Der Datenraum Kultur als Leuchtturmprojekt aus der Digitalisierungsstrategie der Bundesregierung

Über die neue Digitalstrategie fördert die Bundesregierung 18 Leuchtturmprojekte. Eines der Projekte ist der Datenraum Kultur, ein Gemeinschaftsprojekt von verschiedenen nationalen Organisationen und Verbänden aus dem Kultursektor. Auch der SICP der Universität Paderborn wirkt im Datenraum Kultur mit, indem er die Vernetzung von digitalen Kulturplattformen ermöglicht und vorantreibt. Prof.in Dr.in Beate Flath und Maryam Momen Pour Tafreshi sind Teil des Projektteams.

Im August 2022 hat die Bundesregierung ihre neue Digitalstrategie vorgestellt. Koordiniert vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr soll die Digitalstrategie die gemeinsame Anstrengung der digitalpolitischen Schwerpunkte und Ziele vorantreiben. Im Bereich Kultur und Medien wird dabei ein Leuchtturmprojekt gefördert, an welchem auch der SICP der Universität Paderborn die digitale Zukunft Deutschland mitgestaltet: Der Datenraum Kultur.  

Das Projekt Datenraum Kultur wird seit Anfang des Jahres 2023 durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Claudia Roth, Staatsministerin für Kultur und Medien, visualisiert den Datenraum Kultur wie folgt: „Dort sollen virtuelle mit realen Angeboten verschmelzen, soll Vernetzung leichter möglich sein. Wichtig ist dabei, dass die Datenhoheit wie auch die Erlöse bei den Kunst- und Kulturschaffenden bleiben und deren geistiges Eigentum respektiert wird.“ Doch was verbirgt sich technisch hinter einem Datenraum, und wie kann ein Datenraum verschiedene Kulturinteressierte und Kulturschaffende verbinden? 

Digitale Plattformen wie Amazon oder Uber ermöglichen die Interaktion unterschiedlicher Akteursgruppen, bspw. Käufer*innen und Verkäufer*innen oder Fahrer*innen und Mitfahrer*innen. Bei digitalen Plattformen haben die Betreiber*innen der Plattform einen großen Einfluss auf die Interaktionsmöglichkeiten von Akteur*innen und verfügen über alle Daten, die aus den Interaktionen resultieren – bspw. getätigte Einkäufe oder Interessen. Diese zentralisierten Machtstrukturen und Datenhoheiten auf digitalen Plattformen sollen durch Datenräume durchbrochen werden. Ein Datenraum ermöglicht es mehreren Teilnehmer*innen einer Branche, Daten direkt und ohne zentrale Instanz auszutauschen. Es gibt also keine zentrale Speicherung, sondern eine Vernetzung der einzelnen Akteur*innen. So können die Rechte an den Daten bei den Eigentümer*innen bleiben und der Datenaustausch wird dezentral, transparent und offen.  

Datenräume werden aktuell in verschiedenen Bereichen entwickelt: Der Mobility Data Space vernetzt Lieferant*innen und Nutzer*innen von Mobilitätsdaten, bspw. Verkehrsinformationen, Wetterdaten und Daten zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Mit Catena-X haben sich verschiedene Unternehmen in der Automobilindustrie zum Austausch von Daten im Zusammenhang mit der Wertschöpfungskette zusammengeschlossen. Auf europäischer Ebene ist mit dem European Health Data Space (EHDS) ein Datenraum zur Vernetzung von digitalen Gesundheitsdaten unter Einhaltung von Datenschutzstandards geplant.  

Der Datenraum Kultur ermöglicht verschiedenen Akteur*innen aus dem kulturellen Sektor den Austausch von Daten. Dazu zählen bspw. Organisator*innen von Veranstaltungen und kulturellen Events, Kulturplattformen wie OWL live, Künstler*innen und Betreiber*innen von Veranstaltungsorten. Auch Kulturinteressierte können von dem Datenaustausch profitieren. So erhalten sie u.a. einen einfacheren und regionenübergreifenden Zugriff auf Veranstaltungsinformationen oder können an digitalen Ausstellungen teilhaben.  

Konkret ist der SICP der Universität Paderborn an dem Anwendungsfall Vernetzte Kulturplattformen am Projekt Datenraum Kultur beteiligt. Ziel ist es dabei, die verschiedenen regionalen Kulturplattformen über den Datenraum zu vernetzen, sodass nicht kommunale oder regionale Grenzen auch automatisch Zuständigkeiten anderer Kulturplattformen bestimmen. Über den SICP sind dabei Prof. Dr. Daniel Beverungen (Lead), Prof. Dr. Dennis Kundisch, Prof. Dr. Oliver Müller und Prof. Dr. Beate Flath mit ihren Lehrstühlen beteiligt. Zudem sind mit der OstWestfalenLippe GmbH, die die Entwicklung von OWL live ermöglicht, sowie der Landschaftsverband Südniedersachsen e.V. mit dem Kulturportal kulturis in das Projekt eingebunden.  

Prof.in Dr.in Beate Flath beschreibt, was sie sich vom Datenraum Kultur erhofft: „Kulturelle Veranstaltungen sind sinnstiftende Erlebnisräume, sie ermöglichen kulturelle sowie soziale Teilhabe und prägen Gemeinschaften. In diesem Sinne ist eine vitale Kultur- und Veranstaltungsbranche gesellschafts- und demokratiepolitisch höchst bedeutsam. Vor diesem Hintergrund bietet der Datenraum Kultur mannigfaltige Möglichkeiten, die Kultur- und Veranstaltungsbranche in ihrer Lebendigkeit und Vielfalt zu stärken. Der Anwendungsfall Vernetzte Kulturplattformen trägt in diesem Zusammenhang nicht nur dazu bei, diese Vielfalt sichtbar und erlebbar zu machen, sondern ist auch Motor für die Entwicklung innovativer Ankündigungs-, Kommunikations- und Veranstaltungsformate.“  

Neben dem Anwendungsfall Vernetzte Kulturplattformen werden noch drei weitere Ziele im Datenraum Kultur verfolgt. Im Anwendungsfall Smarte Dienste für multimediale Angebote in Museen werden zum Anlass des 250. Geburtstags von Casper David Friedrich multimediale Ausstellungsformate entwickelt. Der Anwendungsfall Maßgeschneiderte Angebote für Theaterfreunde widmet sich der Vereinheitlichung und Entwicklung von maschinenlesbaren Theaterspielplänen. Im Anwendungsfall Plattformen für gemeinsames Musizieren verfolgt das Ziel, dass Musiker*innen unabhängig von ihrem Ort in Deutschland über digitale Technologien miteinander musizieren können. Das Projekt Datenraum Kultur wird dabei von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften koordiniert.  

Ansprechpartner*innen

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Maryam Momen Pour Tafreshi

Populäre Musik und Medien

Forschungsprojekt "Datenraum Kultur"

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