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Special Issue: Postdigitale Praktiken in der Musiklehrkräftebildung

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Postdigitale Praktiken wie Producing, DJing, Sampling und Remixing sind ebenso Ausdruck gegenwärtiger Musikkultur wie das Musizieren im Web, im virtuellen Raum oder mit künstlicher Intelligenz (z.B. Haenisch et al., 2023; Mazierska et al., 2019; Miranda, 2021). Die Qualifizierung dieser Praktiken als postdigital signalisiert, dass (1) diese nur unter den Bedingungen einer durch die Digitalisierung geprägten Welt entstehen konnten; dass (2) sie zugleich nicht ausschließlich als digital gedacht werden können, sondern sich vielfältig mit analogen Praktiken und Prozessen überlagern und vermischen; und dass (3) bei der Erforschung dieser Praktiken nicht nur deren technische Dimension zu berücksichtigen ist, sondern unter anderem auch soziale, ökologische, kulturelle, ästhetische und ökonomische Aspekte in den Blick genommen werden müssen (z.B. Buchborn & Treß, 2023; Clements, 2018; Weidner & Stange, 2022).

Trotz ihrer musik- und bildungsbezogenen Relevanz stellt die systematische Erforschung dieser Praktiken sowie deren theoriegeleitete und empirisch fundierte Übersetzung in die aktuelle und zukünftige Musiklehrkräftebildung bislang ein weitgehend unbearbeitetes Desiderat dar (z.B. Ahlers & Godau 2019; Feneberg 2022; Godau & Haenisch 2022; Kattenbeck 2023; Kattenbeck & Schaubruch [im Erscheinen]; Schaubruch & Krupp [im Erscheinen]). Das Special Issue widmet sich daher dieser Forschungslücke aus musikpädagogischer sowie inter- und transdisziplinärer Perspektive. Qualitative, quantitative, theoretische und spekulative Beiträge sind ebenso willkommen wie Praxisberichte und experimentelle Formate, z. B. zu den folgenden sowie angrenzenden und ergänzenden Themenfeldern:

  • Erforschung postdigitaler Praktiken (z.B. hinsichtlich der mit ihnen verbundenen künstlerischen Strategien und Techniken, Ästhetiken, Artefakten, Wissensformen und Lernpraktiken),
  • Methoden der Erforschung postdigitaler Praktiken (z.B. Situationsanalyse, Design Based Research, Akteur-Netzwerk-Theorie, MusikmachDing-Studien),
  • Merkmale postdigitaler Praktiken (z.B. Hybridität, Deterritorialisierung, Algorithmisierung, Konnektivität, Mobilität),
  • Übersetzungen postdigitaler Praktiken in die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Musiklehrkräften (z.B. Lehrkonzepte, Best-Practice-Beispiele, Curricula, Kompetenzheuristiken),
  • Überlegungen zu musikdidaktischen Konzeptionen des Postdigitalen (z.B. Deeper Learning, Design Based Learning, Maker Education),
  • integrative Perspektiven auf postdigitale Praktiken (z.B. Nachhaltigkeit, Diversität, Macht),
  • übergreifende Perspektiven auf das Konzept der Postdigitalität (z.B. Potenziale, Herausforderungen, Ambivalenzen, Kritik),
  • Diskussion bildungspolitischer Vorgaben, Empfehlungen und Perspektiven (z.B. UNESCO-, EU- und KMK-Strategien, BMU-Positionspapiere),

Formate und Vorgaben

  • Umfang: 25.000 – 50.000 Zeichen inkl. Leerzeichen, exkl. Literaturverzeichnis
  • Sprache: Deutsch oder Englisch
  • Formatierung: Beiträge sollen den aktuellen APA-Richtlinien entsprechen.
  • Begutachtung: Alle Beiträge durchlaufen ein Open-Peer-Review-Verfahren.
  • Open Access: SUSTAIN veröffentlicht im Diamond Open Access-Modell – weder Autor:innen noch Leser:innen müssen Gebühren entrichten.

Zeitplan

  • Einreichung der Abstracts: 15. August 2025 (Arbeitstitel, Fragestellung, Methode, erwartete Ergebnisse etc.; max. 2.500 Zeichen inkl. Leerzeichen, exkl. Literaturverzeichnis)
  • Einreichung der vollständigen Beiträge: 15. Dezember 2025
  • Rückmeldung der Gutachter:innen: 15. Februar 2026
  • Veröffentlichung der Beiträge: Die Beiträge werden nach Abschluss des Begutachtungsverfahrens laufend veröffentlicht und zu gegebener Zeit zum Special Issue zusammengefasst.

