Fünf neue Ver­öf­fent­li­chun­gen aus un­se­rer Ar­beits­grup­pe

Wir freuen uns über fünf neue Veröffentlichungen aus verschiedenen Projekten unserer Arbeitsgruppe.

Zum Spracherwerb gibt es Neues in den Projekten “EASE”, “sprachliche Kreativität” und “CULSHY”, zu Erklärprozessen aus dem Transregio aus dem Projekt "A02: Verstehensprozess einer Erklärung".


EASE (Early Semantic Development):

Eine neue Auswertung einer Eye Tracking Studie zeigt, dass zehn Monate alte Säuglinge Wörter besonders gut lernen, wenn sie Objekte gemeinsam mit einer anderen Person erkunden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass soziale Interaktion den Aufbau des Wortverständnisses unterstützt – im Gegensatz zum Einfluss visuell auffälliger Objekte. Zugleich hängt der Lernerfolg vom einzelnen Kind ab: Babys, die sich weniger stark von visuell auffälligen Objekten ablenken ließen, zeigten bessere Wortlernleistungen.
(English: A new analysis of data of an eye-tracking study shows that 10-month-old infants learn words best when they explore objects together with another person. The study shows infants’ receptive word learning benefits from social interaction, in contrast to the influence of visual salient objects. However, learning also depends on the infant: babies who are less drawn to salient objects showed better word learning.)

→ Wildt, E., Singh, A., & Rohlfing, K. J. (2026). Infants’ individual sensitivity to saliency shapes early word learning in social interaction. Acta Psychologica, 266, Article 106977. https://doi.org/10.1016/j.actpsy.2026.106977


C04: Zur Rolle sprachlicher Kreativität im Sprachgebrauch

Diese Studie untersucht, wie junge Kinder Gesten einsetzen, um sprachliche Herausforderungen zu bewältigen, wenn sie den falschen Gebrauch von Alltagsgegenständen durch eine Handpuppe korrigieren und diese Ereignisse später einem Elternteil schildern. Die Kinder benutzen im ersten Teil mehr Zeigegesten, und die vorherige Interaktion mit den Objekten erleichterte das spätere verbale Erinnern. Zudem zeigt die Studie, dass Kinder Gesten kreativ nutzen, um Bedeutung zu vermitteln.
(English: This study explores how young children use gestures to overcome lexical challenges when correcting a puppet’s misuse of everyday objects and later describing these events to a parent. Children produced more pointing gestures in the first part, and their earlier object interaction supported later verbal recall. The study also shows that children use gestures creatively to express meaning.)

→ Wang, L., & Rohlfing, K. J. (2026). Multimodal strategies for resolving lexical challenges: The role of situational resources and creative gestures in four- and five-year-old children. Acta Psychologica, 267. Article 106992. https://doi.org/10.1016/j.actpsy.2026.106992


CULSHY – Cross-cultural studies on shyness

Dieses Methodenpaper stellt ein Forschungsdesign vor, das Kinder in einer Interaktion mit einem sozialen Roboter dazu anregt, Gesten zu verwenden. Es beschreibt einen strukturierten und zugleich natürlichen, aufgabenorientierten Ansatz zur Erhebung vergleichbarer Daten aus verschiedenen kulturellen Kontexten.
(English: This methods paper presents a research design that encourages children to use gestures in interaction with a social robot. It outlines a structured yet natural, task-oriented approach for collecting comparable data from children in different cultural settings.)

→ Tolksdorf, N. F., Rohlfing, K. J., Grimminger, A. & Sekine, K. (2026). Social robots as a method for cross-cultural gesture elicitation in children. Frontiers in Communication. (Veröffentlichung vorauss. nächste Woche)


A02: Verstehensprozess einer Erklärung

Der Blickkontakt der Gesprächspartner trägt zur Steuerung von Erklärungen bei. Wenn beide Gesprächspartner voneinander wegschauen, ist es wahrscheinlicher, dass ein Thema beendet wird, während gegenseitiger Blickkontakt weniger eindeutig scheint. Gegenseitiger Blickkontakt erfüllt unterschiedliche Funktionen in einer Interaktion, etwa die Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit und die Steuerung von Rückmeldungen.
(English: The eye gaze of conversation partners coordinate the flow of explanations. When both conversation partners look away from each other, topics are more likely to end, whereas looking at each other is not as clear, as it supports several interactional goals, including maintaining attention and managing feedback.)

→ Lazarov, S., & Grimminger, A. (2026). How are gaze aversions and mutual gaze related to the topical development of dyadic explanatory interactions? Journal of Nonverbal Behavior. https://doi.org/10.1007/s10919-026-00512-8
 

Zudem untersuchen wir sog. Self-Adaptors, also körperbezogene Handbewegungen, die Menschen ausführen, um z.B. Stress oder Unwohlsein zu reduzieren. Diese Self-Adaptors werden aber auch in Zusammenhang mit kognitiv anspruchsvollen Aufgaben diskutiert. In unserer Studie haben wir dieses Verhalten in Erklärinteraktionen in Zusammenhang mit der Erklärung von neuen oder bereits bekannten Informationen analysiert.
(English: We also examine so-called self-adaptors—that is, body-related hand movements that people perform to reduce stress or discomfort, for example. However, these self-adaptors are also discussed in the context of cognitively demanding tasks. In our study, we analyzed this behavior in explanatory interactions involving the explanation of new or already known information.)

→ Lazarov, S., Türk, O., Wagner, P. & Grimminger, A. (im Druck). Self-adaptors while listening about novel and repeated topics in explanations. Proceedings of the Cognitive Science (CogSci 2026).