2012 Aus­wärtiges Amt in Ber­lin: Wel­terbe in Deutsch­land. Per­spekt­iven­wech­sel

Katalog zur Ausstellung im Auswärtigen Amt (PDF)

Anlässlich des Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt, das vor 40 Jahren im November 1972 von der Generalkonferenz der UNESCO in London verabschiedet worden ist, präsentierte das Auswärtige Amt in Berlin im Lichthof die Ausstellung „Welterbe in Deutschland. Perspektivenwechsel“. Vorgestellt wurde eine Vielfalt an Perspektiven zu den 36 deutschen Welterbestätten und eine Präsentation des kunst- und museumspädagogischen Konzeptes „Welterbe im Koffer“ der Universität Paderborn. Die ausgewählten 8 Museumskoffer repräsentierten das vielfältige Spektrum des UNESCO Weltkultur- und -naturerbes in Deutschland und luden zum multisinnlichen Erleben verschiedener Welterbestätten ein.

Kof­ferkonzepte

Sabrina Zimmermann (szimmermann6[at]gmx.de)
Der Museumskoffer bietet theoretisch und praktisch orientierte Zugänge zum Thema „Natur und Naturdarstellungen“. Texte bieten Einführungen in unterschiedliche Themenkomplexe:

  • 1. Renaissance und Albrecht Dürer
  • 2. Die Epoche der Romantik
  • 3. Literatur der Romantik

Des Weiteren eröffnet der Museumskoffer eine praktische künstlerisch-ästhetische Auseinandersetzung mit verschiedenen Themen - wie Natur, Wald, Tiere und Pflanzen.
Anhand seiner Tier- und Pflanzenaquarelle kann sich exemplarisch mit dem Œuvre Albrecht Dürers auseinandergesetzt werden. Neben einer Einführung in die Technik der Aquarellmalerei, bietet der Museumskoffer eine Vielzahl von Tierpräparaten, Pflanzen und Pflanzenteilen, Baumrinden, Zähnen und Federn, die als Sujets für eigene Arbeiten nach dem Vorbild Dürers genutzt werden können und sollen.
Unter dem Überthema „Von der Naturdarstellung zur Seelenlandschaft´“ beleuchtet der Museumskoffer zudem die Epoche der Romantik. Ausgehend von der Betrachtung der Entstehung der Landschaftsmalerei im Allgemeinen, werden weiterführend verschiedene Künstler (Caspar David Friedrich, William Turner, John Constable, Eugène Delacroix u.a.) und deren Werk behandelt.
Mit ausgewählten literarischen Werken (von Novalis, Kleist, Goethe bis zu den Märchen der Gebrüder Grimm) eröffnet der Koffer eine weitere Ebene der Auseinandersetzung mit der Epoche der Romantik im Kontext der Naturdarstellung. 

Diana Köckerling (nana86[at]online.de)

Die Barbarathermen, die Thermen am Viehmarkt und die Kaiserthermen in Trier wurden 1986 in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen. Sie sind Teil der zahlreichen und qualitativ hochwertigen Denkmäler in Trier, die ein außergewöhnliches Zeugnis der vierhundertjährigen römischen Epoche liefern. Die Barbarathermen, die in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts nach Christus unter Mark Aurel errichtet wurde, war die erste große Thermenanlage in Trier und auch die Einzige, die effektiv als Therme bis Anfang des fünften Jahrhunderts genutzt wurde. Sie war die größte Anlage nördlich der Alpen und die zweitgrößte im gesamten Imperium Romanum, was wiederum die politische Bedeutsamkeit und den damaligen Reichtum der Stadt Trier betont. Die Bauarbeiten der Kaiserthermen begannen Ende des dritten Jahrhunderts nach Christus, doch der geplante Bau wurde Mitte des vierten Jahrhunderts als Kaserne fertig gestellt. Die kleinere Thermenanlage am Viehmarkt wurde erst bei der Anlage einer Tiefgarage von 1987 bis 1994 entdeckt. Der Museumskoffer eröffnet die Möglichkeit, diese Welterbestätte durch unterschiedliche Zugänge zu erkunden. Fünf Themenbereiche, wie beispielsweise das römische Heizsystem oder die Kunst der Glasherstellung, können anhand von Replikaten, einem Wasserexperiment, römischer Kleidung, einem Modell und vielen Informationsmaterialien erschlossen werden. Der Koffer kann Ausgangspunkt einer fächerübergreifenden Unterrichtseinheit sein, aber auch in reduzierter Form verwendet werden. 

