Im Wintersemester 2025/26 übernimmt der Romanautor, Lyriker und Essayist Prof. Dr. Michael Lentz die 44. Paderborner Gastdozentur für Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Das Angebot des Instituts für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft sowie des Zentrums für deutschsprachige Gegenwartsliteratur der Universität Paderborn wird von Prof. Dr. Norbert Otto Eke und Prof. Dr. Stefan Elit organisiert und findet ab dem 8. Dezember montags um 16.15 Uhr im Hörsaal G statt (Ausnahme: am 12. Januar 2026, siehe unterhalb). Der Eintritt ist frei.
Die Veranstaltungsreihe unter dem Titel „Locker geordnet, tiefer gelesen. Über Form als Verfahren“ startet am 8. Dezember mit einer Auftaktlesung aus zwei neueren Werken des Autors: „Heimwärts“ (Roman, 2024) und „Chora“ (Gedichte, 2023). Es folgen drei Vorträge und eine Sonderlesung: am 15. Dezember trägt Lentz vor zu „Schwebende Ornamentik trifft Monsters Monument. Über Otto Nebels ‚Locker geordnet‘ und Ilse Aichingers ‚Hemlin‘“, am 12. Januar veranstaltet er im Deelenhaus in der Kramerstraße 8-10 die Sonderlesung „Zig Seltenes. Konzert mit Gunnar Geisse und Michael Lentz - mit Texten von Eugen Gomringer, Ernst Jandl, M.L., Renate Rasp u.a.“, am 19. Januar trägt Lentz vor zum Thema „‚daß ich zu dir hin bin –: nimm. Verlier.‘ Form als dynamisches Verfahren bei Rainer Maria Rilke“, gefolgt von einem Abschlussvortrag zum Thema „‚und dann erst aus der Form nehmen‘. Kaleidoskopisches Erzählen in Roman ‚Heimwärts‘“. Am Dienstag, dem 27. Januar 2026, ergänzt ein wissenschaftliches Symposium zum Werk des Autors, das von 9 bis 17 Uhr in der Studiobühne der Universität Paderborn stattfindet, das Programm.
Die Organisatoren freuen sich sehr, den bekannten Schriftsteller und Dozenten am renommierten Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig für die diesjährige Gastdozentur gewonnen zu haben – Andreas Platthaus hatte seinerzeit Lentz‘ „Requiem“ „Schattenfroh“ in der F.A.Z. als „gigantisches Vexierspiel“ gewürdigt: „sogkräftig und rätselhaft wie Hieronymus Boschs Visionen, rhythmisch zwischen Zeit, Ort und Handlung hin- und herspringend, vom Tragischen ins Komische und wieder zurück kippend und reich an literarischen und kunsthistorischen Referenzen“. Das kann mit Fug und Recht für alle Arbeiten des Autors und Laut-/Tonkünstlers Michael Lentz gelten, der mit seinen Büchern, seinen Lesungen und Konzerten eines der beeindruckendsten Gesamt-Werke der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur vorgelegt hat.
Michael Lentz ist ein das weite Feld der Künste durchwandernder Randgänger an den Grenzen der Medien (Literatur, Lautpoesie, Performance) und Gattungen (Roman, Prosa, Gedicht, Lautpoesie), der Dialogkontexte zwischen Literatur und Kunst herzustellen sich regelrecht zum Programm gemacht hat. Vom Lesen hat er einmal geschrieben, es heiße „sich ernähren. Sich anspornen. Sensibel bleiben. Den Faden fortzuspinnen“ und „Zuflucht [zu] nehmen zu den Büchern anderer Autoren und Autorinnen“. Vom Schreiben, vom Schreiben des Wort- und Lautkünstlers Michael Lentz, das in immer wieder überraschender und zugleich irritierender Weise die imaginären Bänder, die die Künste verbinden, produktiv in Schwingung zu versetzen weiß, lässt sich dies in gleichem Maße sagen. Es öffnet Weiten und es schwingt mit in einem von Büchern, Wörtern, Lauten und Tönen gefüllten Raum der Kunst. Dabei folgt Michael Lentz in augenfälliger Weise der Idee, dass Kunst die Wirklichkeit nicht nachstellen darf, sondern sie allererst einmal wieder vorstellbar machen muss, und zwar jenseits des in den Massenmedien produzierten Überangebots an sprachlichen, visuellen und akustischen Zeichen.
Über den Autor
Michael Lentz, geboren am 15.5.1964 in Düren, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie in Aachen und München. 1998 wurde er an der Universität Siegen mit einer Dissertation über Lautpoesie und -musik nach 1945 promoviert. Als Saxofonist und Sprecher hat er regelmäßige Auftritte und Konzerte, seit 1989 im Ensemble des Komponisten Josef Anton Riedl, dessen Schüler er ist. Nach Gast- und Vertretungsprofessuren am Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig seit Herbst 2006 ebendort Professor für Literarisches Schreiben. Präsident der Freien Akademie der Künste zu Leipzig, wo er auch die Reihe „Projektionen. Poesie und Film“ kuratiert. Frankfurter Poetik-Vorlesungen (2012/13), Literatur-Dozentur für Weltliteratur der Universität zu Köln (2013), Ernst-Jandl-Dozentur für Poetik, Wien (2019). Aufenthaltsstipendium Künstlerhaus Villa Waldberta, München (2023). Michael Lentz lebt in Berlin.
Weitere Informationen zum Dozenturprogramm siehe auf der Webseite der Gastdozentur.
Kontakt: elit@mail.upb.de
Aktuelle Hinweise (Änderungen, Ausfälle): http://www.uni-paderborn.de