Neu­er Ar­ti­kel von Chris­ti­an Fuchs in der Zeit­schrift Phi­lo­so­phy and So­ci­al Cri­ti­cism zum Ver­hält­nis von di­gi­ta­lem Fa­schis­mus und di­gi­ta­lem Ka­pi­ta­lis­mus

Christian Fuchs hat in der Zeitschrift Philosophy and Social Criticism.einen ausführlichen Forschungsartikel zum Thema „Digitaler Faschismus und digitaler Kapitalismus“ veröffentlicht: https://doi.org/10.1177/01914537261434922
Der Artikel behandelt die Fragen „Worum handelt es sich beim digitalen Faschismus?“, „Was ist der digitale Kapitalismus?“ sowie „In welchem Verhältnis stehen die beiden zueinander?“. Der Autor theoretisiert den digitalen Faschismus als zeitgenössische Form des rechten Autoritarismus, der im Kapitalismus verwurzelt ist und durch digitale Infrastrukturen neu organisiert wird. Aufbauend auf der Analyse des Autoritarismus durch die Frankfurter Schule wird Faschismus neu konzeptualisiert als terroristische, antidemokratische Organisationsform – charakterisiert durch Führerkult, Nationalismus, Freund-Feind-Schema und militantes Patriarchat –, deren Wiederaufleben durch kapitalistische Krisen beschleunigt wird. Der Artikel entwickelt einen dualen Rahmen: Faschistische Praktiken (Kognition, Kommunikation, Koproduktion) und digitale Strukturen (Plattformen, Algorithmen, Datafizierung) erzeugen sich wechselseitig, wodurch nutzergenerierter Hass, postfaktische Propaganda, algorithmisches Targeting, Cyberangriffe und digital vermittelte Gewalt ermöglicht werden. Zehn historische Hypothesen zeichnen den Wandel von Rundfunkpropaganda zu Influencer-Netzwerken, von Straßenmilizen zu teilweise automatisierten Konflikten und von offener Antidemokratie zu „schleichendem“ Autoritarismus nach, der demokratische Legitimität für sich beansprucht. Unter Einbeziehung politökonomischer Belege zeigt der Artikel, wie wichtige Teile des digitalen Kapitals, des Finanzkapitals und des fossilenKapitals/Transportkapitals aufkommende autoritäre Projekte finanzieren und legitimieren und sich so ein autoritärer digitaler Kapitalismus herausbildet, dessen Grenze zum digitalen Faschismus durchlässig ist. Die Schlussfolgerung plädiert für eine digitale Demokratie, die der Verschmelzung von Großunternehmen und Großmacht im digitalen Zeitalter entgegenwirkt.