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Photo: Yvonne Ruhose

Die Geburt der zivilen Tragödie: Gattung und Geschlechterpoetik bei Gottsched und Lessing

Die Musen des Dramas huldigen Goethe, Kreidezeichnung von Angelika Kauffmann

Der Begriff des zivilen Klassizismus dient jüngeren dramenhistorisch interessierten Studien zum 18. Jahrhundert als Korrektiv, um eine bisher primär sozialgeschichtlich hergeleitete Frontstellung des ständisch gebundenen, frankophilen Dramas der ersten Jahrhunderthälfte und des bürgerlichen Trauerspiels Lessings ab 1755 einer Revision zu unterziehen. Obschon die Begrifflichkeit seit ihrer Einführung in den dramenhistorischen Diskurs durch Wolfgang Proß in den späten 1980er Jahren primär auf Lessings Dramatik bezogen wird, machen seine Bedeutungsdimensionen, welche die Suprematien des Ethos über den Mythos respektive des Menschlichen über das Göttliche, des Ethischen über das Ästhetische und schließlich des Privaten über das Politische im Drama apostrophieren, einen Kontinuitätszusammenhang der dramatischen Œuvres Johann Christoph Gottscheds und Gotthold Ephraim Lessings sichtbar, der durch die bis heute nachwirkenden prominenten Polemiken Lessings häufig marginalisiert wurde. Bezieht man den Begriff in einem gattungsspezifisch engeren Sinn a priori auf die Transformationen der Tragödie in dieser Zeit, so erlaubt der innerhalb des Projekts erkenntnisleitende Begriff der zivilen Tragödie diese Gemengelage in ihren vielschichtigen literar- und kulturhistorischen Bezügen zu erhellen, ohne einer simplifizierenden Abgrenzungsthese oder einem ebenso verkürzenden Fortschrittsnarrativ das Wort zu reden.

Insbesondere auf der Grundlage des Zusammenwirkens der Kategorien Gattung und Geschlecht in den tragödienpoetologischen Schriften und in den Tragödien der Literaten lassen sich produktive Aneignungen sowohl der antiken Gründungstexte als auch ihrer Reaktualisierungen im französischen Klassizismus des 17. Jahrhunderts identifizieren, die eine 'Zivilisierung' der Gattung erkennen lassen. Wird bereits in der aristotelischen Poetik über die Kategorien Figur und Handlung ein wirksamer Zusammenhang von Gattung und Geschlecht etabliert, der die Tragödie als "Staats- und Heldenaktion" normativ an einen männlichen oder zumindest männlich agierenden Helden bindet, beruht die Transformation der heroisch-politischen Tragödie als deren klassizistische Fortschreibung zur zivilen Tragödie um und nach 1700 augenscheinlich im Wesentlichen auf einer ideologischen Verzahnung eines zivilen, d.h. allgemeinmenschlichen Ethos und Weiblichkeit. Die Aushandlung des Verhältnisses von Gattung und Geschlecht in der Tragödie um und nach 1700 erweist sich dergestalt als bedeutsame Triebfeder gattungsspezifischer Transformationen, die im Kontext der Geschlechterdiskurse und der moralphilosophischen Debatten der Zeit in ihren jeweiligen Wechselwirkungen betrachtet werden müssen. Dabei sind nicht nur die dezidiert auf Aristoteles respektive auf antike Poetiken sich berufenden tragödienpoetologischen Schriften zu berücksichtigen, vielmehr erweisen sich die (mitunter in Anthologien zusammengefassten) Originaltragödien selbst als virulente Verhandlungsorte impliziter und praktischer Poetiken.

Kontakt

Dr. Leonie Süwolto

Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft > Komparatistik/Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft

Zuständigkeitsbereiche: Fachstudienberatung, Koordination und Internationalisierung der Komparatistik-Studiengänge

Leonie Süwolto
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