Engfassung von älteren Prozessen ist, die weit über die spätere nationale Grenzen hinausgingen. Deshalb werden im Seminar besonders die Interaktionen Frankreichs mit seinen nordöstlichen und südwestlichen Nachbarn betrachtet, um Verflechtungskomponenten in der späteren französischen Identität freizulegen.
Die niederländische Welle. Imago und Einfluss der Niederlande in Barockkunst (FN)
Wir untersuchen ein Phänomen, das vom späten 16. bis zum frühen 18. Jahrhundert existierte und das Kunsthistoriker "Niederlandismus" tauften. Wenngleich der Begriff nicht wirklich in profunden Studien verankert ist, macht er doch auf einen besonderen Befund aufmerksam: in Nordeuropa und besonders im deutschsprachigen Raum ging in der Vormoderne lange Zeit eine faszinierende Wirkung von "niederländischer" Mal-, Bildhau- und Baukunst aus. Über Inhalts und Einfluss dieser Faszination stellen sich viele Fragen. Woher stammte sie und welche Assoziationen schwebten in ihr mit? Welche Wahrnehmung hatten die Rezipienten von den "Niederlanden", oder differenzierten sie zwischen "Flandern" und "Holland"? Lassen diese Zuschreibungen auf einen "nationalen" Stil schließen? Inwiefern reflektierte der Kunstgeschmack konfessionelle Präferenzen, oder wurden diese ausgeblendet?
Ein Phänomen, das der kunstgeschichtlichen Epoche der "Barockkunst" zugeordnet wird, soll demonstrieren, wie man anhand von Kunsterzeugnissen auf Perzeptionen des Eigenen und Fremden, sowie auch auf die verflochtene und "a-nationale" Natur der Kunst schließen kann. Nebenbei lernen wir auch die unbekannte Geschichte der Niederlande kennen. Um das zu tun, fokussieren wir die Spuren dieses Phänomens in Nordwestdeutschland und verstehen "Kunst" dabei als bildende Kunst, über Kunsthandwerk bis Architektur.
Flucht, Geopolitik und Fachkräftemangel. Spätmittelalterliche Migration in Nordwesteuropa
Die nordwestliche Ecke Europas ist durch die Ein- und Auswanderung von Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung geschichtlich mit vielen anderen Teilen Europas verbunden: zum Beispiel mit England, Spanien, Norditalien und sogar Skandinavien. Umgekehrt siedelten sich wegen der wirtschaftlichen Attraktivität dieser Region hier auch Fremde an, während die Einwohner gezielt „abgeworben“ wurden und noch andere wegen Kriege in benachbarte Gebiete flüchteten. Wohin reich(t)en die Migrationsverbindungen? Wurden Sie gezielt angeregt? Wie wurde vor Ort mit ihnen umgegangen? Welche Folgen hatten sie?
Diese und andere Fragen sollen anhand von wissenschaftlicher Literatur und einschlägiger Quellen im Seminar diskutiert werden, um Methoden zu üben und das Erkenntnispotenzial des Gesamtphänomens "Migration" kennenzulernen.
Kluge Strategie, Terrorismus oder sinnlose Gewalttat? Die Bombardierung Brüssels 1695. (FN)
Die französische Bombardierung Brüssels im Jahr 1695, die sich 2025 zum 330. Mal jährt, ist wohl kaum ein Teil des kollektiven Gedächtnisses. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass dieses Ereignis das Antlitz der Stadt fast vollständig änderte und zu seiner Zeit in ganz Europa eine unglaubliche Empörung auslöste sowie eine Wende im militärischen Schicksal Frankreichs einleitete. Was war der Grund für dieses Ereignis? Welche Bedeutung hatte es im größeren Kontext des „Neunjährigen“ bzw. „Pfälzischen Erbfolgekrieges“? Und warum geriet es danach relativ schnell in Vergessenheit?