Kerstin Albers- Büker (Kunst-albers[at]online.de)

Der Künstler Paul Klee gibt uns mit seinen Handpuppen, die er für seinen Sohn Felix geschaffen hat, Einblick in seine innere Gedankenwelt und erschließt uns die private Welt der Familie Klee, bis in die intimsten Bereiche. Die Puppen sind in den Jahren von 1916-1925 entstanden und spiegeln in ihrem Aussehen das Gedankengut ihrer Zeit. Die ersten Handpuppen 1916 erinnern an die klassischen Jahrmarktsfiguren, spätere Handpuppen sind freier und fantasievoller gestaltet. Das Puppentheater hat zu allen Zeiten die Zuschauer begeistert und die Fantasie der Menschen beflügelt. In der Bauhauszeit diente es Felix Klee als Medium, Geschichten und Begebenheiten aus seinem Umfeld einem großen Publikum zu zeigen und die Menschen zum Nachdenken und zum Lachen anzuregen. Der Museumskoffer enthält Material aus dem die Handpuppen bestanden und den Nachbau von fünf sehr fantasievollen Puppen Klees. Ein Nachbau seiner Bühne vervollständigt die Präsentation und lädt zum Nachspielen einiger Erzählungen Klees ein. 

Corinna Pott (rinna85[at]googlemail.com)

„Ist das nicht bloß eine öde Steinfigur auf einem Rathausplatz…?“
Auf gar keinem Fall! 2004 - 600 Jahre nach seiner Errichtung - wurde der Bremer Roland von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Grund dafür war und ist die große Bedeutung der Statue für die Unabhängigkeit der Stadt Bremen.


„Roland mit dat kruse Haar,
Wat he kickt so sunnerbar!
Roland mit dem Wappenrock
Steiht so stief as wi een Stock.
Roland mit de spitzen Knee:
Segg mal, deit di dat nich weh?“


Wer war die historische Person Roland und warum symbolisiert gerade sie Freiheit und Unabhängigkeit? Welcher Zusammenhang besteht zwischen ihr, der Stadt Bremen und ihren Bewohnern seit dem 15. Jahrhundert? Was macht die Rolandstatue in Bremen eigentlich aus und was macht sie besonders? 
Die „öde Steinfigur“ ist Träger von Geschichte und Geschichten, sie wirft Fragen auf. Die Kiste und sein Inhalt möchte eine Auseinandersetzung mit dem Bremer Wahrzeichen auf verschiedenen Erfahrungsebenen ermöglichen. Karten, Bilder, Bücher, alte Dokumente und Gegenstände erzählen u.a. Geschichten von Menschen aus vergangenen Zeiten, für die der Roland eine wichtige Rolle gespielt hat. Im Vordergrund stehen die Insignien der Rolandsfigur, die körperlich erfahren und nach ihren Bedeutungen befragt werden können bzw. sollen. 

Christoph Schmallenbach (schmallenbach[at]gmx.de)

Museumskoffer zur Baugeschichte des Kölner Doms. Anhand eines Modells (Baukran) und einem Grundriss des Kölner Doms auf einem Bettlaken vermittelt dieser Museumskoffer die frühe Baugeschichte des Kölner Doms. 

