„Kä­the Koll­witz und ih­re Freun­de – zum 150. Ge­burts­tag der Künst­le­rin“

Kunstwerke schuf. Gezeigt werden viele bekannte aber auch weniger bekannte Kunstwerke der Künstlerin in Zeichnung, Grafik und Plastik.

Im Gedenken an diese besondere Künstlerin, entstanden am Lehrstuhl von Frau Prof. Dr. Jutta Ströter-Bender unter der Leitung der Dozentin Nadine Neuwinger im WS 2016/ 2017 14 Museumskoffer, die nun vom 26. Juni bis 15. Oktober 2017 Teil einer Sonderausstellung zum Gedenken des 150. Geburtstags von Käthe Kollwitz sind.

In­hal­te

"Wer in den Spiegel des Wassers blickt, sieht allerdings zunächst sein eigenes Bild. Wer zu sich selber geht, riskiert die Begegnung mit sich selbst. Der Spiegel schmeichelt nicht, er zeigt getreu, was in ihn hineinschaut, nämliche jenes Gesicht, das wir der Welt nie zeigen,[...]"[1]

 

Käthe Kollwitz gehört zu den herausragensten Künstlerinnen ihrer Zeit. Ein Großteil ihrer Werke siedelt sich im Bereich der Selbstbildnisse an, von welchen sie etwa 120 anfertigte. [2]

Der Koffer soll einen Blick in den Spiegel ermöglichen. Zum Einen, in eine Sammlung, die Käthe Kollwitz schuf, wenn sie in den Spiegel sah und zum Anderen, die Konfrontation des Betrachters mit dem eigenen Selbst.

An Hand eines Archivs von Tagebucheinträgen, Analysen und Bemerkungen zu jeweiligen Selbstbildnissen ist es möglich, Käthe Kollwitz' Leben und Aspekte, mit denen sie sich beschäftigte, nachzuempfinden und in ihren Selbstbildnissen wiederzuerkennen.

Ein Ziel des Koffers ist jedoch auch, den Blick in den Spiegel zu werfen und durch beigefügte Arbeitsmaterialien sein eigenes Selbst auf Papier zu bringen und sich künstlerisch mit den Thema auseinanderzusetzen. Zum vertiefenden Studium, steht ausgewählte Literatur bereit.

Zu diesem Zweck werden Möglichkeiten gegeben, sich sowohl künstlerisch, als auch philosophisch mit dem eigenen Selbst zu befassen. Dies geschieht durch ausgewählte philosophische Schriften, als auch durch eine Beigabe von künstlerischen Arbeitsmaterialien, epochalen Bezügen und Denkanstößen, welche sowohl in der Oberstufe, als auch der Unterstufe genutzt werden können.

Des Weiteren bietet der Koffer die Möglichkeit, sich mit den Geschehnissen zu Käthe Kollwitz' Lebzeiten auseinanderzusetzen. Ein Aspekt ist dabei nicht nur der geschichtliche, sondern auch jener, von welchem sich Käthe Kollwitz hat inspirieren lassen, der Literatur. Weshalb sich im Koffer einige Werke von Dichtern und Denkern ihrer Zeit finden lassen.

Der Begriff der Zeit, ist es auch, welcher im Koffer eine besondere Rolle spielt. Er will nicht nur aufzeigen, wie Käthe Kollwitz gelebt hat, was sie erleiden musste und wie sie diese Geschehnisse künstlerisch umsetzte, sondern auch eine Verbindung zur heutige Welt schaffen, in der Selbstbildnisse durch sog. „Selfies“ ersetzt wurden. Um auf das anfängliche Zitat einzugehen, stellt sich die Frage, in wieweit wir uns heute noch auf die darin beschriebene Begegnung mit uns selbst einlassen.


[1]    C.G. Jung: Bewusstes und Unbewusstes, Frankfurt am Main: Fischer: 1985, S. 28

[2]Vgl. Martin Fritsch: Käthe Kollwitz, Selbstbildnisse, Leipzig, E.A. Seemann, S. 7

Ist uns der Tod heutzutage noch so präsent, wie er es zu Käthe Kollwitz Zeiten war?

Mit dieser Frage soll der Betrachter des Koffers konfrontiert werden und sein Bewusstsein für die Thematik öffnen.

Der Koffer wirkt auf den ersten Blick direkt sehr düster und strahlt durch seine ursprüngliche Farbe und Form trotzdem Vertrautheit aus, was auch der Grundgedanke der Gestaltung ist. Der Koffer als alltäglicher Begleiter, der zunächst nichts Bedrohliches ausstrahlt beinhaltet einen Exkurs in die Welt des Unbekannten, der Melancholie und des Dunklen.