Um diese Fragen zu beantworten, werden wir zunächst die geostrategische Bedeutung der südlichen Niederlande sowie die europäische Machtpolitik zu dieser Zeit betrachten. Anschließend werden wir uns mit den Hintergründen der zeitgenössischen Propaganda und der Darstellung des Bombardements befassen. Auch die Auswirkungen auf die Architektur Brüssels und deren Verflechtung mit internationaler Politik werden untersucht. Dafür werden auch zeitgenössische Medien, wie Pamphlete, Bilder und Berichte, herangezogen. Das tragische Ereignis in den Spanischen Niederlanden am Ende des 17. Jahrhunderts dient also nicht nur als Fallstudie der vormodernen Medien und Politik, es verbessert auch unser Verständnis der Geschichte der südlichen „Low Countries“.
- Ein zersplittertes Territorium als Stärke. Die Brabanter Exklaven als Problem der Staatsbildung in den südlichen Niederlanden (17.-18. Jhd.).
Wenigen ist bewusst, dass viele Kommunen und Kleinstädte in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz lange Zeit zu den südlichen Niederlanden gehörten, besonders zu den Herzogtümern Brabant und Geldern. Wo diese Geschichte bekannt ist, wird sie in der Regel nur aus antiquarischer Sicht und vereinzelt aufgegriffen. Eine systematische Aufarbeitung und Erfassung der Funktion dieser Exklaven im politischen System der Spanischen bzw. Österreichischen Niederlande existiert nur ansatzweise.
Im Seminar wird die Existenz Brabanter und geldrischer Exklaven von Lommersum bis Jever näher beleuchtet, um die Spezifika des frühneuzeitlichen Umgangs mit Exklaven und die alternativen Staatsbildungsprozesse in den südlichen Niederlanden zu verstehen. Um die Erkenntnisinteressen sowie auch die Herausforderungen dieses Themas für die Geschichtswissenschaft kennenzulernen, werden wir im Seminar neben einschlägiger Literatur auch Ausgaben zeitgenössischer Korrespondenz über die Exklaven sowie Originalquellen auswerten.
Bachelor abgeschlossen? Studiere jetzt im Master BeNeLux-Studien!
Du hast deinen Bachelor in den Fächern Geschichte, Germanistik, Medienwissenschaften, Niederlandistik, Politikwissenschaften, Romanistik oder Volkswirtschaftslehre abgeschlossen? Oder du hast einen Bachelor in einem interdisziplinären Bachelorstudiengang mit einem Schwerpunkt in den Europäischen Studien absolviert? Dann studiere jetzt weiter im Master BeNeLux-Studien! Hier gibt's Informationen rund um Studieninhalte, Studiendauer, Zugangsvoraussetzungen etc.
Exkursion nach Breda, Bergen-op-Zoom und Antwerpen im Sommersemester 2026
Zum Seminar "'Bewaffneter Friede' im 17. Jahrhundert. Der Kasus Nord-Brabant" organisiert Jun. Prof. Yves Huybrechts vom 27. bis zum 30. Mai 2026 eine Exkursion. Sie wird die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Seminars nach Breda, Bergen-op-Zoom und Antwerpen führen, also in gleich zwei deutsche Nachbarländer. Nicht nur Studierende der Universität Paderborn sind zu dieser Exkursion eingeladen, auch externe Studierende sind herzlich willkommen! Wer an dieser Exkursion teilnehmen möchte, wird gebeten, einen Eigenanteil von 20 Euro einzuplanen. Für Fragen rund um die Exkursion steht Prof. Yves Huybrechts zur Verfügung. Weitere Details zur Exkursion werden im Vorfeld des Sommersemesters veröffentlicht.
Spätmittelalterliche Industrie und Handel am Wasser - Exkursion nach Flandern & Zeeland (11.06.2025 – 14.06.2025)
Im Juni 2025 unternahm eine Gruppe um Jun. Prof. Yves Huybrechts eine Exkursion nach Flandern und Zeeland, um die spätmittelalterliche Industrie sowie den spätmittelalterlichen Handel zu untersuchen. Einen Teilnehmerbericht können Sie hier lesen!