Sabrina Zimmermann (szimmermann6[at]gmx.de)

Wer war Adolph Menzel? Wie hat er das damalige Preußen gesehen? Welche Geschichte steht hinter der Alten Nationalgalerie? Und was hat Adolph Menzel mit der Alten Nationalgalerie zu tun? Der Museumskoffer thematisiert diese und viele weitere Fragen rund um den Künstler Adolph Menzel, die Alte Nationalgalerie und die Industrialisierung.

Der Museumskoffer bietet die Möglichkeit, die Geschichte der Alten Nationalgalerie in Berlin zu erleben. Er bietet einen Überblick über die Planung, den Bau, die Zerstörung und den Wiederaufbau der Gemäldegalerie, die sich in Gestalt eines römischen Tempels in das einzigartige Ensemble von Museumsbauten auf der Museumsinsel einreiht. 

Der Koffer führt nicht nur in die Geschichte, sondern auch in das Innenleben des Museums ein - mit Adolph Menzel, als wohl bedeutendster Maler, Zeichner und Illustrator des 19. Jahrhunderts begeben sich die BetrachterInnen auf die Spuren des deutschen Realismus. Ziel ist es, Preußen in der Zeit der Industrialisierung mit Menzels Augen zu sehen und die Vergangenheit, durch seine Werke (zum Beispiel das „Eisenwalzwerk“ und die vorausgehenden Studien) und über ausgewählte Lebenszeugnisse des Künstlers (beispielsweise Schriften und Briefe), lebendig werden zu lassen. Welche Sichtweisen eröffnen die Werke des Künstlers auf die preußische Gesellschaft des 19. Jahrhunderts? Überdies wird sowohl theoretisch als auch praktisch in Menzels zeichnerische und malerische Arbeitsweise - die sich durch unglaubliche Präzision und feinen Kolorismus auszeichnet - eingeführt. Der Museumskoffer zeichnet Menzels Verbindungen zu Preußen und zur Nationalgalerie auf unterschiedlichen Ebenen nach. 

Kerstin Albers- Büker (Kunst-albers[at]online.de)

Ziel des Koffers ist es zu informieren, aber auch Neugier zu wecken. Die Ästhetik der Dinge steht im Vordergrund. Alltagsdinge der vergangenen Zeit und ihr Gebrauch sollen wieder in den Fokus gerückt werden. Auch das Jagdwesen, besonders die fast vergessene Falkenjagd sollen gezeigt werden. Jagd als Bestandteil des höfischen Lebens, Fest und Brauchtum. Das Schloss bietet hierfür den würdigen Rahmen, seine Ausstattung ist ausschlaggebend. Das Jagdschloss Falkenlust bildet mit dem Schloss Augustusburg ein bedeutendes Barock- und Rokokoensemble. Der Kurfürst Clemens August (1700-1761) war von der Jagd fasziniert und stattete sein Jagdschloss mit vielfältigen Jagdbildern und Jagdszenen aus. Die Falkenjagd war seine bevorzugte Jagdform, denn in der Nähe von Brühl gab es viele Reiher, die er mithilfe der Falken bejagte. Um sein Schloss auszustatten, beschäftigte er viele Baumeister, Bildhauer, Maler und Tischler. Überall im Schloss findet man Bilder dieser Jagdform. Für die Ausübung der Jagd brauchte er Förster und Jäger, Ställe für die Tiere (Falken, Pferde, Hunde), und Bedienstete die die Tiere und Gäste versorgten. Eine Jagd war ein gesellschaftliches Ereignis, mit einem festlichen Charakter. Der Museumskoffer zeigt durch seine Materialsammlung, Alltagsgegenstände, die bei einer Jagd zum Einsatz kamen, zum Beispiel Messer, Tierfelle, Schädel ebenso, wie Gegenstände die man für die Falkenjagd brauchte und beschreibt die Ausbildung und Nutzung der Vögel. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Ausstattung des Schlosses und dem täglichen Leben der Bewohner, sowohl der Reichen, als auch der Armen. Viele Bilder und Alltagsgegenstände dokumentieren. 

