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Die Bereiche des Instituts

Foto: Yvonne Ruhose

Tragisches Pathos und männliches Ethos: Konzeptionen der Liebestragödie in Frankreich, 1630-1680

Frontispiz des ersten Bandes der Oeuvres de Racine, 1700

Das Projekt nimmt die Entwicklung der französischen Tragödie im 17. Jahrhundert in den Blick, indem erstmals systematisch deren Neubegründung als Liebestragödie in den 1630er Jahren und die hieraus resultierende Gattungsdiskussion untersucht werden.

Die Einführung der Liebe in die Tragödie zielt auf den Geschmack eines zeitgenössischen Theaterpublikums, das sein Selbstverständnis verstärkt an Werten wie civilité, honnêteté und tendresse ausrichtet. Als Movens der Handlung und Konstituens der Figurenkonzeption stellt die Liebe die Gattung Tragödie indes vor eine grundlegende Herausforderung, insofern diese zentrale Positionierung der Liebe mit der antiken Gattungspoetik unvereinbar ist und in ein Spannungsverhältnis zur traditionellen Ausrichtung der Tragödie auf Staats- und Heldenaktionen tritt. Mit der Querelle du Cid von 1637 wird die Liebestragödie erstmals als systematisches Problem sichtbar; indem sie die zentralen Fragen zur idealen Tragödie zwar aufwirft, jedoch unbeantwortet lässt, initiiert diese Querelle eine virulente Diskussion, die bis in die zweite Jahrhunderthälfte fortdauert.

Im Zentrum dieser Diskussion steht ein neues Verständnis von Pathos und Ethos der Tragödie. Die Poetik des Aristoteles, folgt man ihren Ausführungen zu den Charakteren und den dort angeführten Beispielen, geht von dezidiert männlichem Pathos und männlichem Ethos aus, die weiblichen Figuren im Rahmen der Angemessenheit zugeordnet werden können, dergestalt jedoch Ausnahmefälle bilden. Indem mit der Neubegründung der französischen Tragödie eine Liebeshandlung und, damit verbunden, ein Geschlechterverhältnis in die Gattung Tragödie eingeführt werden, steht das männlich gegenderte tragische Pathos erstmals grundsätzlich beiden Geschlechtern offen. Der bemerkenswerte Effekt dieser Öffnung besteht darin, dass nun kategorial zwischen einem männlichem und einem weiblichem Ethos unterschieden wird und zur Verhandlung steht, wie ersteres unter den Bedingungen der Liebestragödie zu begreifen ist.

Hiervon ausgehend entstehen konkurrierende Konzeptionen der Liebestragödie, die das Projekt am Beispiel ausgewählter Tragödien der Gebrüder Pierre und Thomas Corneille, Mairets, Rotrous, Scudérys, Tristan L'Hermites, Du Ryers, Quinaults und Racines herausarbeitet. Es eröffnet damit eine neue Perspektive auf die Gattungstransformationen und Binnendynamiken, welche die französische Tragödie zwischen ihrer Neubegründung in den 1630er Jahren und ihrer kanonbildenden Prägung durch Racine in den 1660er und 1670er Jahren erfährt. Zugleich macht es die Liebestragödie im Frankreich des 17. Jahrhunderts als einen Spielraum lesbar, in dem fundamentale - und ihrerseits in die Moderne weisende - Veränderungen der Geschlechterordnung verhandelt werden können.

Kontakt

Jun.-Prof. Dr. Hendrik Schlieper

Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft > Komparatistik/Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft

Zuständigkeitsbereiche: Fachstudienberatung, Koordination der Komparatistik-Lehrveranstaltungen

Hendrik Schlieper
Telefon:
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Büro:
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