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Pop­kritik XXIII im Sput­nik "¿11 Ami­gos? Fußball und Pop­kul­tur"

Unter dem Motto „¿11 Amigos? Fußball & Popkultur“ fand am 2. Juli die mittlerweile 23. Ausgabe der Popkritik im Paderborner Sputnik statt. Eingeladen hatten die Studiengänge „Populäre Musik und Medien“ und „PopMediaCulture“ der Universität Paderborn. Gemeinsam mit dem Publikum diskutierten Dr. Resul Karaca vom Institut für Romanistik, Dorothee Stehle, Studentin des Masterstudiengangs „PopMediaCulture“ und David Corrales, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Studiengang „Populäre Musik und Medien“ über Fangesänge, nationale Identitäten, KI-generierte Fußballmusik und die zunehmende Kommerzialisierung der Fußball-Weltmeisterschaft. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Annegret Thiem und David Corrales.

Den Anfang machte Dr. Resul Karaca mit einem argentinischen Fangesang, der bereits 2021 entstand und besonders während der Weltmeisterschaft in Katar bekannt wurde. Der Song verbindet Lionel Messi und Diego Maradona mit der Geschichte Argentiniens, der Sehnsucht nach dem WM-Titel und historischen Ereignissen wie dem Falklandkrieg. Die Strophen wurden dabei immer wieder umgeschrieben und an neue Erfolge angepasst. Später nahm die ursprüngliche Band das Lied noch einmal selbst auf, wodurch es zu einer Art inoffizieller Hymne des argentinischen Fußballs wurde.

In der anschließenden Diskussion ging es vor allem darum, wie eng Fußball in Argentinien mit Nationalstolz, Geschichte und Religion verbunden ist. So gibt es etwa eine nach Maradona benannte Kirche mit eigener Zeitrechnung und eigenen Geboten. Schnell stellte sich deshalb die Frage: Ist Fußball vielleicht selbst eine Art Religion? Er schafft Gemeinschaft und Zugehörigkeit, kann aber zugleich auch von gesellschaftlichen Problemen ablenken.

David Corrales richtete den Blick anschließend auf KI-generierte Fansongs und aktuelle Tendenzen auf Social Media. Anhand verschiedener Beispiele zeigte er, wie schnell mit KI-Tools neue Fußballlieder produziert und verbreitet werden können. Viele dieser Songs klangen allerdings sehr ähnlich: laut, rhythmisch, kurz und nach demselben Muster aufgebaut. 

Gemeinsam mit dem Publikum wurde deshalb diskutiert, ob dabei die eigentliche Seele eines Fußballliedes verloren geht. Häufig fehlten ein eingängiger Rhythmus, eine klare Melodie oder funktionierende Call-and-Response-Strukturen. So entstand teilweise der Eindruck von „Musik von Algorithmen für Algorithmen“. Gleichzeitig kam die Frage auf, wer solche Songs eigentlich produziert, mit welcher Intention und für welches Publikum.

Dorothee Stehle brachte anschließend eine kolumbianische Perspektive ein. Der vorgestellte Song wurde im Auftrag der Nationalmannschaft produziert und verbindet unterschiedliche Rhythmen, Regionen und Slangs Kolumbiens. Im Mittelpunkt steht vor allem das gemeinsame „Wir“: Nicht die Abgrenzung vom Gegner, sondern Gemeinschaft, Leidenschaft und kolumbianische Identität prägen den Song. Daran anschließend wurde über Authentizität gesprochen. Müssen Fangesänge direkt aus der Fankultur entstehen, um Gemeinschaft zu erzeugen? Oder können auch professionell produzierte Songs diese Funktion erfüllen? Das kolumbianische Beispiel zeigte, dass auch ein offiziell beauftragter Song Identifikation schaffen kann, wenn sich unterschiedliche Gruppen darin wiederfinden.

Natürlich durfte auch Shakira nicht fehlen. Ihre enge Verbindung zu vergangenen Fußball-Weltmeisterschaften, ihre Dance-Challenges auf TikTok und Instagram und ihr Auftritt im Kontext der neuen Halftime-Show machten deutlich, wie stark Fußball, Popmusik und globale Vermarktung miteinander verbunden sind. Passend dazu fiel der Vergleich: Shakira gehört zur WM mittlerweile fast so sehr wie Mariah Carey zu Weihnachten.

Vielen Dank an alle Beteiligten und an das Publikum für die spannenden Beiträge und die angeregte Diskussion.

Das Publikum beteiligte sich mit Fragen und eigenen Perspektiven an der Diskussion über Fußball, Musik und Popkultur. (c) Sputnik Paderborn
Das Podium bestehend aus der PopMediaCulture Studentin Dorothee Stehle, Dr. Resul Karaca und der Moderation David Corrales und Prof. Dr. Annegret Thiem (c) Jule Feldner
Das Podium brachte eigene Beispiele aus der lateinamerikanischen Fußballkultur zur Diskussion mit ins Sputnik (c) Sputnik Paderborn
Dr. Resul Karaca und Studentin Dorothee Stehle (c) Sputnik Paderborn

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