Vor­trag von An­dreas Bihr­er (Kiel): ‚West­fäl­is­che Bis­chöfe? Die Entstehung West­falens im frühen und ho­hen Mit­telal­ter

Am kommenden Dienstag, dem 20. Juni 2023, um 20.00 Uhr findet im LWL-Museum in der Kaiserpfalz die gemeinsame Vortragsveranstaltung des Historischen Instituts der Universität Paderborn und des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn, statt. Sprechen wird Herr Prof. Dr. Andreas Bihrer (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel) über ‚Westfälische Bischöfe? Die Entstehung Westfalens im frühen und hohen Mittelalter‘.

 

Dass Westfalen im 11. und frühen 12. Jahrhundert als eine geographische, ethnische, politische oder kulturelle Einheit entstanden sei, liest und hört man immer wieder. Allerdings ist doch bis heute umstritten, in welchem Umfang und in welchen Bereichen sich dieser Prozess vollzogen hat. Vor diesem Hintergrund richtet der Vortrag seinen Blick auf die Kirche und untersucht die Position der Bischöfe von Minden, Münster, Osnabrück und insbesondere von Paderborn im 11. und frühen 12. Jahrhundert als eine Gruppe von geistlichen Würdenträgern und verfolgt die unterschiedlichen, sich sogar widersprechende Raumvorstellungen, die das Handeln der Bischöfe bestimmten. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den politischen Positionen der Bischöfe im Investiturstreit und in den Sachsenkriegen. Auf diese Weise soll geklärt werden, ab wann es überhaupt sinnvoll ist, von ‚westfälischen Bischöfen‘ zu sprechen und inwieweit der Raum Westfalen schon im hohen Mittelalter als kirchliche Einheit verstanden wurde. Damit greift Prof. Dr. Andreas Bihrer ein aktuelles Thema auf, das derzeit besonders in Paderborn diskutiert wird, da hier aus Anlass der Ersterwähnung der Westfalen vor 1250 Jahren eine Ausstellung über die Geschichte der Westfalen vorbereitet wird. Andreas Bihrer, der an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mittelalterliche Geschichte lehrt, ist ein ausgewiesener Kenner der mittelalterlichen Domkirchen und ihrer Bischöfe. Nach seiner Dissertation über den Konstanzer Bischofshof hat er in den letzten Jahren mehrere Sammelbände und eine Fülle von Aufsätzen über die Handlungsspielräume der großen, aber auch der kleinen Bischöfe im Mittelalter publiziert. Sein Interesse galt immer wieder den sich wandelnden Beziehungen der Bischöfe zu ihren jeweiligen Amtsbrüdern. Im Vortrag wird er ausloten, welches Erkenntnispotential eine Untersuchung dieser Beziehungen für die Frage nach der Entwicklung einer westfälischen Identität bietet.

 

BITTE BEACHTEN SIE, DASS DIE VERANSTALTUNG NICHT IN DER THEOLOGISCHEN FAKULTÄT, SONDERN IN DER KAISERPFALZ STATTFINDET.