Prä­sen­ta­ti­on der kir­chen­his­to­ri­schen Stu­die zum Miss­brauch im Erz­bis­tum Pa­der­born

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Am 12. März 2026 wurden die Ergebnisse der Studie „Sexuelle Gewalt an Minderjährigen im Erzbistum Paderborn. Eine historische Untersuchung (1941–2002)“ der Öffentlichkeit vorgestellt (zur Publikationsanzeige, PDF, 126 KB). Das Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Nicole Priesching untersuchte über sechs Jahre hinweg Strukturen und Handlungsmuster im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen im Erzbistum Paderborn. Grundlage waren umfangreiche Archivbestände sowie Interviews mit Zeitzeug:innen und Betroffenen.

Die Studie analysiert die Amtszeiten der Erzbischöfe Lorenz Jaeger (1941–1973) und Johannes Joachim Degenhardt (1974–2002). Während Christine Hartig das Handeln des kirchlichen Leitungspersonals und die Perspektive der Betroffenen untersucht, fragt Nicole Priesching nach der Entwicklung in der Priesterausbildung. Für den Zeitraum von 1941 bis 2002 konnten Hinweise auf 210 beschuldigte Kleriker und 489 Betroffene ermittelt werden. Die Autorinnen sprechen von einer „Vertuschungsspirale“, in der kirchliche Verantwortliche und das soziale Umfeld häufig dazu beitrugen, Vorwürfe zu relativieren oder durch Versetzungen der beschuldigten Priester zu bearbeiten, anstatt strukturelle Konsequenzen zu ziehen. Die Zahlen gelten als Momentaufnahme des bekannten „Hellfeldes“, während das tatsächliche Ausmaß sexueller Gewalt deutlich größer gewesen sein dürfte.

Die Studie versteht sich als Beitrag zur historischen Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Erzbistum Paderborn und zur weiteren wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskussion über den Umgang mit Missbrauch in kirchlichen Strukturen.

Einen ausführlichen Bericht zur Vorstellung der Studie finden Sie hier, die Aufzeichnung der Pressekonferenz sowie weitere Informationen und die Studie selbst gibt es hier.

Foto (Universität Paderborn, Besim Mazhiqi): (v. l.) Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, Prof. Dr. Nicole Priesching, Reinhold Harnisch, Prof. Dr. Matthias Bauer und Dr. des. Christine Hartig