Vor­trag auf der DGfS-Jah­res­ta­gung 2026 in Trier: Zur psy­cho­lin­gu­is­ti­schen Fun­die­rung gram­ma­tik­di­dak­ti­scher Me­tho­den (AG 8) (Re­view­ver­fah­ren)

Syntaxerwerb von der Primar- zur Sekundarstufe 
Linguistisch-topologische Analyse schriftlicher Erzählungen

Elvira Topalović & Sonja Sperling
Universität Paderborn

In Diskursen verschiedener Forschungsdisziplinen wird immer wieder hervorgehoben, dass erfolgreiches grammatisches Lernen einer Passung zwischen Spracherwerb und Sprachvermittlung bedarf (vgl. z.B. Geyer/Müller 2024). Um den Erwerb syntaktischer Fähigkeiten zu beschreiben, haben sich sowohl in der Erst- als auch in der Zweitspracherwerbsforschung Verfahren etabliert, die auf dem wirkmächtigen topologischen Modell beruhen (vgl. z.B. die Meilensteine von Tracy 2011). Ähnliches gilt für die Sprachvermittlung: Das Feldermodell, das im DaF-/DaZ-Unterricht seit langem etabliert ist, wurde mittlerweile auch in Bildungsstandards für das Fach Deutsch und in länderspezifische Lehrpläne implementiert (vgl. Betzel/Kleinbub 2025) und dürfte seit der Aufnahme des Terminus „Felderstruktur“ in das Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke (2019) auch vermehrt Einzug in Lehr-/Lernmedien finden. Das große Potential des topologischen Modells ergibt sich damit nicht nur aufgrund seiner Verankerung in Forschung und Praxis (vgl. ihre explizite Verknüpfung in Wöllstein 2015), sondern auch aufgrund seines Einsatzes unabhängig vom Erwerbskontext des Deutschen (DaE, DaZ, DaF). Ausgehend von schriftlichen Erzählungen (n=464), die zu vier Erhebungszeitpunkten im Dezember/Januar des 3., 4., 5. und 6. Schuljahres erhoben wurden, wollen wir in einem quantitativ-qualitativem Zugriff anhand einer linguistisch-topologischen Korpusanalyse (vgl. Lemnitzer/Zinsmeister 2015) die folgenden Fragen beantworten: Wie entwickeln sich die syntaktischen Fähigkeiten von Schüler/innen vom 3. bis zum 6. Schuljahr weiter? Wie verändert sich die syntaktische Komplexität und die Besetzung der Felder? Welche syntaktischen und semantischen Funktionen werden abgedeckt? Die Ergebnisse sollen auch mit Blick auf unterrichtspraktische Implikationen diskutiert werden.

References:Betzel, Dirk/Kleinbub, Iris (2025): Das topologische Modell im Sprach-unterricht – eine Interviewstudie mit Sekundarstufenlehrkräften. In: Research on Language 2(1), S. 34–55. Geyer, Sabrina/Müller, Anja (2024): On the use of (second) language acquisition research for grammar education – a language-acquisition-sensitive approach. In: Zaychenko, Katharina/Härtl, Holden (Hrsg.): Grammatical Categories in Linguistics and Education. Berlin: De Gruyter. S. 121–141.Lemnitzer, Lothar/Zinsmeister, Heike (2015): Korpuslinguistik. Eine Einführung. 3., überarb. und erw. Auflage. Tübingen: Narr Francke Attempto. Tracy, Rosemarie (2011): Wie Kinder Sprachen lernen. Und wie wir sie dabei unterstützen können. 2., überarb. Aufl. Tübingen: Narr Francke Attempto. • Wöllstein, Angelika (Hrsg.) (2015): Das topologische Modell für die Schule. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.