Vom 9. bis 13. Juli 2023 findet in Lyon (Frankreich) die Jahreskonferenz der International Association for Media and Communication Research (IAMCR) unter dem Titel „Inhabiting the Planet: Challenges for Media, Communication and Beyond“ statt. Christian Fuchs, der Professor für Mediensysteme und Medienorganisation am Institut für Medienwissenschaften der Universität Paderborn ist, wird den Eröffnungsplenarvortrag “Humanity, Alienation, and (In)Justice in the Digital Age“ („Menschheit, Entfremdung und (Un-)Gerechtigkeit im digitalen Zeitalter“) vor rund 1.200 Teilnehmer:inne:n aus aller Welt vor Ort und vielen weiteren, die online teilnehmen, halten. Zu den Eröffnungsplenarredner:inn:n vergangener IAMCR-Konferenzen gehören bekannte Gesellschaftstheoretiker:innen und Medien- und Kommunikationswissenschaftler:innen wie Manuel Castells, Wendy Chun, Raewyn Connell, Achille Mbembe, Vandana Shiva, Armand Mattelart, Bernard Miège und Douglas Kellner.
Die 1957 mit Hilfe der UNESCO gegründete IAMCR ist mit rund 3.000 Mitgliedern aus etwa 100 Ländern und 33 Sektionen und Arbeitsgruppen, die ein breites Spektrum an Themen und Teilgebieten abdecken, die führende globale Vereinigung von Wissenschaftler:inne:n aus der kritischen Medien- und Kommunikationsforschung.
In seinem IAMCR-Plenarvortrag fragt Christian Fuchs, wie wir die Herausforderungen, vor denen die Menschheit heute steht, im Lichte der Digitalisierung am besten verstehen und erklären können. Um Antworten zu geben, stellt er die Grundlagen eines Forschungsansatzes vor, der in der Tradition des Ansatzes der Politischen Ökonomie der Kommunikation steht und kritische Theorie, kritisch-empirische Sozialforschung und digitale Ethik verbindet.
Fuchs, der ein langjähriges Mitglied der IAMCR und deren Sektion für Politische Ökonomie ist, kommentiert: „Die Menschheit steht heute an einem Scheideweg. Sie steht vor großen Risiken und Herausforderungen, die nicht durch digitale Technologien wie dem Internet, Big Data, Künstliche Intelligenz, Cloud Computing, soziale Medien, Mobiltelefone, Industrie und Arbeit 4.0 etc. verursacht, sondern durch sie vermittelt werden. Es ist ungewiss, ob Gesellschaften weiter bestehen werden und wenn ja, wie sie in fünfzig Jahren aussehen werden. Die menschliche Praxis ist der entscheidende Faktor, der bestimmt, wie wir in Zukunft leben, arbeiten, entscheiden, Konflikte lösen und Bedeutungen produzieren werden. Was die Medien- und Kommunikationswissenschaften angesichts dieser Herausforderungen heute brauchen, ist ein kritischer theoretischer, empirischer und philosophischer Ansatz zur Analyse der Gesellschaft, der Medien, der Kommunikation und der digitalen Technologien, der die Bedeutung und die Schlüsselrolle der menschlichen Praxis in der Gesellschaft in den Vordergrund stellt und darauf abzielt, die allgemeine Entfremdung und die (digitalen) Ungerechtigkeiten der Gesellschaft zu überwinden".
Mehr Informationen über die IAMCR Konferenz 2023 und Christian Fuchs’ Eröffnungsplenarvortrag:
https://iamcr.org/lyon2023/opening