Im Zentrum des schwarz ausgekleideten Koffers, ist die nachgeahmte Skulptur Käthe Kollwitz´ der „Mutter mit totem Sohn“ als Interpretation in Bronze zu sehen. Neben der Figur erkennt man die Fotografie des Originals im Vergleich. Des Weiteren sind im Koffer verschiedene Fotografien der Werke von Käthe Kollwitz, die  den Tod thematisieren, welche auf den Rückseiten weiterführende Informationen aufzeigen.

Im Kofferdeckel sind Imitationen von einigen wichtigen Werken von Käthe Kollwitz zu der Thematik präsentiert. Sie sollen den Betrachter anregen und inspirieren, selber, mit den zur Verfügung gestellten Mitteln, Darstellungen von Käthe Kollwitz zu imitieren oder möglicherweise eigene künstlerische Interpretationen des Todes anzufertigen. Die Zeichnungen können an dieser Stelle mitgenommen oder in eine bereitgestellte Sammelmappe gelegt werden, damit andere Betrachter sich Inspiration holen können und eine interaktive Sammlung Teil des Koffers wird. Anbei liegt ein Beiheft zu der Ausstellung „Abschied und Tod“, die im Käthe Kollwitz Museum in Köln stattfand, genau wie ein DinA4 Heft mit Exkursen zu Künstlern, die sich genau wie Käthe Kollwitz mit dem Tod auseinandergesetzt haben. Dort wird die Bedeutung der Trauer und des Todes als Motiv in der Kunst visualisiert.

Der Koffer ist für höhere Jahrgänge konzipiert, da er ein gewisses Maß selbstständiger Erkundung und Initiative, sich am Grundgedanken des Koffers zu beteiligen, erfordert. Die Thematik des Todes eröffnet die Möglichkeit besonders fächerübergreifend an und mit dem Koffer zu arbeiten. Da Kunst und Geschichte eng miteinander verbunden sind, ist es hier gut möglich kooperativ zu arbeiten.

Zu erinnern, zu verinnerlichen und nicht zu vergessen sind zentrale Aspekte des Koffers. Das Unbekannte, Ungewisse und die Schatten der Vergangenheit sollen die Neugierde der Betrachter wecken und mit Hilfe des Koffers reflektiert und in das heutige Bewusstsein transportiert werden.

Käthe Kollwitz war eine der herausragendsten Künstlerinnen ihrer Zeit. Ihre Werke sind nach wie vor Aushängeschilder der druckgraphischen Techniken. Sie prägte zunehmend den Hoch- und Tiefdruck, die Lithographie und Aquatinta und fasziniert heute, genau wie früher. Neben den theoretischen Grundlagen werden wichtige Arbeiten Käthe Kollwitz´ und der Wirklichkeitsbezug der Drucktechniken im Koffer thematisiert und auf unterschiedlichen didaktischen Wegen vermittelt.

Der Bezug zum Alltag spielt eine große Rolle. Drucke finden wir alltäglich auf nahezu allen verpackten Produkten, Werbungen, Plakaten, Zeitschriften, Zeitungen und natürlich Büchern, die auf vielen verschiedenen Materialien bedruckt sind. Sogar unsere Kleidung ist meistens mit Mustern oder Aufdrucken gestaltet. Die meisten Druck-Erzeugnisse werden für das Verbreiten von wichtigen Informationen genutzt, andere wiederum um das Produkt ansprechender wirken zu lassen.

Die umfangreiche Beschäftigung mit dem Thema öffnet den Prozess der Produktion und Herstellung eines Druckes, wodurch nicht nur in Erfahrung gebracht wird, wie Drucke entstehen, sondern auch theoretische Grundlagen vermittelt werden können. Diverse Theoriebücher sollen die Grundlagen vertiefen und dafür sorgen, dass man sich auch eigenständig das Wissen über die unterschiedlichen Drucktechniken aneignen kann. Darüber hinaus kann man sich nicht nur mit der Praxis und Theorie, sondern auch mit der geschichtlichen Entwicklung der Drucke beschäftigen. 

Die verschiedenen Objekte, Flüssigkeiten und Materialien schaffen einen visuellen Anreiz für die Betrachter. Sie ermöglichen es, kognitiv in verschiedene Bereiche des Themas einzudringen und ihre Eindrücke zu sammeln. Materiell wird beispielsweise die Möglichkeit gegeben, einen eigenen Druck, in vereinfachter Form, direkt auszuprobieren. Aus Korken können mit Messern, Pinseln und Farbe kleine Stempel gefertigt werden, die an den Hochdruck erinnern sollen.

