Unter dem Titel „Verteidigung oder Aggression? Strategien und Methoden der Außenpolitik Ludwigs XIV. 1680-1697“ hielt Prof. Dr. Sven Externbrink (Fernuniversität Hagen/Universität Heidelberg) am 21. Mai einen Vortrag am Arbeitsbereich für die Geschichte Flanderns in europäischer und globaler Verflechtung. Externbrink, ausgewiesener Experte für die frühneuzeitliche Geschichte Frankreichs war erfreulicherweise der Einladung des Arbeitsbereiches gefolgt, über die Außenpolitik Frankreichs unter Ludwig XIV. zu referieren, die besonders für die Spanischen Niederlande (siehe Forschungsschwerpunkt des Arbeitsbereiches) im späten 17. Jahrhundert die größte Herausforderung und Bedrohung war. Zu erfahren, welche Motive die militärischen und diplomatischen Frankreichs aus der Sicht Frankreichs beseelten, lässt die Bedrohungslage und die damit verbundenen Aggressionsdynamiken für die Niederlande in einem ganz anderen Licht erscheinen. Gespannt hörte dann auch der sehr gut gefüllte Seminarsaal Herrn Exterbrink zu, der nuanciert darlegte, wie Prinzipien der Außenpolitik Ludwigs schon lange vor ihm in großen Teilen festgelegt worden waren. Der Referent stieg mit der hartnäckigen Perzeption der älteren Forschung ein, wonach Ludwig XIV. vor allem auf „Raubkriege“ in Richtung Rhein aus gewesen sei. Dabei hätten die – oft sehr punktuell agierenden – Eroberungen und rechtswidrigen Besatzungen (u.a. während der „Reunionen“) eher auf eine Begradigung und Verstärkung der Grenze gezielt. Auch die am besten bekannte Operation am Rhein: im Neunjährigen Krieg, war vor allem als Schutzoperation gedacht, nicht als Eroberung. Die dabei angewandte ungewöhnliche Härte schadete Frankreichs Ansehen und Vertrauenswürdigkeit in den eigenen Legitimationen jedoch nachhaltig und verstärkte nur die Frontbildung gegen Ludwig XIV. Wie die anschließende Diskussion zeigte, kann daher zurecht die Frage aufgeworfen werden, ob die Politik Ludwigs XIV., die auf Sicherung und Ansehen des Königsreichs ausgerichtet gewesen war und zum Epochenmerkmal geworden ist, teilweise nicht doch als gescheitert anzusehen ist. Externbrink scheute sich nicht, Parallele mit der Gegenwart zu ziehen. Somit haben auch die nicht in der Frühen Neuzeit bewandeten Zuhörer eindrucksvoll die Relevanz der Thematik verstanden und insgesamt einen vermittlungs- und forschungsstarken Redner erlebt. Hoffentlich sehen wir ihn bald wieder in Paderborn.
Gastvortrag von Sven Externbrink über Außenpolitik Ludwigs XIV.