Das "Institut zur interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens" (IEMAN) lädt herzlich für Dienstag, den 27. Januar 2026, zu einem Vortrag von Dr. Steije Hofhuis aus Berlin ein, der über "Virale Verfolgungen? Eine evolutionstheoretische Betrachtung der Hexenprozesse" sprechen wird.
Abstract:
Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert entwickelte sich in Europa ein bemerkenswertes kumulatives Hexereikonzept mit Teufelspakten, Hexensabbaten, Schadenszauber und nächtlichen Flügen. Es schien geradezu dafür gemacht zu sein, Hexenverfolgungen auszulösen. Frühere Historiker gingen daher davon aus, dass dahinter eine kluge, verborgene Agenda steckte, etwa finanzielle Motive oder die Unterdrückung der Armen oder der Frauen. Die meisten Fachhistoriker sind sich heute jedoch einig, dass es keinen solchen geheimen Masterplan gab: Die Menschen glaubten tatsächlich an Hexerei, und die Prozesse verliefen eher ungeplant und lokal bedingt. Doch wie lässt sich dann der scheinbar intelligente Entwurf des Hexereikonzeptes erklären?
Dieser Vortrag, der auf einer historischen Doktorarbeit basiert, lädt dazu ein, eine neue interdisziplinäre Antwort zu erkunden: die darwinistische kulturelle Evolution. Das Phänomen der Hexenverfolgung war ein darwinistisches „Design without Designer", das sich nahezu virusartig in der Bevölkerung ausbreitete. Dieser Ansatz, der qualitative historische Forschung mit dem entstehenden interdisziplinären Feld der kulturellen Evolution verbindet, kann auch helfen, andere historische oder gegenwärtige Phänomene aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
Die Veranstaltung findet um 18:15 Uhr im Raum O1 224 statt.