Durch die hohe geschichtliche Relevanz der Drucke von Käthe Kollwitz, findet eine starke Verbindung zwischen Kunst und Geschichte statt. Das Symbolisieren und abstrakte Verbildlichen von historischen Ereignissen rundum den ersten und zweiten Weltkrieg lässt die Betrachter einen umfassenden Kontext und die hohe Bedeutung von Drucken im Wandel der Zeit erkennen. Durch das Aufarbeiten äußerer Einwirkungen auf Käthe Kollwitz‘ Intention können die SuS durch Perspektivübernahme die Bedeutung ihrer Drucke nachvollziehen. 

In der heutigen Welt von Facebook und Twitter fällt es uns schwer sich vorzustellen, wie es ist, nicht alles äußern zu dürfen was wir denken und fühlen. Dieser Museumskoffer thematisiert den politischen und künstlerischen Ausschluss von Käthe Kollwitz.

Käthe Kollwitz lebte in der Zeit des Nationalsozialismus. Mit ihrer Kriegsfeindlichen Kunst zog sie die Blicke auf sich, sowohl von ihren Anhängern als auch Gegnern. Als im Januar 1933 Hitler Reichskanzler wird beginnt ihre Verdrängung vom Kunstmarkt. Bereits Mitte Februar wird sie aufgefordert, die Akademie der Künste „freiwillig“ zu verlassen. Andernfalls würde diese geschlossen werden. Weiterhin wird sie von der Gestapo aufgesucht, weil in der Russischen Zeitung „Iswestja“ ein Artikel über sie erscheint. Immer wieder werden Ausstellungsobjekte entfernt oder ganze Ausstellungen kurzfristig abgesagt.

Den Einstieg findet man durch den gewohnten Anblick eines „Schreibtisches“ der dazu verführt zu stöbern. Beim genauen Betrachten findet man typische Utensilien wie Schreibfeder, Tusche, einen Kerzenständer für das passende Licht, Briefpapier und Umschläge, sowie eine Pinnwand im Deckelinneren.

Der Koffer ist unterteilt in einen äußeren und inneren Bereich. Informationen kann man erst sammeln, wenn man stiller Mitwissender wird und sich traut, Briefe, Tagebuch und Papierrollen zu öffnen.

Die verschiedenen visuell und haptisch erfahrbaren Eindrücke bieten dem Betrachter eine vielfältige und sinneserregende Annäherung an die damalige politische Situation, Käthe Kollwitz‘ Umgang mit dieser und ihren Gefühlen. Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klasse können somit ihr bislang erworbenes Wissen erweitern und neue Forschungsansätze finden. Dabei sollten sie zum Beispiel durch das Memorie ihre Erkenntnisse spielerisch überprüfen oder sich durch das Schreiben eines Briefes oder Tagebucheintrages in die Welt der Käthe Kollwitz hineinversetzten. Des Weiteren enthält der Koffer Anknüpfungspunkte z.B. durch die Rechercheaufgabe, die auffordert sich mit den Symbolen des Nationalsozialismus auseinander zu setzten.

Käthe Kollwitz – eine der herausragendsten Künstlerinnen ihrer Zeit. Ihre zahlreichen Drucke und Zeichnungen beeindrucken nach wie vor, sie bestechen durch ihre zeitlose Aktualität und eröffnen eine vollkommen neue Wahrnehmung ihrer Kunst und der vorherrschenden politischen Situation. Doch Käthe Kollwitz war mehr als „nur“ Künstlerin und Mutter, was ihre stark autobiographischen Werke auf eindringliste Art und Weise zeigen. Sie war auch eine leidenschaftliche Schreiberin. Neben ihren umfangreichen Tagebucheinträgen gibt es noch heute eine Vielzahl an Briefen und Schriften an unterschiedlichste Adressaten. Neben persönlichen Briefen an Freunde und enge Vertraute, ihre Familie, Künstler und ratsuchende Schüler, schreibt Käthe Kollwitz auch viele offene Briefe um für ein Kriegsende zu appellieren.

Mit dem Koffer soll auf unterschiedlichen didaktischen Wegen der Blick von der Künstlerin Käthe Kollwitz zu der Schreiberin erweitern und die Betrachter für ein weiteres ihrer Ausdrucksmedien sensibilisiert werden. Ausgehend von Käthe Kollwitz´ Handschrift, die anhand einiger Unterschriften zu untersuchen und zu vergleichen ist, kann mit Hilfe eines Sütterlin-Memorys ihre Handschrift spielerisch erprobt werden. Ein beigelegtes Schreiblernheft mit weiterführenden Aufgaben, die nötigen Schreibutensilien, wie z.B. Federhalter und Tinte und ein kleines Übungsheft, sollen den Betrachter animieren die Schrift einmal auszuprobieren und somit bewusster mit dem Thema Handschrift umzugehen, da diese heutzutage mehr und mehr vernachlässigt wird. Durch die starke Digitalisierung und die unzähligen Möglichkeiten der digitalen Datenaufnahme – sei es Notizfunktionen und Sprachmemos an den mobilen Endgeräten, oder die Ablösung der Briefkultur durch das Schreiben von e-Mails und Kurzmittteilungen – führen dazu, dass wir immer weniger schreiben. Selbst Einkaufszettel werden immer häufiger im Smartphone gespeichert, als handschriftlich niedergeschrieben. Eine Brücke zwischen der Schrift als nützliches Medium und als künstlerisches Element wird mit Hilfe eines kleinen Leporellos geschlagen, in dem man verschiedene Kunstwerke unterschiedlicher Epochen sehen kann, die Schrift als wesentlichen Bestandteil zeigen. Auch hier können weiterführende Aufgaben dazu beitragen, die Bedeutung der Schrift näher kennenzulernen.

