Bibeltexte wurden nicht ein für alle Mal in Stein gemeißelt und sind nicht vom Himmel gefallen. Sie sind keine historischen Tatsachenberichte, sondern Glaubenszeugnisse. Als solche spiegeln sie die Erfahrungen und theologischen Auseinandersetzungen von Generationen von Menschen wider. Man muss also aus wissenschaftlicher Sicht Bibeltexte als Ergebnisse langer Entwicklung begreifen.

Um diese Entwicklung zu verstehen, gibt es die historisch-kritische Exegese. Sie analysiert kanonische Texte des Alten und Neues Testaments (der Hebräischen und Griechischen Bibel / des Ersten und Zweiten Testaments) mithilfe philologischer und historischer Methoden und will ergründen, welchen Sinn der biblische Text zu seiner Abfassungszeit hatte. Erst dann fragt die Exegese, wie sich dieser Sinn verändert hat, wenn sich Menschen in den verschiedensten geographischen Regionen mit ihm befasst haben, und wenn Personen unterschiedlichster Lebensumstände ihn schließlich zu ihrem eigenen Text gemacht haben.

Historisch-kritische Exegese macht keinen Schnitt zwischen Judentum und Christentum. Sie zeigt auf, dass Menschen beider Glaubenstraditionen Geschwister waren und sind, dass neutestamentliche Texte bewusst alttestamentliche Texte zitieren, dass sich das frühe Judentum und das frühe Christentum eine Zeit lang miteinander und nebeneinander entwickelten und im Gespräch waren. 

Neben der historisch-kritischen Exegese haben sich in den letzten Jahrzehnten weitere exegetische Zugänge etabliert, z.B. feministische, queere, befreiungstheologische sozialgeschichtliche und tiefenpsychologische Exegese. Auch die Rezeptionsgeschichte gehört in den Bereich der biblischen Theologie. Sie fragt danach, wie bestimmte Texte oder Motive der Bibel im Laufe der Zeit aufgegriffen und verarbeitet wurden, z.B. in Texten, Bildern oder anderen Medien.

Biblische Theologie prüft kritisch, wie die Kirche, die theologischen Nachbardisziplinen und die Öffentlichkeit mit der Bibel umgehen. Wird die Aussageabsicht der Bibel jeweils angemessen aufgenommen? Wird die Bibel für eigene Interessen funktionalisiert? Auch Bibelwissenschaftler*innen selbst müssen diese Fragen und ihre eigene Haltung immer wieder reflektieren.

Per­so­nal des Fachs Bib­li­sche Theo­lo­gie

Claudia Dorit Bergmann

Professorin - Universitätsprofessorin für Evangelische Theologie mit dem Schwerpunkt Biblische Exegese und Theologie

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Wissenschaftliche Mitarbeiterin - Biblische Theologie

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Rebecca Marie Eulenstein

Studentische Hilfskraft (SHK) - Tutorin für den Grundkurs Bibel

Konstantin-Yannik Wolters

Studentische Hilfskraft (SHK) - Biblische Theologie