Her­bert Grö­ne­mey­er, Mi­cha­el Lentz und das Rät­sel Punc­tum in der Mu­sik­pro­duk­ti­on. Ein Nach­be­richt

Die 44. Paderborner Schriftstellergastdozentur, die dieses Mal der Literat, Musiker und Wissenschaftler Prof. Dr. Michael Lentz innehatte, wurde am 27.01.2026 mit einem interdisziplinären wissenschaftlichen Symposium für den Poetikdozenten abgeschlossen. Dazu haben Prof. Dr. Christoph Jacke (stellvertretender geschäftsführender Direktor von C:POP - Transdisciplinary Research Center for Popular Music Cultures und Creative Economies) und Joshua Wick (Vorstandsmitglied C:POP) einen Vortrag mit dem Titel: „Rätsel Punctum in der Musikproduktion am Beispiel Herbert Grönemeyer: Berührungen durch popmusikkulturelle Images” beigesteuert.

In der Studiobühne der Universität Paderborn wurden verschiedenste Werke und Seiten von Autor Lentz besprochen, analysiert und diskutiert, wie auch seine Biografie „Grönemeyer“ (2024). Prof. Jacke und Wick nahmen hieraus eine These des Autors bezüglich des Punctums in Herbert Grönemeyers Stimme, in der Lentz das Besondere der Popmusikkulturen in Anlehnung an den Pop- und Kunsttheoretiker Diedrich Diederichsen herausarbeitet, und setzten sie in den Zusammenhang mit eigenen Analysen und Modellen von Stars, Images und Popmusikkulturen. Der Begriff „Punctum“ beschreibt hier, ausgehend vom berühmten Kultur- und Literaturtheoretiker Roland Barthes‘ ursprünglichen Überlegungen zur Fotografie‚ einen besonders wirksamen Moment in der Rezeption von produzierter Musik, der einen Song für einen selbst faszinierend und ansprechend macht und vor allem als Spur der Echtheit von Künstler*innen wahrgenommen werden kann.

Lentz benennt als Punctum in seinem Beispiel unverkennbare Qualitäten von Grönemeyers Stimme, die auch zum Teil eng mit seinem eigenen Körper zusammenhängen. Hier setzen Prof. Jacke und Wick an und bewerten dieses Punctum als Mittel, um Authentizität und Nähe zu schaffen, was wiederum zum Image von Grönemeyer beiträgt. Das Spiel zwischen Fremdheit und Nähe, Star- und Privatperson, Show und Authentizität gehöre zu den entscheidenden Merkmalen des Images eines Stars.

Nach einer anregenden Diskussion im Anschluss an den Vortrag und mit diesem gelungenen Beispiel interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Literaturwissenschaften und Popular Music Studies endete die 44. Schriftstellergastdozentur. Jacke und Wick beabsichtigen, auch im Rahmen eines größeren Forschungsprojekts zu dem Thema weiter mit Prof. Lentz ins Gespräch zu kommen.

Zudem ist von den Veranstaltenden Prof. Dr. Norbert Eke und Prof. Dr. Stefan Elit vom Instituts für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft eine Publikation mit den Beiträgen des Symposiums geplant.

Prof. Dr. Christoph Jacke (links) und Joshua Wick (rechts) beim Vortrag in der Studiobühne. Foto: Alyssia Ron
Prof. Dr. Christoph Jacke (rechts) und Joshua Wick (links) beim Vortrag in der Studiobühne. Foto: Alyssia Ron

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