Kul­turphäno­men Arbeit

Die Forscher*innengruppe "Kulturphänomen Arbeit" setzt sich zum Ziel, fächerübergreifende Sichtweisen zum Thema Arbeit interdisziplinär zu verschalten und miteinander in Kontakt zu bringen. Die Forschungsfragen der Gruppe lauten unter anderem:

  • Welche Vorstellungen von Arbeit (z. B. Handwerk, Dienstleistung, Geistesarbeit) und Nicht-Arbeit (z. B. Arbeitslosigkeit, Muße, Müßiggang, Freizeit, Erholung, Faulheit, Verweigerung, Spiel) werden aus medial vermittelten Perspektiven des 19. bis 21. Jahrhunderts erzeugt?
  • Welche Geschlechterordnungen (Männerarbeit, Frauenarbeit) organisieren diese Vorstellungen?
  • Welche Werthaltungen (z. B. Knochenarbeit, brotlose Kunst) werden damit konstruiert und welche Möglichkeiten der Selbsterfindung entworfen?
  • Wie konkretisiert sich die ästhetische Darstellung von Arbeit, sprich: welche Formen, Modi und Praktiken sind für die Inszenierung von Arbeitsräumen (z. B. Fabrik, Büro, Großküche), Arbeitstopografien (z. B. Industrie- und Agrarlandschaften, Brachland), von materiellem und immateriellem Milieu, aber auch von diskursiv erzeugten Gruppenzuschreibungen (z. B. Proletariat, Prekariat) beschreibbar?

Das ursprünglich aus dem Forschungspreis 2009 der Universität Paderborn hervorgegangene Projekt hat sich seit der Grundförderung als internationales Forschungsnetzwerk für Wissenschaftler*innen, die sich mit dem Themenfeld Arbeit/Nicht-Arbeit befassen, etabliert. An dem Netzwerk partizipieren derzeit Wissenschaftler*innen aus Deutschland, Großbritannien, den USA und Australien, die Perspektiven aus den Basisphilologien (Anglistik, Germanistik, Romanistik), der Komparatistik und den Medienwissenschaften zusammenbingen. Die Forscher*innengruppe realisiert diverse drittmittelgeförderte Veranstaltungen und publiziert eine eigene Schriftenreihe.

Die von der Forschergruppe organisierten Ringvorlesungen, Tandem-Seminare, Workshops und Tagungen forcieren auf nationaler und internationaler Ebene den interdisziplinären Austausch, der vor allem darauf zielt, Arbeitsbegriffe unterschiedlicher Provenienz (ökonomische, soziologische etc.) mit potenziell irritierenden kulturellen Arbeitsbegriffen zu konfrontieren. Im interdisziplinären und internationalen Dialog richtet sich das Interesse u. a. darauf, welche Bereiche kulturellen Wissens (Werte, Normen, Mythen, Ideologien) sich in die konkrete Gestaltung unserer Arbeitswelt übersetzen: Welches Bild von Arbeit und Arbeiterkultur fundiert etwa die Architektur einer Arbeitersiedlung? Welche Arbeitsideale katalysieren betriebliche Politiken (Einstellungen, Beförderungen, Entlassungen)? An welche geistesgeschichtlichen oder religiösen Traditionen und Bildarchive knüpfen aktuelle Vorstellungen von Leistung, Karriere und Würde des Arbeitenden an? Welche interkulturellen oder mehrkulturellen Kompetenzen sind mit Blick auf wachsende Arbeitsmigration und die Globalisierung der Märkte gefragt?

Da Arbeit eine Grundtätigkeit des menschlichen Lebens darstellt, ist die differenzierte Sichtung dieses Feldes und seiner weitreichenden Gravitationskräfte eine sich stetig aktualisierende Aufgabe wissenschaftlicher Forschung. Die fachliche Verantwortung für dieses Thema liegt innerhalb des Spektrums der Disziplinen.