Da der Koffer vor allem Käthe Kollwitz und ihre Leidenschaft zum Schreiben thematisiert, ist im Zentrum des Koffers eine Art Kartei zu finden. In ihr finden sich ausgewählte Freunde, mit denen Käthe Kollwitz Briefverkehr hatte. Unter anderem Briefe an ihren Ehemann Karl Kollwitz, ihren Künstlerfreund Heinrich Zille oder Paul Hey sind zu finden. Gleichzeitig sind die wichtigsten biographischen Daten der Personen, sowie Werke ihres künstlerischen Schaffens zu finden. Mit Hilfe dieser Kartei soll bewusst gemacht werden, wieso Käthe Kollwitz so gerne Briefe geschrieben hat und wie ihre Beziehung zu den jeweiligen Adressaten war. Da die Brieffreundschaft das zentrale Thema des Koffers ist, sollen auch neue Brieffreundschaften über den Koffer entstehen. Ein kleines Bügelglas, in das die eigene Adresse geworfen und eine andere gezogen werden kann, soll dem Betrachter ermöglichen, genau wie Käthe Kollwitz Freundschaften über das Schreiben von Briefen zu pflegen.

Alles in allem verbindet der Koffer die beiden wichtigsten Bereiche des Schaffens von Käthe Kollwitz. Er schlägt eine Brücke zwischen der Schrift und der Kunst, vermittelt die Bedeutung beider Medien und sensibilisiert den Betrachter, bzw. eröffnet neue Perspektiven der Kommunikation. 

Der vorliegende Museumskoffer ist dem jüngsten Sohn Käthe Kollwitz´, Peter Kollwitz, gewidmet und zeigt sowohl den Soldaten Peter, als auch die Trauer seiner Mutter Käthe Kollwitz. Der erst achtzehnjährige Peter Kollwitz erfragte nach Kriegsausbruch seine Eltern Käthe und Karl Kollwitz, ob sie ihn vorzeitig - zur damaligen Zeit bekam man die Volljährigkeit mit dem 21. Lebensjahr - in den Krieg ziehen lassen würden. Nachdem Karl Kollwitz dies verneinte, bat seine Frau eine Stunde lang bei ihm für ihren Sohn, sodass sie ihm schlussendlich ihre Unterschrift gaben. Peter zog am 12. Oktober in den Krieg und starb bereits in der Nacht von dem 22. auf den 23. Oktober 1914 den Opfertod an der Front in Belgien als erster seines Regiments. Seine Familie erfuhr am 30. Oktober durch eine zurückgeschickte Feldpostkarte von seinem Tod.

Der Museumskoffer soll sowohl Peter Kollwitz als Kriegsfreiwilligen thematisieren, als auch der Trauer seiner Mutter Raum geben. Doch was hat Peter Kollwitz auf seinem Weg an die Front selbst in seinen Koffer gepackt? Wie genau starb er und was machte diesen Krieg aus? Wie geht seine Mutter Käthe Kollwitz mit seinem Tod um? Diese und andere Fragen werden mit Hilfe des didaktischen Mediums des Museumskoffers beantwortet. Hierzu dienen sowohl Originale aus der Zeit des Krieges, als auch Reproduktionen zu den Werken der Künstlerin. Dieser Koffer soll helfen, das Thema des Ersten Weltkrieges didaktisch aufzuarbeiten und dessen Tiefe begreifen zu können. Dieses geschieht sowohl ästhetisch, als auch literarisch und soll dazu dienen den Krieg kritisch zu reflektieren, das Bewusstsein für die Thematik zu öffnen, sie in heutige Diskurse zu transportieren, sowie ästhetische Annährungen durch Käthe Kollwitz  zu erlangen. 

Wie sah das alltägliche Berlin von Käthe Kollwitz wohl aus?

Wie hat es in der Arztpraxis gerochen, die sich direkt an die Wohnräume der Familie anschloss?

