DMMK-Expertenvortrag mit PD Dr. Raid Al-Daghistani
Am 10.06.2026 hielt PD Dr. Raid Al-Daghistani (PIIT, Universität Paderborn) im Rahmen der Expertenvortragsreihe des Deutschsprachigen Multinationalen Muslimkreises (DMMK) e. V. einen Vortrag zum Thema „Jenseits von Halal und Haram: Ein Versuch über die islamische Ethik aus dem Geiste des Sufismus“.
Im Vordergrund seines Vortrags stand die Frage nach dem grundlegenden Verhältnis zwischen Mystik und Ethik, sowie die Frage, inwiefern insbesondere die sufische Ethik einen Beitrag zum heutigen islamischen Ethikdiskurs leisten kann. Dr. Al-Daghistani betonte dabei, dass der Sufismus sowohl eine Ergänzung als auch eine gewisse Herausforderung für eine Religiosität darstellt, die sich auf einen offenbarten Text beschränkt, insofern er lehrt, dass ein religiös-moralisches Wissen nutzlos ist, wenn es nicht über die Texte hinaus im Innersten des Menschen verkörpert wird. In diesem Zusammenhang betonte er in Anlehnung an Kevin A. Reinhart, dass es inkorrekt und inkonsistent wäre, die Frage der islamischen Ethik lediglich auf die Vorschriften und Normen der islamischen Jurisprudenz zu reduzieren oder diese nur mit dem ethischen-religiösen Diskurs der klassischen islamischen Theologen gleichzusetzen. Er argumentierte, dass mithilfe des Sufismus im Sinne eines Weges moralisch-religiöser Selbstvervollkommnung – Sufismus als „hypernomische Kraft“ (Paul L. Heck) – islamische Moral mehr als nur eine Frage der textuellen Interpretationen und/oder der juristischen Formulierungen sei. Vor diesem Hintergrund plädierte er für die stärkere Berücksichtigung der sufischen Tradition, wenn es um ethisch-moralische Fragen im Islam geht.
Die gut besuchte Veranstaltung fand ihren Ausklang in einer lebhaften Diskussionsrunde, die das große Interesse und die hohe Relevanz des Themas eindrucksvoll widerspiegelte.
Foto: DMMK