Bitte senden Sie/sendet das Abstract an info@sustain-journal.world. Die Einreichung und Begutachtung der vollständigen Beiträge erfolgt über das Open Journal System von SUSTAIN.

Wir freuen uns auf Ihre und Eure Beiträge!

Herzlich,
Chris (Kattenbeck) & Josef (Schaubruch)

 

Literatur 

Ahlers, M., & Godau, M. (2019). Digitalisierung – Musik – Unterricht: Rahmen, Theorien und Projekte. Diskussion Musikpädagogik19(82), 4–9.

Buchborn, T. & Treß, J. (2023). Acting Self-Determinedly and Critically in a Post-Digital Future? A Critical Review on Digitalisation in Music Education. Culture, Education, and Future, 1(1), 66–82. https://doi.org/10.5281/ZENODO.8010504

Clements, A. (2018). A Postdigital Future for Music Education: Definitions, Implications, and Questions. Action, Criticism, and Theory for Music Education, 17(1), 48–80. https://doi.org/10.22176/act17.1.48

Feneberg, P. (2022). Digitale Musikmedien und -technologien in der Musiklehrer*innenausbildung an der Universität Potsdam. In A. Bossen, C. Tellisch, P. Falky, A. Lipp, P. Feneberg, K. Wittram, S. Beckmann & T. Karow (Eds.), Perspektiven eines fachübergreifenden Musikunterrichts (pp. 85–103). Universitätsverlag Potsdam. https://doi.org/10.25932/publishup-54863

Godau, M. & Haenisch, M. (2022). Herausforderungen für eine Popmusikpädagogik des 21. Jahrhunderts: Kritische Anfragen an das Feld vor dem Hintergrund der musikpädagogischen Diskussion. Populäre Musik / Kultur in der Jugendarbeit, hg. v. Landesarbeitsgemeinschaft Populäre Musik / Kultur Berlin e.V. (LAG Pop), 21–65.

Haenisch, M., Godau, M., Barreiro, J., Maxelon, D. & Neuhausen, T. (2023). Die Plattformisierung des Songwritings: Musik erfinden unter Bedingungen des short video turn am Beispiel von TikTok. In M. Göllner, J. Honnens, V. Krupp, L. Oravec & S. Schmid (Eds.). 44. Jahresband des Arbeitskreises Musikpädagogische Forschung / 44th Yearbook of the German Association for Research in Music Education (pp. 305–321). Waxmann. https://doi.org/10.31244/9783830997641.18

Kattenbeck, C. (2023). „Beatmaker haben ja nicht den Luxus, auch Musiker zu sein.“: Zur Notwendigkeit, die westliche Kunstmusik in der Musiklehrer*innenausbildung zu provinzialisieren. In M. Göllner, J. Honnens, V. Krupp, L. Oravec & S. Schmid (Eds.), 44. Jahresband des Arbeitskreises Musikpädagogische Forschung / 44th Yearbook of the German Association for Research in Music Education (pp. 347–363). Waxmann. http://doi.org/10.31244/9783830997641

Kattenbeck, C. & Schaubruch, J. [im Erscheinen]. Postdigitalität als gemeinsamer Bezugspunkt von Popular Music Studies und Musikpädagogik? Zum Potenzial eines travelling concepts am Beispiel hybriden Musizierens im Lehramtsstudium. Jahrbuch Lied und Populäre Kultur, 70.

Mazierska, E., Gillon, L. & Rigg, T. (Eds.). (2019). Popular Music in the Post-Digital Age. Politics, Economy, Culture and Technology. Bloomsbury. 

Miranda, E.R. (Ed.). (2021). Handbook of Artificial Intelligence for Music. Foundations, Advanced Approaches, and Developments for Creativity. Springer. https://doi.org/10.1007/978-3-030-72116-9

Schaubruch, J. & Krupp, V. [im Erscheinen]. Vermittlung digitalisierungsbezogener, künstlerisch-ästhetischer Praktiken im Musikunterricht: Überlegungen zum Konzept des „post-digital musicianship“. In J. Treß, T. Buchborn & P. Stade (Eds.), Konturen einer postdigitalen Musikpädagogik. Schriften der Hochschule für Musik Freiburg; Georg Olms Verlag / Nomos Verlagsgesellschaft.

Weidner, V. & Stange, C. (2022). Musikalische Bildung in der digitalen Welt: Die digitale Transformation im Fokus von Musikpädagogik und -didaktik. In V. Frederking & R. Romeike (Eds.), Fachliche Bildung in der digitalen Welt: Digitalisierung, Big Data und KI im Forschungsfokus von 15 Fachdidaktiken. (pp. 260–289). Waxmann.