Welche Beobachtungen konnte sie dort machen? Welchen Einfluss hatten die Menschen die hierher kamen auf sie? Und welche Rolle spielte ihr Ehemann Karl Kollwitz in diesem Zusammenhang?

Diese Fragen soll der Museumskoffer u. A. anregen zu erforschen. Die Erfahrungen die Käthe Kollwitz im Alltag sammelte, die Beobachtungen und Eindrücke lassen sich stark in ihren Werken, insbesondere den hier fokussierten Kohlezeichnungen, ablesen. Der Mensch ist ihr wichtigstes Motiv, das Zentrum ihres Schaffens. Die tiefen, oft bedrückenden Emotionen, die sie mit ihrer Linienführung in Körperhaltung, Gesten und Mimik einfängt, zeugen von einer hohen Empathiefähigkeit, mit welcher sie insbesondere das Arbeitermilieu abbildete.

In diesem Koffer lassen sich unterschiedliche Einflussfaktoren aus ihrem täglichen Leben auf die Arbeit von Käthe Kollwitz erkunden. Im Inneren des Kofferdeckels befindet sich eine Karte des Berlins der 20er Jahre, auf welcher das damalige Wohnhaus gekennzeichnet wurde. An sich stellt der Koffer dabei die potentielle Aufbewahrungsmöglichkeit für Arbeitsmaterialien der Künstlerin sowie andere Quellen der Inspiration und Reflexion dar. Diese beinhalten Fotografien, welche den Wohnungsnotstand und die Lebensverhältnisse der Arbeiterklasse dokumentieren, einen Tagebucheintrag bzgl. Karl Kollwitz in seiner Rolle als Arzt sowie Kohlezeichnungen. Diese werden ergänzt durch einen kurzen Sachtext über das Verhältnis von Käthe zur Arbeiterschaft und unterschiedliche Behandlungsmaterialien/-instrumente aus der Arztpraxis. Die BetrachterInnen können sich so nicht nur textlich und visuell der Thematik annähern, sondern werden auch durch Gerüche und das Erfühlen von Verbänden etc. dazu angeregt in diese Welt einzutauchen. Weiterhin gibt es die Möglichkeit sich mit der Thematik der Kalligrafie auseinanderzusetzen, welche an den Tagebucheintrag anknüpft. Hierbei kann aktiv das Schreiben mit Tusche und Metallfeder erprobt werden.

Die Zielgruppe dieses Koffers sind dabei hauptsächlich die Sekundarstufe I und II an Gymnasien und Gesamtschulen. Allerdings lässt er sich ebenfalls in der Erwachsenenbildung einsetzen. Das zentrale Motiv der Empathie ist dabei zeitlos und lässt sich durch differenzierte Aufgabenstellungen und Anregungen zu weiteren Recherchen dem Leistungs- und Entwicklungsniveau angepasst immer wieder in den Fokus rücken.

Die deutsche Künstlerin Käthe Kollwitz lebte während beider Weltkriege und widmete ihr Leben dem Kampf gegen den Krieg, was sich in ihren künstlerischen Werken widerspiegelt. Wieso also unterstütze sie ihre Söhne in den Krieg zu ziehen? Wie ging sie mit dem Tod ihres jüngeren Sohnes Peter Kollwitz um und was für einen Einfluss hatte das auf ihr Leben und auch ihre Kunst? Diese und weitere sind die zentralen Fragen, mit denen sich dieser Koffer beschäftigt.

Durch die Gesamtoptik des Koffers fällt es dem Betrachter leicht, direkt in das Thema einzutauchen. Fotos, Bilder und Scherenschnitte vermitteln einen ersten Eindruck der Thematik und stellen die Schwerpunkte vor. Die weiteren Objekte, z.B. Tagebuch, Skizzenbuch und Briefe, fordern den Betrachter dazu auf, sich genauer mit den einzelnen Objekten auseinanderzusetzen, sie durchzublättern und zu lesen. Die verschiedenen Medien erlauben hierbei eine individuelle Auseinandersetzung mit dem Thema und gewähren tiefere Einblicke in das Leben der Künstlerin.

Nach eingehender Auseinandersetzung mit den einzelnen Objekten des Koffers soll der Koffer nicht nur die Lebenssituation und -umstände der Künstlerin vermitteln, sondern dem Betrachter helfen, sich in die Rolle von Käthe Kollwitz hineinzuversetzen und zusätzlich zum Nachdenken anregen.

Der Museumskoffer setzt sich mit dem Thema  „Käthe Kollwitz als Pazifistin“ auseinander. Er beschäftigt sich mit den Fragen wie und warum Käthe Kollwitz Pazifistin wurde und wie sie diesen in ihren Werken formulierte. Dabei werden das Plakat „Nie wieder Krieg!“, die Holzschnittfolge „Krieg“ und die Lithografie „Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden“ in Betracht gezogen. Der Koffer soll als Symbol gegen den Krieg und für Frieden stehen.

