Nach­richt aus den Kul­tur­wis­sen­schaf­ten

IE­MAN-Vor­trag von Prof. Dr. Chris­ti­a­ne Acker­mann (Köln): Kom­pen­sa­ti­on und Im­pe­ri­um. ‚Sul­tan­por­träts‘ in deutsch­spra­chi­gen Tur­ci­ca des 16. Jahr­hun­derts

Das "Institut zur interdisziplinären Erforschung des Mittelalters und seines Nachwirkens" (IEMAN) lädt herzlich für Dienstag, den 9. Juni 2026, zu einem Vortrag von Prof. Dr. Christiane Ackermann aus Köln ein, die über "Kompensation und Imperium. ‚Sultanporträts‘ in deutschsprachigen Turcica des 16. Jahrhunderts" sprechen wird.

Der Vortrag stellt deutschsprachige Turcica des 16. Jahrhunderts als Medien 'kultureller Kompensation' vor. ‚Kompensation' bezeichnet dabei keinen moralischen Ausgleich, sondern eine symbolische Strategie zur Bearbeitung politischer und epistemischer Asymmetrien. Im Zentrum der Erörterung des Konzepts stehen Darstellungen osmanischer Herrscher – von der textuellen Imagination über die Medaille als Vorbild bis zur seriellen Holzschnittgraphik in Flugschriften. Diese dynamischen Bild-Text-Ensembles übersetzen die Präsenz eines geographisch fernen und militärisch potenten Imperiums in visuelle und narrative Formate, die innerhalb spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Herrschaftssemantiken verständlich werden. Sultanporträts erscheinen so als Transformationsmedien: Sie machen Kompensationsstrategien sichtbar und zugleich interpretierbar, indem sie osmanische Universalansprüche in vertraute ikonographische und sprachliche Ordnungen überführen. Dabei greifen deutschsprachige Texte und Bilder auf spätmittelalterliche Imperiumsvorstellungen zurück und schreiben diese im Kontext frühneuzeitlicher Druckmedialität fort.

Die Veranstaltung findet um 18:15 Uhr im Raum O1 224 statt.