Bericht über die Ex­kur­sion nach West­flandern und Nord­frankreich, 25.-30. Mai 2026

Vom 25. bis zum 30. Mai bereisten Studierende des Arbeitsbereiches Geschichte Flandern in globaler und europäischer Verflechtung bei bestem Wetter Westflandern und Nordfrankreich. Die Exkursion unter der Leitung des Juniorprofessors Yves Huybrechts war eine unvergessliche Vertiefung der Inhalte der aktuellen Seminare „Histoire croisée – Grenzüberschreitende Kultur und Geschichte Frankreichs“ und „Frühmoderne hybride Kriegsführung – die Reunionen Ludwigs XIV.“  Während man sich in den Seminaren vor allem mit dynastischer Geschichte, Bürgerkriegen, Verträgen, Grenzverschiebungen und politischen Entscheidungen beschäftigt, sowie auch Quellen dazu bearbeitet, bot die Exkursion den Studierenden die Möglichkeit, die historischen Räume selbst zu erleben und ihre Bedeutung vor Ort nachzuvollziehen. Viele Zusammenhänge, die zuvor nur aus Literatur oder Vorträgen bekannt waren, wurden vor Ort wesentlich greifbarer. Das übergreifende Thema der Exkursion (das beide Seminarinhalte verband) war die Kohärenz einer flämischen kulturellen und politischen Einheit in dieser Region, die von größeren Konflikten (zwischen den französischen Königen und den Burgunderherzögen bzw. den Habsburgern) geprägt und letztendlich auch geteilt wurde. Somit besichtigten und erlebten wir epochenübergreifend Orte, an denen die geostrategische und kulturelle Relevanz der Region besonders deutlich wird, die trotz militärisch (und sprachlich) forcierter Trennungen einen deutlichen flämischen Charakter behalten hat. Dass die Region militärstrategisch wichtig ist/war, sah die Exkursionsgesellschaft unweigerlich auch an den vielen Gedenkstätten des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Dermaßen mit Eindrücken pralle gefüllt, war die Exkursion des Jahres 2026 anspruchsvoll, aber insgesamt ein weiterer Höhepunkt in den Aktivitäten des Arbeitsbereiches.

Sechs Tage lang hat die Exkursionsgesellschaft in Belgien und Frankreich, viele Eindrücke über die historische Verbundenheit der besuchten Städte mit „Flandern“ bekommen und sich ein Bild davon machen können, wie besonders Ludwig XIV. um diese Region gekämpft hat. Auf der Suche nach den Spuren flämischer Kultur, staunend über die Vielfalt an Beginenhäusern, Glockentürmen (Beffrois/Belforts), Festungsanlagen oder lokalen Helden (die Familie Baert, um nur einen zu nennen) und ständig von den Burgunderherzögen sowie den beiden Weltkriegen begleitet, besuchte die Gesellschaft Brügge, Gravelines, Dünkirchen, Bergues/Winoksbergen, Cassel, Lille und Kortrijk, mit einem letzten Halt im Brabanter Lier, um das "kaiserliche" Buntglasfenster der Gummaruskirche zu betrachten. (Auf der Hinfahrt hielt die Exkursion auch kurz im niederländischen Venlo an, wo die verbindende Rolle der Maas und die trennende Rolle der vielen Zöllen entlang dieses Flusses besprochen wurden.) Der Hitze trotzend und immer zu Fuß (außer der Bootsfahrt um Vaubans Festung bei Gravelines), nahm sich die Gesellschaft immer Zeit, um uns das kleinste Detail und die größten Bauwerke anzusehen (die Zitadelle von Lille, die Grafenkapelle in Kortrijk, den Bergpark in Cassel, oder die Kriegsschäden an der Eloiskirche in Dünkirchen…um nur einige zu nennen). Neben der lebendigen Erinnerungskultur bezüglich des „alten“ Flanderns in Dünkirchen, Bergues, Cassel, "Maria van den Crochte" und sogar Lille (die Bierkultur zeugt auch davon!) haben die Exkursionsteilnehmer besonders schöne Erinnerungen an Brügge, an den Ruinen der Abtei St. Winnoc, dem Strand von Dünkirchen und den exquisiten Ausblick vom Berg Cassel. Sowohl die Studierende als auch der Exkursionsführer haben für sich eine äußerst geschichtsträchtige Region entdeckt, die neben einer wunderbaren Landschaft noch viele weitere unentdeckte Schätze bereithält. Daher gilt ein herzlicher Dank an die Nederlandse Taalunie für das Ermöglichen dieser Tour des Flandres! Dank auch an die Studierenden Bonnekessel, Braun, Demir, Wilholt, Sarrazin und Ziemer für Ihre Eindrücke!

Ein­ige weit­ere Eindrücke von der Ex­kur­sion:

„Ein Ort, der mich besonders beeindruckt hat, ist die Handelskammer in Lille, welche schon von außen ziemlich beeindruckend und fesselnd auf mich gewirkt hat. Vor dem Gebäude zu stehen und das ganze Umfeld auf sich wirken zu lassen war definitiv einer der prägenden Momente dieser Exkursion.“

„Für mich war die Exkursion nach Westflandern und Nordfrankreich in jeder Hinsicht ein Erlebnis, an das ich mich immer wieder gerne zurückerinnern werde.“

„Ich habe die Gelegenheit genutzt, die französische und flämische Küche auszuprobieren und die Region nicht nur aus historischer, sondern auch aus kultureller Perspektive kennenzulernen.“

„Mir hat es sehr gefallen, dass die historischen „Seiten“ der flämischen Städte noch erhalten sind und man an fast jeder Ecke ein Stück Geschichte finden kann. Mir hat eigentlich jeder Ort gefallen, Brügge gefiel mir jedoch am meisten. Das Gruuthusehaus und die Liebfrauenkirche haben mich am meisten beeindruckt. Auch Lille gefiel mir sehr.“

„Am meisten fasziniert haben mich die zahlreichen Vauban-Festungen, denen wir während der gesamten Exkursion immer wieder begegnet sind. Ob in Lille, Dünkirchen, Bergues oder anderen Orten der Region: die charakteristischen sternförmigen Anlagen prägen vielerorts noch heute das Stadtbild. Gerade weil ich mich im Seminar intensiv mit Ludwig XIV. und seiner Reunionspolitik beschäftigt habe, war es beeindruckend, die materiellen Spuren dieser Politik vor Ort zu sehen. Besonders beeindruckt hat mich, dass diese Anlagen nicht nur über dreihundert Jahre erhalten geblieben sind, sondern teilweise noch heute militärisch genutzt werden.“ 

„Es war sehr interessant, an den Orten zu sein, an denen sehr viel Geschichte stattgefunden hat und diese in echt zu sehen und vor Ort nochmal darüber zu sprechen, interessiert mich sehr.“

„Brügges Macht im Burgunderreich hat mich sehr beeindruckt, da diese Stadt eine große Rolle in Aufständen und Macht gespielt hat. Aufstände gab es hier zum Beispiel gegen Maximilian I., der das burgundische Reich mit seinem Haus Habsburg vereinen wollte. Eindrucksvoll kann man den Ort sehen, wo die Brügger ihn unter Hausarrest gesetzt haben.“

Dank

Diese Exkursion wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der taal:unie