Käthe Kollwitz war noch keine Pazifistin als der erste Weltkrieg begann. Ihre widersprüchliche Haltung zum Krieg hat sie auf den Opfertod ihres Sohnes Peter zurückgeführt. Das Gefühl ihn nicht nachdrücklich und entschieden genug zurückgehalten zu haben, machten den Verlust zu einer traumatischen Erfahrung. Die 1920er Jahre wurden für Käthe Kollwitz trotz Nachwirkungen der Kriegsjahre zu einem produktiven Jahrzehnt. Die Werke sind Produkte einer Trauerarbeit und besitzen einen eindringlichen, pazifistischen Appell. Zudem haben sie einen zeitlosen Rang und können als allgemeingültiges Narrativ für kriegerische Konflikte stehen.

Ausgangspunkt des Koffers ist das Plakat „Nie wieder Krieg“. Es wurde zum einen außen auf den Kofferdeckel gemalt und hängt zum anderen im Koffer. Darüber hinaus wurden aus kleineren Kopien dieses und weiteren Plakaten der Künstlerin Origami-Tauben gefaltet. Diese gelten als Friedenssymbole. Unter dem Plakat hängt eine Leine mit Zitaten, welche die pazifistische Haltung der Künstlerin unterstreichen. Der Koffer beinhaltet zudem die Bücher „Krieg dem Kriege“ von Ernst Friedrich und „Das Feuer“ von Henri Barbusse, welche die Künstlerin gelesen hat und sie in ihrem Pazifismus gestärkt haben. Des Weiteren befinden sich Auszüge von Immanuel Kants Schrift „Zum Ewigen Frieden“ im Koffer, um das Thema inhaltlich tiefer zu beleuchten. Außerdem sind Kopien des 1918 von Richard Dehmel in der Zeitschrift „Vorwärts“ veröffentlichen Appell, welcher kurz vor Kriegsende an die kriegstauglichen Männer appellierte sich freiwillig zu melden und Käthe Kollwitz Gegenantwort, in welcher sie sich erstmals öffentlich gegen den Krieg aussprach, zu finden. Die Bilder der Holzschnittfolge „Krieg“ wurden als Scherenschnitte nachgearbeitet und auf ein Leporello geklebt. Mit dieser Folge thematisiert sie den Krieg aus der Sicht der Hinterbliebenen, indem sie das Leid und die Trauer darstellt. Es kann als allgemeingültiges Narrativ für kriegerische Konflikte verstanden werden. Zudem beinhaltet der Koffer auf einer kleinen Staffelei die Lithografie „Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden“, die als Kohlezeichnung nachgezeichnet wurde. Diese ist 1941 entstanden und war Käthe Kollwitz letztes grafisches Werk. Sie wandte sich damit nochmal gegen den Irrsinn des Krieges. Ein Bildgedanke, den sie mehrfach in ihrer Arbeit aufgegriffen hat, wird hier deutlich. Sie knüpft an die christliche Ikonografie der Schutzmantelmadonna an. Die Geste ist bewahrend und beschützend. Anders als der Schwurgestus „Nie wieder Krieg“ ist diese Geste nicht aktiv und offensiv, sondern passiv verteidigend. Dies machte auch ihren Pazifismus aus. Dieses Werk soll verdeutlichen, dass ihre die künstlerische Auseinandersetzung bis zuletzt um das Kriegsthema, ihre eigene Betroffenheit durch den Verlust ihres Sohnes und die spezifische Rolle der Frauen im Krieg kreiste. In einem kleinen Glas mit Korkenverschluss sind Saatfrüchte abgefüllt, um die metaphorische Bedeutung zu unterstützen. Des Weiteren beinhaltet der Koffer eine nachgebaute Litfaßsäule, auf welcher weitere Plakate wie „Die Überlebenden“ und „Deutschlands Kinder hungern“ von Käthe Kollwitz zu sehen sind. In einer Holzkiste befinden sich Schilder mit Aufgaben und kurzen Infotexten.

Käthe Kollwitz wurde am 8. Juli 1867 als fünftes Kind der Familie Schmidt in Königsberg geboren. Dort verbrachte sie auch ihre Kindheit, die sie als werdende Künstlerin bereits sehr prägte. Der Koffer soll eine Anlaufstelle bieten, die zum Recherchieren und Entdecken einlädt. Wer war die Familie Schmidt aus der Käthe Kollwitz stammte? Wie verbrachte Käthe ihre Kindheit in Königsberg? Welche Unterschiede bestehen zu meiner eigenen Kindheit? Wie sah die Stadt Königsberg (heute Kaliningrad) damals aus? Eine Antwort auf diese und weitere Fragen soll der Koffer zu Käthes Kindheit in Königsberg liefern. Die vielen Bilder, Gegenstände und Informationen bieten eine visuelle und haptische Erfahrbarkeit der Inhalte. Der Betrachter*in soll sich durch die Auseinandersetzung mit dem Koffer ein realeres Bild machen können, wie Käthe Kollwitz aufgewachsen ist und was sie besonders beschäftigt hat. Infolgedessen kann der Betrachter*in angeregt werden, über seine eigene Kindheit und seinen Lebensweg zu reflektieren.

