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Vier neue Ein­trä­ge im Lan­des­in­ven­tar des Im­ma­te­ri­el­len Kul­tur­er­bes von Nord­rhein-West­fa­len

Im siebten Bewerbungs- und Auswahlverfahren zur Aufnahme in die Verzeichnisse des Immateriellen Kulturerbes hat das Land Nordrhein-Westfalen vier weitere Kulturformen in das Landesinventar eingetragen: den Blumenkorso, das Divertissementchen der Cäcilia Wolkenburg, den Gymnicher Ritt sowie Teckel (Dackel, Dachshund) als Ausdruck gelebter Kultur.

Seit 2013 dokumentiert Nordrhein-Westfalen mit dem Landesinventar kulturelle Ausdrucksformen im Land. Gruppen und Gemeinschaften können ihre Praxis selbst zur Aufnahme vorschlagen. Die Entscheidung erfolgt auf Empfehlung der unabhängigen Landesjury für Immaterielles Kulturerbe und wird durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft bestätigt.

Mit den aktuellen Neuaufnahmen wächst das Verzeichnis auf nunmehr 23 Einträge und bildet die kulturelle Vielfalt des Landes in besonderer Weise ab: Von mündlich überlieferten Traditionen und Ausdrucksformen über darstellende Künste sowie gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste bis hin zu Wissen und Praktiken im Umgang mit Natur und Universum und traditionellen Handwerkstechniken sind aus allen Regionen Nordrhein-Westfalens entsprechende Kulturformen vertreten.

Ministerin Ina Brandes betont: „Das Immaterielle Kulturerbe wird maßgeblich von ehrenamtlichem und generationenübergreifendem Engagement getragen und bildet vielerorts einen kulturellen Knoten- und Ankerpunkt in Städten und Gemeinden Nordrhein-Westfalens. Die neu aufgenommenen Kulturformen zeigen eindrucksvoll, wie lokale und regionale Gemeinschaften Traditionen gestalten, weiterentwickeln und damit unsere kulturelle Infrastruktur nachhaltig stärken.

Das Landesinventar des Immateriellen Kulturerbes Nordrhein-Westfalen ist Teil der Umsetzung des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes von 2003, dem die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2013 beigetreten ist. Ziel des Übereinkommens ist es, die Sichtbarkeit und Weiterentwicklung lebendiger kultureller Praktiken zu fördern. In diesem Rahmen werden Kulturformen auf Landes- und Bundesebene identifiziert und dokumentiert. 

Die Neuaufnahmen im Auswahlverfahren 2025-26 in das Landesinventar des Immateriellen Kulturerbes in Nordrhein-Westfalen sind:

Blumenkorso – lebendige Kulturform der gemeinschaftlich gestalteten Blumenumzüge beispielhaft vertreten durch den Blumenkorso Legden: Beim Blumenkorso werden kunstvoll mit Blumen geschmückte Wagen in Umzügen präsentiert. Ein besonders prägnantes Beispiel stellt der Blumenkorso in Legden dar, bei dem Nachbarschaften, Familien und Vereine in aufwendiger Handarbeit Motivwagen mit Blüten gestalten. Charakteristisch ist, dass ausschließlich Kinder auf den Wagen mitfahren und damit in besonderer Weise im Zentrum der Traditionsweitergabe stehen. Die Kulturform fördert gemeinschaftliches Engagement und bleibt zugleich offen für zeitgenössische Themen und Ausdrucksformen, wodurch Traditionsweitergabe als dynamischer Prozess sichtbar wird.

Divertissementchen der Cäcilia Wolkenburg: Das Divertissementchen ist eine jährlich zur Karnevalszeit aufgeführte Bühnenpraxis, die Elemente von Operette, Revue, Schauspiel und Chorgesang miteinander verbindet. Getragen von der Bühnenspielgemeinschaft im Kölner Männer-Gesang-Verein ist die Kulturform fest in der Kölner Stadtkultur verankert und wird generationenübergreifend weitergegeben. Die Aufführung in kölscher Mundart trägt zur Bewahrung und zugleich zur lebendigen Weiterentwicklung sprachlicher Vielfalt bei. Zugleich ist die kontinuierliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und zeitgenössischen Themen Ausdruck einer lebendigen und dynamischen Traditionspraxis.

Gymnicher Ritt: Der Gymnicher Ritt ist eine jährlich an Christi Himmelfahrt stattfindende Reiter- und Fußpilgerprozession in Erftstadt-Gymnich. Die Kulturform verbindet religiöse, gesellschaftliche und festkulturelle Elemente und schafft einen öffentlichen Raum, in dem religiöse Tradition, lokales Selbstverständnis und soziale Begegnung miteinander verschränkt werden. Unter Mitwirkung zahlreicher lokaler Vereine wird die Praxis generationenübergreifend weitergegeben und prägt als identitätsstiftendes Ereignis den lokalen Jahreslauf.

Teckel (Dachshund, Dackel) als Ausdruck gelebter Kultur: Die um den Teckel entwickelte kulturelle Praxis stellt eine vielschichtige Ausdrucksform gelebter Alltagskultur dar. Sie verbindet Haltung und Nutzung mit sozialen, symbolischen und gemeinschaftlichen Dimensionen. In Vereinsstrukturen wird Wissen generationenübergreifend weitergegeben und in gemeinschaftlichen Aktivitäten gepflegt. Darüber hinaus ist der Teckel als kulturelle Figur in Alltagskultur, Bildtradition, Literatur, Karikatur und populärkulturellen Kontexten präsent. Diese breite gesellschaftliche Verankerung verweist auf eine langfristige kulturelle Einbettung, die weit über seine Funktion als Jagd- und Gebrauchshund hinausgeht.

Der Start der nächsten Bewerbungsphase für die Aufnahme ins Landesinventar und Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes ist für das Frühjahr 2028 geplant. Die Landesstelle Immaterielles Kulturerbe NRW an der Universität Paderborn berät und unterstützt Interessierte im Bewerbungs- und Auswahlverfahren. Weitere Informationen und die bisherigen Einträge im Landesinventar finden Sie hier.