Franziska Rusch (tikka[at]hotmail.de)

Dieser Museumskoffer zeigt, die Arbeit der Hausfrau in dieser Zeit und ihr Geschick „aus nichts etwas zumachen“. Der Tag einer Bergmannsfrau war geprägt von harter körperlicher Arbeit, wie Wäsche waschen, Nahrungsbeschaffung und Zubereitung, sowie die Erziehung der Kinder. Der Museumskoffer zum Thema „Hausfrauen in der Zeit der Zeche“, soll zum einen sehr anschaulich sein, da die Haushaltsgeräte und Gegenstände in dieser Zeit heute oft nicht mehr gebräuchlich sind. Dadurch können Kinder und Jugendlich „alte“ neue Dinge kennen lernen, bekommen einen Einblick in die Haushaltsarbeit der Großmütter und können mit diesem Koffer zu der Zeit arbeiten. Es ist möglich, Rezepte aus den Kochbüchern nachzukochen, oder mit den Geräten Gerichte zuzubereiten. Andererseits sollte man nicht vergessen, dass diese Hausfrauen auch noch Frauen waren, die gerne Karten spielten, Decken bestickten und gerne schöne Dinge besaßen. Dieser Museumskoffer, soll die Kommunikation zwischen den Generationen anregen und Jung und Alt verbinden. 

Andreas Flemig (winger[at]hotmail.de)

Dieser Museumskoffer thematisiert die Welterbestätte der prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen, die im Jahr 2011 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde. 111 nun unter Schutz stehende Fundstellen zeugen von der frühzeitlichen Baukunst, die bis zum heutigen Tage eine bemerkenswerte Aktualität aufweist.

Der Inhalt des Koffers bezieht sich auf das einzig verbliebene, physische Material, welches die Existenz der Pfahlbauten noch heute bezeugt: das Holz. Der Koffer selbst unterteilt sich in sechs verschiedene Stoffsäckchen, deren Inhalte in beliebiger Reihenfolge erschlossen werden kann.
Im ersten Säckchen befinden sich 15 Holzstücke mit dreieckiger Grundform und ein einzelner Quader, welchen es zu ertasten gilt. Das zweite Beutelchen beinhaltet sogenannte „Handschmeichler“ aus verschiedenen Holzarten, die sich sehr angenehm anfühlen und mit den Händen genauer untersucht werden können. Das dritte Stoffsäckchen enthält sowohl hölzernes Material als auch einfache Werkzeuge, um die Eigenschaften und das Verhalten dieses Werkstoffes näher zu ergründen. Die Herausforderung besteht in der Konstruktion eines stabilen Turmes, der viermal so groß sein soll wie eine einzelne Holzleiste, ohne dabei jedoch auf Schrauben oder Klebstoff zurückzugreifen. Bohren, Schnitzen und Stecken werden erprobt. Die Herstellung von Druckstöcken aus Linoleum oder Holzplatten wird mit dem Material aus dem vierten Säckchen angestrebt. Mit Hilfe unterschiedlicher Druckfarben, einer Farbwalze und einem Handwischer können in kurzer Zeit handgemachte und ansprechende Druckarbeiten entstehen. Im fünften und letzten Stoffbeutel befindet sich Speckstein, ein Material, welches trotz seines mineralischen Ursprungs recht leicht mit der Hand verformt werden kann. Das Modellieren von Gefäßen und einfachen Werkzeugen, wie sie in der Stein- und Bronzezeit Verwendung fanden, könnte zur Vermittlung des Weltkulturerbes beitragen.

Der handwerklich und sinnlich motivierte Museumskoffer möchte ein breit gefächertes Publikum erreichen. Die daraus zu entwickelnden Großprojekte „Modellbau“ und „Möbel aus Wildholz“ können bereits mit jüngeren SchülerInnen durchgeführt werden und selbst in der Oberstufe eine anspruchsvolle Ausgestaltung finden.