Der Koffer bietet seinem Betrachter*in, aufgrund seiner Unterteilungen, eine gute Möglichkeit sich weitergehend mit den verschiedenen Aspekten, die zur Erschließung Käthe Kollwitz‘ Kindheit in Königsberg dienen, zu beschäftigen. Die abwechslungsreichen Materialien schaffen eine große Vielfalt, sodass die Lust am Stöbern und Entdecken nicht vergeht. Die Arbeitsaufträge bieten sich an, in einer Schulklasse ein Stationenlernen durchzuführen, wobei dies speziell für die siebten und achten Klassen vorgesehen ist. Zu beachten sei, dass die Aufgaben im Vorfeld mit den Schülerinnen und Schülern besprochen werden sollten, um die notwendigen Materialien für den Tag der Durchführung vorliegen zu haben.

Viel Spaß beim Erkunden und Arbeiten mit dem Koffer!

Wir benutzen sie jeden Tag in jeglichen Situationen, ohne uns darüber genauer Gedanken zu machen, wie Sie aufgebaut ist, funktioniert oder gar welche großen, aussagekräftigen Aussagen sie trifft. Meist geschieht dies sogar unbewusst, denn wir schauen und diese Bewegungen ab, ob es beim Essen, beim Reden oder beim Sport ist. Ohne sie wäre non-verbale Kommunikation nicht möglich -  die Rede ist ganz klar von unseren Händen. Durch Hände lässt sich oftmals so viel mehr und direkter sagen, als dass es Worte vermögen. Das Werk von Käthe Kollwitz sprudelt förmlich über von emotional aufgeladenen Bildern und so verwundert es einen nicht, in diesen Werken oft Hände zu sehen. Käthe Kollwitz hat es geschafft uns und den nachfolgenden Generationen die damals herrschenden Notstände und Situationen, seien es gesellschaftliche oder politische Missstände gewesen, einzufangen und für die Ewigkeit zu konservieren.

Die Rolle der Hände in ihren Werken wird dabei leider oftmals gar keine große Bedeutung beigemessen. Es ist eine Tatsache, dass wir uns über die Reichweite des Wirkens der Hände nicht vollends bewusst sind, so kommt es doch auch nicht von ungefähr, dass wir unserem Gegenüber in der Bahn häufig zuerst auf die Hände schauen und ihn oder sie anhand dessen versuchen einzuordnen. Dieser Museumskoffer soll diesen womöglich noch fehlenden Betrachtungspunkt Käthe Kollwitz Schaffens ausleuchten und die Menschen für die Bedeutung und Kraft ihrer „Hände“, sowie unserer Hände sensibilisieren. Dieser Fragestellung soll der Museumskoffer nachgehen und einen Dialog zwischen Käthe Kollwitz, den Händen und dem Betrachter entstehen lassen.

Auf visuellen, aber auch haptischem Wege kann den Fragen Wie sah Käthe Kollwitzs Werk aus? Wer war sie? Was ist die Hand? Wie arbeitete Käthe Kollwitz, oder wie ist ihre Darstellung der Hand im kunstgeschichtlichen Kontext einzuordnen? nachgegangen werden. Der Koffer soll anreizen, die verschiedenen installierten Verknüpfungen der Pfade innerhalb des Koffers zu erkunden und sich selbst an der Hand und dem Werk Käthe Kollwitzs auszuprobieren, oder es, besser gesagt, einfach mal selbst „ in die Hand zu nehmen“.

Der Museumskoffer richtet sich an die Einführungsphase der Sekundärstufe II (10/11 Klasse) und schließt an andere Lehrinhalte der Sekundär II des Faches Kunst an.

 

Stell dir vor dein Zuhause wurde zerstört, du fühlst dich nicht mehr sicher und entscheidest zu fliehen! „Ich packe meinen Koffer und nehme mit...“ Auch diese Frage wird sich die Künstlerin Käthe Kollwitz 1943 gestellt haben, nachdem ihre Heimat in Berlin in Schutt und Asche lag, die Folgen des Zweiten Weltkrieges. Was empfindet ein Mensch der plötzlich sein Zuhause verlassen muss um zu überleben? Mit diesen und weiteren Fragen zum Thema Krieg, Zerstörung und Flucht beschäftigt sich dieser Koffer. Inhalt sind Gegenstände und Materialien, wie Kleidung, Briefe, Fotos und Erinnerungen, die Käthe Kollwitz im Jahr 1943 einpackte und als einzige Erinnerung aus ihrer Heimat mitnehmen konnte. Im Kofferdeckel, lassen sich Zitate und Daten erkennen, die Leitfrage mit der sich der Betrachter auseinandersetzten soll „Ich packe meinen Koffer und nehme mit..“, zu finden. Ein Blick in das Innere des Koffers lässt weitere Gegenstände und Inhalte finden, die auf einer Flucht mitgenommen werden: persönliche Fotos, Briefe an Freunde und Familie, Wertgegenstände und überlebenswichtige Dinge. Neben der Thematik: Flucht, wird auch die Künstlerin Käthe Kollwitz behandelt. Käthe Kollwitz ist eine Künstlerin der Kriegs- und Nachkriegszeit, ausschließlich alle Werke der Künstlerin beinhalten die Themen: Tod, Flucht, Leid, Armut und Zerstörung.

Der Koffer richtet sich vor allem an Schüler und Schülerinnen der Unter- und Mittelstufe (Jahrgangsstufe 8-10), kann aber auch in anderen zum Beispiel Oberstufen eingesetzt werden. Mithilfe des Museumskoffers wird eine differenzierte Herangehensweise an das Thema Krieg, Flucht und Zerstörung ermöglicht. Der Koffer ermöglicht  Schüler und Schülerinnen einen genauen Einblick in die Thematik des Zweiten Weltkrieges. Neben dem geschichtlichen Hintergrundwissen beschäftigen sich die Schüler und Schülerinnen ebenfalls mit der Künstlerin selbst und ihren Werken.

In einem weiteren Schritt wird einen Ausblick auf das aktuelle Thema unserer heutigen Gesellschaft, die Flüchtlingspolitik, ermöglicht. Die Schüler und Schülerinnen sollen durch die Arbeit mithilfe von modernen Medien eine Brücke zu diesem, heutzutage erneut aktuellen Thema schlagen. Die Aktualität des Themas ermöglicht einen Ausblick auf gegenwartsorientierte Themen und Themen die unsere Gesellschaft, besonders die jüngeren Generationen auch in Zukunft beschäftigen wird. Warum müssen Menschen aus ihrer Heimat fliehen? Welchen Bezug und welche Meinung habe ich zu diesem Thema?

 

Das Vermittlungskonzept orientiert sich dabei an den acht Lernpfaden zum Welterbe, die von Prof. Dr. Jutta Ströter-Bender konzipiert wurden. Im Koffer wird vorwiegend ein Fokus auf die Lernpfade: „Annäherung durch Wissen“, „Kunsträume. Immateriell und Materiell“, „Unbekanntes. Ungewohntes. Andersartiges.“, „Alltagsleben. Vom Gebrauch der Dinge“, „Körper. Gesten. Inszenierungen“ und „Kulturen des Erinnerns“ gelegt.

Hunger ist ein sehr großes und aktuelles Problem. In diesem Museumskoffer wird die Hungersnot nach dem ersten Weltkrieg thematisiert, welchen die Künstlerin Käthe Kollwitz unter anderem miterlebt hat. Der Kampf gegen Armut, Hunger, sozialer Ungerechtigkeit und Krieg beherrscht ihre Motive. Sie hat zum Beispiel parzifistische Plakate gestaltet, die schlicht und sehr aussagekräftig sind und daher den Grundgedanken erkennbar machen. Im Koffer werden zwei dieser spannenden Plakate präsentiert. Weiterhin wird der Betrachter die Künstlerin und die furchtbare Situation, welche früher hier herrschte, näher kennenlernen. Durch unterschiedliche Methoden (Bücher, Plakate, usw.) kann man sich dem Thema nähern. Außerdem gibt es verschiedene spannende Objekte im Koffer zu entdecken, welche sich zum Beispiel in den kleinen Holzboxen befinden.

Mit dem Koffer wird versucht durch die Schattenseiten, Gefühle bei dem Betrachter zu wecken und diesen zum Nachdenken anzuregen. Das folgende Zitat: „Mitweinen, mitfühlen, mitkämpfen, mitnötig sein“[1], kennzeichnet die Werke von Käthe Kollwitz, denn jeder wird hier miteinbezogen.

Der Museumskoffer bietet sehr unterschiedliche didaktische Wege sich mit einer sehr relevanten Thematik auseinanderzusetzen und mit den im Koffer liegenden Arbeitsaufträgen zu arbeiten. 

 


[1] Kramer Catherine 2011